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Neue Hürden für den Lehrlingsnachwuchs © APA/dpa/Andreas Arnold
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Eva Kaiserseder 31.08.2018

Neue Hürden für den Lehrlingsnachwuchs

Die Wirtschaft hadert mit den Plänen der Regierung, Asylwerber von der Lehrausbildung fernzuhalten.

••• Von Eva Kaiserseder

Verschnupft reagieren die einen, verhalten bis freudig die anderen – nämlich auf das Vorhaben der Regierung, die Lehre für Asylwerber abzuschaffen. Der noch recht junge Erlass ist 2012 in Kraft getreten, sechs Jahre später wird er laut dem Willen der Regierung vermutlich bald Geschichte sein – eine Entwicklung, die für Arbeitsmarkt­experten übrigens nicht ganz überraschend kommt.

Laut AMS gibt es österreichweit 8.183 sofort zur Verfügung stehende Lehrstellensuchende, die 5.105 akut verfügbaren Lehrstellen gegenüberstehen. Das, was da auf den ersten Blick als erfreulich massiver Überhang für die Wirtschaft daherkommt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber als branchenspezifisch höchst unterschiedlich geartet: Laut WKO-Lehrlingsstatistik gab es 2017 zwar ordentliche Lehrlingszuwächse zum Vorjahr etwa bei Transport und Verkehr (plus 4 Prozent) oder Information und Consulting (plus 2 Prozent), gleichzeitig gibt es aber auch Branchen, die fast symbolisch für den Mangel an Fachkräften stehen. Laut jammert etwa der Handel: 163 Lehrlinge weniger gab es 2017 im Vergleich zum Vorjahr; das entspricht minus 1,1 Prozent in der Gesamtbilanz. Außerdem wird in der chronisch unterbesetzten Gastrobranche und vor allem im Lebensmitteleinzelhandel händeringend Nachwuchs gesucht. Akut ist der Mangel auch bei den Bäckern, wo die Lage ähnlich ist. Dort gibt es fast doppelt so viele offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende, nämlich 80 zu 41. Asylwerbertechnisch findet sich der Löwenanteil jedenfalls in der Gastrobranche; dort sind momentan über die Hälfte der 1.023 Asylwerber beschäftigt: 555 Personen lassen sich zum Koch bzw. zur Gastro- oder Restaurantfachkraft ausbilden.

Spar macht sich stark

Da mutete die Zahl der Asylwerber, die derzeit im LEH als Lehrlinge beschäftigt sind, vergleichsweise minimalistisch an: 41 Asylwerber sind das insgesamt – trotzdem ist das eine nicht unwesentliche Zahl für die schon lang mit Nachwuchsmangel kämpfende Branche.

Kein Wunder also, dass sich Spar-Chef Gerhard Drexel stark macht für Lehrlinge mit Asylhintergrund. Er gehört auch zu denjenigen, die die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung” unterstützen. Knapp 60.000 Unterstützer zählt die Petition mittlerweile, darunter Wirtschaftskapazunder wie Georg Kapsch. Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann betont diesbezüglich, dass es „aus unserer Sicht sinnvoll ist, der Wirtschaft Zugang zu alternativen Arbeitskräften zu ermöglichen. Denn Faktum ist, dass es in einigen Branchen einen massiven Fachkräfte- und Lehrlingsmangel gibt”.

Sie führt aus: „Die offenen Stellen können oft nicht mit heimischen Arbeitskräften besetzt werden. Und wenn integrationswillige und lernfreudige Asylwerbende Interesse zeigen, dann ist das eine Win-Win-Situation für beide.” Spar bietet aktuell 2.700 Lehrstellen an, besetzt werden können davon aber lediglich 2.300. Dabei befinden sich zehn Personen in einem laufenden Asylverfahren.

Kalmieren in Rot-weiß-rot

Was die Wirtschaftskammer dazu sagt? Der hochpolitische Anlass führt naturgemäß zu geteilten Meinungen, wobei der Tenor nach außen klar ist: „Fachkräfte-Zuwanderung und Asyl sind zwei unterschied­liche Paar Schuhe”, betont WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Ziel müsse sein, „viel früher Klarheit und Sicherheit für die Unternehmen und Auszu­bildenden zu schaffen, ob jemand hierbleiben darf oder in sein Land zurückkehren muss. Das oberste Ziel sollten daher rasche ­Asylverfahren sein”, so Kopf weiter.

Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik & Gesundheit (WKO), stößt in dasselbe Horn und fordert dringend eine Versachlichung: „Eine Trennung zwischen Asyl und Zuwanderung wurde nun von der Regierung auf Basis des Fachkräftebedarfs getroffen.” Was für die Erfordernisse des Arbeitsmarkt ein probates Mittel sei? „Die Stärkung der Rot-Weiß-Rot-Card.”

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