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„Employee Experience ist in der HR das A und O” © Benedikt Weiss
© Benedikt Weiss

Redaktion 24.08.2018

„Employee Experience ist in der HR das A und O”

Tom Haak ist Keynote-Speaker beim HR Inside Summit in Wien. Ein Gespräch mit dem internationalen Trendwatcher.

••• Von Sabine Bretschneider

Tom Haak ist Chef des HR (Human Resources) Trend Institute im niederländischen Zeist. Das Institut „folgt, entdeckt und ermutigt Trends”, so die Eigendefinition, und gilt auch als Trendsetter überall dort, wo Menschen und Organisationen bzw. Unternehmen aufeinander treffen. Haak ist Experte für innovative HR, HR Tech und darin, wie Organisationen von Trendverschiebungen profitieren können.

In seiner Keynote am HR Inside Summit im Oktober in Wien wird Haak zu den neuesten Trends wie etwa dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Personalmanagement referieren. medianet führte im Vorfeld ein Gespräch mit dem „Trendbeobachter” Tom Haak.


medianet:
Herr Haak, Sie sind Director des HR Trend Institute. Was sind die nächsten großen Trends im HR-Bereich?
Tom Haak: Einer der ganz wichtigen Trends ist das Fokussieren auf die Employee Experience, das Mitarbeiter-Erlebnis. HR kann hier eine Menge vom Marketing lernen, das mit der sogenannten Customer Experience schon den Weg bereitet hat. Verschiedene Phasen dieser Reise, genauer gesagt der Customer Journey, können durch HR Tech – neue Technologien am HR-Sektor – unterstützt werden. Messungen und Analysen, Workforce Analytics sind entscheidend für eine Verbesserung der Employee Experience. Dabei geht es nicht um ‚One size fits all', weil die Erwartungshaltung der Menschen sehr unterschiedlich ist.

Der wichtigste Langzeit-Trend ist aus meiner Sicht die Personalisierung, die ebenfalls mit Employee Experience zusammenhängt. Ich beschreibe diesen Trend so: ‚Vom Befrieden des Chefs zur Vertrautheit mit dem Mitarbeiter' (‚From Please the boss to Employee Intimacy'). Machen sich Organisationen wirklich die Mühe, ihre Mitarbeiter kennenzulernen – übrigens auch andere Menschen, die eventuell nicht auf der Gehaltsliste stehen? Wonach streben Menschen? Was sind ihre Fähigkeiten, was wollen sie lernen? Im Regelfall geben sich Unternehmen keine wirkliche Mühe damit.
Einen anderen Trend nenne ich ‚Power to the People'. Mitarbeiter werden zunehmend unabhängig von Organisationen und Unternehmen und starten ihre eigenen Initiativen. Neulich bin ich über ein interessantes Beispiel im Fußball gestolpert. Es gibt eine Firma namens Your Tactical Analyst, die Spieler – kostenpflichtig – mit gründlichen Analysen von deren Spielen unterstützt sowie Tipps liefert, wie deren Performance verbessert werden kann. Die Sportler machen das völlig unabhängig von ihren Clubs, weil sie das Gefühl haben, dass sich der Club – verständlicherweise – nicht in erster Linie auf ihre individuelle Entwicklung konzentriert. Diese Spielarten von Service werden im Wirtschaftsleben immer häufiger auftauchen – eben Power to the People!


medianet:
Sie werden über das Thema Disruption der HR durch Künstliche Intelligenz sprechen. Warum ist KI so wichtig für die Zukunft der HR?
Haak: Die Nutzung von KI und anderen Technologien schafft ungeahnte Möglichkeiten, um die Wirkung von HR zu vergrößern. KI kann die Employee Experience in allen Phasen verbessern. Profiling, Sourcing – im Sinne der Fahndung nach geeigneten Kandidaten –, Selektion, Lernen und Entwicklung, Teamzusammenstellung und Produktivitätsoptimierung kann damit noch stark verbessert werden. HR wird viel datengesteuerter und evidenzbasierter betrieben werden. Mittels heute verfügbarer Technologien und fortgeschrittener Algorithmen kann man Daten schneller und intelligenter analysieren. Damit kann man dann adaptive Modelle bauen, die menschliches Verhalten voraussagen und simulieren. Es geht nicht so sehr darum, dass intelligente Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen werden, sondern vielmehr darum, dass Mensch und Maschine gemeinsam ihre Arbeit viel besser erledigen.

Die HR macht heute bei Weitem keinen perfekten Job, es gibt also viel Raum für Verbesserungen.


medianet:
KI ist ein sehr umstrittenes Thema. Gibt es absehbarerweise auch negative Konsequenzen?
Haak: Absolut! Wir müssen sehr vorsichtig sein in der Art und Weise, wie wir Technologie nutzen. Auch KI ist von Perfektion weit entfernt, und wir sollten dazu bereit sein, noch viel dazuzulernen. Schon heute ist das Vertrauen in Unternehmen und Organisationen nicht besonders groß – und wenn die Technologie missbraucht wird, kann viel Schaden angerichtet werden.

Auch die Erwartungen an KI sind oft viel zu hoch. Zwei Elemente muss man berücksichtigen: Erstens, menschliches Verhalten ist nicht so einfach vorherzusagen, auch wenn man Zugriff auf große Datenmengen hat. Auch in Bereichen, wo gute Leistungen einfach definiert werden können und wo riesige Mengen an Daten existieren, wie zum Beispiel im Fußballsport, ist es ausgesprochen schwierig, den zukünftigen Erfolg junger Spieler zu prognostizieren. Zweitens stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß Manager, Mitarbeiter und HR-Experten sich überhaupt rational verhalten. Alle Menschen sind anfällig für eine kognitive Verzerrung, die die Art und Weise, wie sie die Ratschlage von Maschinen interpretieren, beeinflussen.


medianet:
Wie wird HR in rund 20 Jahren aussehen?
Haak: Ich bin Trendbeobachter, kein Zukunftsforscher! Die traditionelle HR verschwindet ohnehin bereits. Viele Arbeitsbereiche sind längst automatisiert. Wir werden Menschen brauchen, die sich mit Menschen auskennen, die wissen, was sie brauchen und was sie wollen – und die wissen, wie Technologie das Leben innerhalb und außerhalb des beruflichen Umfelds besser machen kann.

20 Jahre sind eine lange Zeit, und ich würde derzeit auf keine Karriere im HR-Bereich setzen. Ich würde den Leuten vorschlagen, in ‚zukunftsfeste' Fertigkeiten zu investieren, und diese Fähigkeiten können sowohl auf der ‚harten' Seite, etwa in Technologie und Analyse, gefunden werden als auch auf der ‚weichen' Seite, wie etwa im Bemühen, Menschen zu verstehen und sie miteinander zu verbinden – oder auch darin, komplexe Muster zu erkennen …


Mehr Infos dazu:

www.hrsummit.at
https://hrtrendinstitute.com
oder www.youtube.com/watch?v=HdpUD9V81vY&t=1s

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