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Trend: „Beidhändig“ und agil führen © Panthermedia.net/Hay Dmitriy
© Panthermedia.net/Hay Dmitriy

Redaktion 20.08.2020

Trend: „Beidhändig“ und agil führen

Laut Hernstein Management Report hat virusbedingt jede fünfte Führungskraft (19%) das Leadership verändert.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Der Trend geht Hernstein zufolge klar in Richtung Agilität, die auf Selbstorganisation der Mitarbeitenden vertraut.
In den nächsten drei Jahren dürfte sich dieser Trend weiter verstärken: 65% der Führungskräfte meinen, dass dann ein agiler Führungsstil gefragt sein wird. Dabei werden im Hinblick auf das Erreichen der Firmenziele die Vorteile eines hierarchischen Stils durchaus geschätzt: 65% sind der Meinung, dass das Ziel Wirtschaftlichkeit damit eher erreicht wird.

Die Spuren des Virus
Als Weg, um die unterschiedlichen Stile zu kombinieren, gilt Ambidextrie – ein „beidhändiger“ Führungsstil, der sich durch den Wechsel zwischen einem hierarchischen und agilen Stil auszeichnet; dieser wird von 69% befürwortet und 64% sehen ihn in der Praxis als umsetz­bar an.

„Als Führungskraft gilt es einerseits, zwischen der Optimierung von Stabilität sowie Effizienz und andererseits der Flexibilität sowie dem Entdecken von Neuem die Balance zu finden“, erklärt Michaela Kreitmayer, Leiterin für Management und Leadership im Hernstein Institut. „Dies stellt hohe Ansprüche an die fachliche und persönlichkeitsbezogene Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitenden.“

19% der Führungskräfte haben ihren Führungsstil aufgrund von Covid-19 in Richtung mehr Agilität geändert: Der häufig sehr kurzfristig umzusetzende, großflächige Einsatz von Homeoffice hat hohe Anforderungen an die Unternehmensführung gestellt.

Dabei fällt auf, dass mehr Führungskräfte unter 40 Jahren ihren Stil geändert haben als ihre älteren Kollegen, wobei dies in Deutschland noch ausgeprägter ist als in Österreich (deutsche Führungskräfte unter 40 Jahre: 24%; ab 40 Jahren: 15%).
Unter den Führungsebenen sticht das obere Management hervor, dessen Vertreter zu 29% ihren Stil geändert haben; im unteren Management waren es mit 18% deutlich weniger.
Nach Branchen ist es der IT- und Telekom-Sektor, der die stärksten Anpassungen zeigt: 24% veränderten ihr Führungsverhalten, gefolgt vom Handel mit 22%.

Effiziente Hierarchie
Die Führungskräfte geben an, dass sieben von zehn Unternehmenszielen eher über hierarchische Strukturen erreicht werden als über agile.

Bei der Wirtschaftlichkeit gibt es ein klares Votum zugunsten des hierarchischen Konzepts (65%). Bei den Zielen Qualität, Effizienz, Image, Zukunftssicherheit, Kundenorientierung und Konkurrenzfähigkeit ist eine Mehrheit für den hierarchischen Stil, die jeweils im Bereich von 51 bis 56% liegt.
Die Zufriedenheit von Mitarbeitenden hingegen wird laut befragten Führungskräften klar über einen agilen Stil erreicht (64%); ebenso Innovationsfähigkeit (60%) und mit etwas geringerer Mehrheit auch Diversität (56%).
Als Folge dieser unterschiedlichen Ziele halten es 69% der Befragten für sinnvoll, den Führungsstil je nach Situation zwischen hierarchisch und agil zu variieren.
Unter weiblichen Führungskräften ist die Zustimmung zur Ambidextrie größer als unter männlichen (72% versus 67%), dafür sind Männer optimistischer, was die Umsetzbarkeit anbelangt (66% versus 62%).

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