Rewe fordert längere Öffnungszeiten im Handel
© Robert Harson
Marcel Haraszti
RETAIL Redaktion 19.10.2026

Rewe fordert längere Öffnungszeiten im Handel

Kurz vor dem Start der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel kommt ein neuer Vorstoß in der Debatte um eine Liberalisierung der Öffnungszeiten. Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti hält die geltenden Regelungen für zu restriktiv.

WIEN.  Laut einer vom Konzern beauftragten Umfrage wünschen sich knapp drei Viertel der Befragten längere Öffnungsmöglichkeiten für Nahversorger-Container. Auch für herkömmliche Geschäfte fordert Rewe eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) hatte der Handelskonzern seine Expansionspläne für die Billa-Box mit Selbstbedienungskassa aufgegeben. Demnach dürfen personallose Nahversorger-Container ebenso wie Supermärkte nur 72 Stunden pro Woche geöffnet sein. Laut Rewe sprechen sich knapp 73% von rund 1.000 Befragten dafür aus, dass Selbstbedienungsmärkte bei entsprechendem Bedarf auch nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.

Unterstützung kommt von NEOS-Wirtschaftssprecher Markus Hofer. „Gerade im ländlichen Raum, wo es vielerorts keinen klassischen Nahversorger mehr gibt, können Selbstbedienungsläden und Hybridmärkte diese wichtige Versorgungslücke schließen“, erklärte Hofer. Er hält es für nicht nachvollziehbar, dass Märkte ohne Personal nicht rund um die Uhr geöffnet sein dürfen.

Haraszti verweist auf eine im Regierungsprogramm vereinbarte Lockerung. Demnach sollen Nahversorger, die vollständig digital oder in Randzeiten ohne angestelltes Personal betrieben werden, vom Öffnungszeitengesetz ausgenommen werden. Rewe fordert eine rasche Umsetzung, um neue Versorgungskonzepte rechtlich abzusichern. Derzeit betreibt Billa österreichweit vier Selbstbedienungsboxen. Ein Testlauf mit Regionalboxen in Kärnten scheiterte unter anderem an den gesetzlichen Öffnungszeiten.

Darüber hinaus verlangt der Rewe-Chef für die klassischen Geschäfte von Adeg, Billa, Billa Plus, Bipa und Penny eine Ausdehnung der wöchentlichen Rahmenöffnungszeiten an Werktagen von 72 auf 78 Stunden. Auch WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik zeigte sich zuletzt offen für längere Öffnungszeiten am Samstagabend und bis zu zehn verkaufsoffene Sonntage pro Jahr.

Deutliche Kritik kommt von der Gewerkschaft GPA. „Was in 72 Stunden nicht eingekauft wird, wird auch in 78 Stunden nicht eingekauft“, erklärte Vorsitzende Barbara Teiber. Besonders Frauen wären von längeren Öffnungszeiten betroffen. Fehlende Kinderbetreuungsangebote an Sonntagen und zu Randzeiten machten die geforderte Liberalisierung aus Sicht der Gewerkschaft zu einer sozialen Zumutung.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL