••• Von Alexander Haide
WIEN. KI-Agenten sind bereits heute in vielen Unternehmen im Einsatz. Künftig werden sie allerdings selbstverständlich an der Seite von Menschen in hybriden Teams arbeiten. Sibylle Tretera, digitale Transformationsexpertin, und Martin Giesswein, KI-Program Director an der WU Executive Academy, erklären, worauf es beim Führen hybrider Teams besonders ankommt.
KI ist ein Innovationsturbo
Die globale Wirtschaftswelt ist längst von der KI-Revolutionswelle erfasst worden: Innovations- und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt vorrangig davon ab, wie sie mit dem Thema KI umgehen. Dabei zeigen Analysen deutlich, dass Länder mit höherer Produktivität tendenziell auch einen höheren Anteil der Digitalwirtschaft an der Gesamtwirtschaftsleistung aufweisen. Sogenannte High-Performing Unternehmen ändern sogar ihre Organisationsstruktur, um mehr Profitabilität mit ihren KI-Agenten zu erzeugen.
„KI wird somit zum unerlässlichen Innovationsturbo für Unternehmen, die in Form von KI-Assistenten und -Agenten die Teams unterstützen und Arbeitsabläufe erleichtern und beschleunigen“, ist Sibylle Tretera überzeugt. Sie hat langjährige Führungserfahrung unter anderem bei Pinterest und Google, ist Executive MBA Alumna der WU Executive Academy und begleitet als Leadership- und Transformationscoach KI-Transformation in Unternehmen.
Martin Giesswein, Digitalökonom und AI Program Director an der WU Executive Academy, spricht in diesem Zusammenhang von „Frontier Companies“ oder eben „High Performern“, die nun entstehen und von denen sich viele Unternehmen etwas abschauen können, weil sie neue Maßstäbe in der KI-Integration und -Strategie setzen und deshalb ertragreicher sind.
Erweiterte Leadership-Skills
„Damit diese zugegebenermaßen nicht ganz leichte Übung auch für ‚normale‘ Unternehmen gelingt, müssen sie unbedingt aus den Experimentierphasen mit ChatGPT, Gemini und Co. kommen und damit beginnen, fundierte KI-Strategien und -Systeme zu etablieren. Nur so können sie konkurrenzfähig bleiben und ihr Fortbestehen absichern“, so Giesswein. Frontier Companies weisen den Weg und setzen neue Standards für die Wirtschaft: Mit einer Agentic Workforce bestehend aus KI-Agenten, mit strategischen KI-Systemen und einem Upskilling in Bezug auf die KI, aber auch die damit verbundenen neuen und erweiterten Leadership-Skills.
KI proaktiv nutzen
Die Zauberformel heißt ausprobieren und dranbleiben. Führungskräfte müssen in der Lage sein, um KI-Assistenten und -Agenten zielsicher zu managen, ihnen die richtigen Aufgaben zu übergeben und kritisch einzugreifen, ohne gleichzeitig ins Micromanagement zu verfallen. Sibylle Tretera rät zu einem „Thought-Partner“-Ansatz, um KI in der Mitarbeiter- und Unternehmensführung als Sparringpartner effektiv zu nutzen. „Die KI könnte beispielsweise bewusst darauf trainiert werden, Denkmuster und Glaubenssätze zu hinterfragen und unkonventionelle Lösungen und Ideen zu entwickeln. KI als Personal Coach bietet dabei ein unerschöpfliches Potenzial, um (Self-) Leadership-Skills und die der Mitarbeiter auszubauen und um Blind Spots aufzuzeigen.“
Mitarbeiter übernehmen zunehmend die Rolle von „Agent Bosses“, indem sie KI-Agenten managen und anleiten. Eine wesentliche Aufgabe für Führungskräfte besteht bei der Umsetzung der KI-Strategie darin, die sogenannte „Human-Agent-Ratio“ zu eruieren: Das bedeutet, Aufgaben bestmöglich an die Agentic und Human Workforce zu verteilen und die Ressourcen im Sinne der KI-Integration zu planen.