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Kunst-Kollaboration © querkraft/andreas keller-fotografie.de (2)

Der aus 38 Kegeltürmen bestehende Pavillon von querkraft architekten wurde mit einem Architektur- & Designpreis ausgezeichnet.

© querkraft/andreas keller-fotografie.de (2)

Der aus 38 Kegeltürmen bestehende Pavillon von querkraft architekten wurde mit einem Architektur- & Designpreis ausgezeichnet.

Redaktion 10.12.2021

Kunst-Kollaboration

Weltausstellung in Dubai: Ein Querschnitt durch die Initiativen und Projekte österreichischer Künstlerinnen und Künstler.

••• Von Anna Egger

DUBAI / WIEN. Dubai, multikulturelle Stadt und Host der gerade stattfindenden Weltausstellung. Hier gibt es das Potenzial, durch die Verbindung von europäischer und arabischer Kultur Neues zu kreieren – doch wie wird es genutzt? Auf der Expo findet sich, als einer der wenigen Pavillons um Verbindung zum Gastgeberland bemüht, der österreichische Beitrag, der arabisches und österreichisches Wissen architektonisch verknüpft.

Abseits der Expo gibt es ein Viertel für zeitgenössische Kunst, welches zwei Österreicher initiiert haben. Was entsteht also, wenn man „Arabisches” mit „Europäischem” verbindet?

Technologie trifft Wissen

Dubai und Wien trennen mit dem Flugzeug knappe sechs Stunden und ein umgekehrtes Verhältnis an Moscheen und Kirchen. Fünf Mal am Tag, beginnend mit einem „Aaaah”, welches zu einem „Allah” überläuft, rufen die Muezzins zum Gebet – von den Minaretten, über die Lautsprecher in den Malls oder auf dem Expo-Gelände. Hier werden zwischen dem 1. Oktober 2021 und dem 31. März 2022 bis zu 25 Mio. Besucherinnen und Besucher erwartet. 192 Nationen sind auf der Weltausstellung vertreten, ebenso divers ist das Publikum, obwohl es außerhalb des Ausstellungsgeländes nicht weniger kulturelle Diversität gibt.

Nur 20% der Menschen, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wohnen, sind Emiratis, in Dubai ist die Zahl sogar noch niedriger, weshalb alles auf Arabisch und Englisch angekündigt wird.
Auf dem Österreich Pavillon prangt daher neben „Austria” ein arabischer Schriftzug. Und während bei der Beschriftung das Deutschsprachige fehlt, ist der Pavillon selbst eine Fusion aus österreichischer Technologie und arabischem Wissen.

Nachhaltige Architektur

Bei der Konzeption der weiß gestrichenen Lehm-Kegel hat das Wiener Architekturbüro querkraft auf die alte arabische Bauweise von Windtürmen zurückgegriffen, um einen natürlichen Kühlungseffekt zu erzeugen. Unterstützt mit österreichischer Technologie, ergibt sich daraus ein Gebäude, welches bis zu 70% weniger Energie verbraucht als konventionell klimatisierte Gebäude in der Region.

Für dieses innovative Konzept ist der Österreich-Pavillon unter anderem mit dem „Global Architecture & Design Award 2021” – in der Kategorie „nachhaltige Architektur” – ausgezeichnet worden.

Galerie Carbon12

Einige Stationen zurück Richtung Zentrum und über 20 Gehminuten später – es empfiehlt sich ein Taxi oder ein Auto, unmotorisiert kommt man in Dubai trotz Metrosystem nicht weit –, erreicht man das ehemalige Industrieviertel Al Quoz, in dem Nadine Knotzer mit ihrem Partner Kourosh Nouri die Galerie Carbon12 seit 2009 führt.

Mit ihrer Idee, internationale moderne Künstlerinnen und Künstler auszustellen, gehörten die beiden damals in den VAE zu den Vorreitern. Damals befand sich die Galerie noch zwischen einer Müllhalde und Autoteilhändlern. Nach und nach verwandelte sich Al Quoz jedoch in ein junges, hippes Viertel mit Coffee Shops, kleinen Kunstbetrieben und Galerien, da durch Knotzer und Nouri auch andere Galeristen von der Location erfuhren.
Die Programme der Galerien sind divers – wie könnte es auch anders sein? –, und so manch eine Künstlerin und manch ein Künstler aus Europa hat mittlerweile im Nahen Osten mehr Sammler als in der eigenen Heimat – so zum Beispiel der Österreicher Philip Müller, einer der Künstler von Carbon12.

Mutige Video-Kunst

Eine weitere Künstlerin der Galerie stellt unter anderem in ihren Projekten arabische und westliche Artefakte in einen neuen Kontext. In Anahita Razmis Video „Aaaaaaaaaaah” werden die Anfänge des Gebetsrufs in „Ahhhs” aus der westlichen Pop- und Rockmusik übergeleitet. Dazu bewegt sich eine schwarz gekleidete Frauenfigur sexy vor einem dunklen Hintergrund. Auf der gesamten audio-visuellen Ebene wechseln sich ­Ähnlichkeiten und Unterschiede ab.

Während einige wenige Einheimische zwar geschockt darüber waren, dass der Anfang des Gebetsrufes künstlerisch verwertet worden ist, stellt sich die Frage, wie so eine Kunstinstallation in einem Land wie Österreich, in dem es Islamkarten und rassistische FPÖ-Plakate gibt, aufgefasst worden wäre. Wäre dieses Video, das Kunst aus zwei Sphären verbindet, ­wegen der islamischen Inhalte vielleicht sogar als Hassbotschaft missverstanden worden?


Dieser Beitrag wurde im Rahmen der Initiative YoungStars des Österreichischen Journalistin­nenkongresses verfasst. Die Pressereise wurde mit Mitteln des BMDW und der WKÖ finanziert.

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