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Fehlstart in der Schule © APA/Harald Schneider

Nachholbedarf Viele Schulen scheitern trotz größten Bemühens daran, jene Defizite auszugleichen, die Kinder schon aufgrund eines bildungsfernen oder sozial schwachen Elternhauses mitbringen.

© APA/Harald Schneider

Nachholbedarf Viele Schulen scheitern trotz größten Bemühens daran, jene Defizite auszugleichen, die Kinder schon aufgrund eines bildungsfernen oder sozial schwachen Elternhauses mitbringen.

Wolfgang Feller 02.09.2016

Fehlstart in der Schule

Karriere beginnt in der Schule: „Problemschulen stärken, Bildungsverlierern vor Ort helfen” ist das Rezept, das der Thinktank Agenda Austria empfiehlt.

Gastbeitrag ••• Von Wolfgang Feller

WIEN. Eines der akuten Probleme des österreichischen Bildungssystems ist der hohe und stark wachsende Anteil an sogenannten Bildungsverlierern. Vor allem in Ballungszentren mit einem hohen Anteil an migrantischer Bevölkerung scheitern Schulen daran, Defizite auszugleichen, die Kinder aufgrund eines bildungsfernen oder sozial schwachen Elternhauses mitbringen. Ein bedrückend hoher Anteil dieser Kinder verfügt am Ende der Schulpflicht über unzureichende Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen; ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind gering, und die Gefahr ist groß, dass sie ein Leben lang im Sozialsystem hängen bleiben.

Was zu tun wäre: Die Finanzmittel dahin lenken, wo sie gebraucht werden: Schulen mit hohem Anteil an Risikoschülern („Problemschulen”) sollten mehr Geld bekommen als Schulen mit weniger Risikoschülern. Es geht um eine bedarfs­orientierte Mittelverteilung zum Ausgleich sozialer Nachteile bestimmter Schüler. Deren Schulen sollten mit den zusätzlichen Geldern Unterstützung in Form von Sprachlehrern, Sozialarbeitern und Schulpsychologen einkaufen können.

Verantwortung übertragen

Eine Schulautonomie, die diesen Namen verdient, ermöglicht Direktoren und Lehrerteams die Entscheidung vor Ort darüber, welche Maßnahmen und welcher Mitteleinsatz den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird. Auch sollte die Verantwortung der Schulen gegenüber den Schülern neu definiert werden. Sie endet nicht, wenn die Schüler alle Klassen durchlaufen haben, sondern erst, wenn klar definierte Bildungsstandards und Kompetenzen erreicht sind. Diese zu erzielen, liegt in der Verantwortung der Lehrer und Schulen.

Transparenz bei den Finanzierungsströmen herstellen: Eine wichtige Voraussetzung für eine bedarfsorientierte Finanzierung der Schule ist, die Verwendung der Mittel transparent darzustellen. Derzeit werden die Gehälter der Lehrer vom Bund bereitgestellt, die Entscheidung, wie viele Lehrer in den Pflichtschulen eingesetzt werden, treffen jedoch die Länder – ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Über den Finanzausgleich sind Gemeinden, Städte und Länder mit vielen Problemschulen mit mehr Geld auszustatten – oder noch besser: sie heben die dafür benötigten Mittel über eine Steuerhoheit selbst ein.

Neues Lehrerdienstrecht

Unverzichtbare Basis für jede zukunftsweisende Reform der österreichischen Schule ist ein leistungsorientiertes Lehrerdienstrecht, das ein Jahresarbeitszeitmodell, Anwesenheitspflicht am Schulstandort und verpflichtende Weiterbildung in der unterrichtsfreien Zeit beinhaltet. Um dies so rasch wie möglich umzusetzen, sind sofortige Verhandlungen mit den Lehrergewerkschaften aufzunehmen. Lehrer sollten sich direkt an den Schulen bewerben. Der Kündigungsschutz ist an die Regelungen des Angestelltengesetzes anzugleichen.

Der Autor Wolfgang Feller ist Projektleiter Bildung der Wiener Denkfabrik Agenda Austria.

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