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Vorbereitung auf die totale Disruption © AFP/Roslan Rahman
© AFP/Roslan Rahman

Redaktion 09.10.2020

Vorbereitung auf die totale Disruption

Menschliche und Künstliche Intelligenz kooperieren immer enger. Wo bleiben Emotion, Moral und Ethik?

Gastbeitrag ••• Von Anne M. Schüller

Menschliche und künstliche Intelligenzen werden nun immer enger zusammenarbeiten. Im Unternehmen muss man sich deshalb auch fragen: Wie sieht eine humanorientierte Digitalisierung für uns aus? Menschen, humanoide Roboter und künstliche Intelligenzen (KI) bewegen sich mit beeindruckendem Tempo aufeinander zu. Was Forschung, Wissenschaft und Praxis uns dazu berichten, ist atemberaubend. So entwickelt sich die Technologie um ein Vielfaches schneller als herkömmliche Organisationen, die linear agieren und auf das Verbessern von Bestehendem zielen. Digitaltechnologien hingegen erfinden völlig Neues, bauen exponentiell aufeinander auf und vernetzen sich miteinander.

Diese Entwicklung erfordert ein Denken und Handeln in neuen Geschwindigkeiten. Linear ist wie Addieren. Exponentiell hingegen wie Multiplizieren. Und das wiederum heißt: Erst langsam, dann plötzlich ganz schnell. Nie wieder wird der Wandel so gemächlich voranschreiten wie heute. Denn jede technologische Verbesserung führt dazu, dass die nächste Verbesserung rascher erreicht werden kann.
Quantencomputer werden das Tempo noch einmal toppen. Die sind wie auf Speed. Sie werden uns zu technologischen Sprüngen von nie gekannten Ausmaßen führen. Quasi in jedem Jahr kann dann ein sogenannter Gutenberg-Moment passieren, ein Moment radikaler Disruption, der die Menschheit neu handeln lässt und die ganze Welt ein Stück weit verändert. Auch wenn anders gelagert, verdeutlicht Covid-19 die Ausmaße, die sowas annehmen kann.

Zukunft wird gestaltet

Gemeinsam sind wir auf dem Weg in eine Zeit, in der sehr vieles anders sein wird als jemals zuvor. Gemeinsam sind wir auch verantwortlich dafür, dass dieser Weg ein guter wird: für den Lebensalltag der Menschen, für das eigene Unternehmen, für die Wirtschaft als Ganzes, für die globale Gesellschaft – und für unseren Heimatplaneten.

Dabei geht es nicht um die Digitalisierung als solche, denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie dient einem „Wofür”. Sie soll das Leben der Menschen besser, das Arbeiten effizienter und die Unternehmen erfolgreicher machen. Dazu braucht es eine passende organisationale Struktur – und eine agile Unternehmenskultur. Digitale Expertise kann zugekauft werden. Anpassungsvermögen und Umsetzungsgeschwindigkeit hingegen lassen sich nur von innen heraus entwickeln.
Dies erfordert zweierlei: Eine Erneuerung der internen Strukturen und ein Vorrücken der zwischenmenschlichen Beziehungsarbeit. Denn das Konzeptionelle verknüpft sich immer mit dem Sozialen. „Eine naive Technikglorifizierung ohne Humanorientierung und ohne gesellschaftliche Verantwortung ist eine ernste Gefahr”, bekräftigt der Digital-Vordenker Winfried Felser.

KI als Kollege & Team-Mitglied

KI & Co. haben auf vielen Gebieten das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen zum Positiven hin zu bewirken; eine gute Beziehung zwischen Mensch und Denkmaschine ist deshalb elementar. Wenn beide einträglich zusammenarbeiten und ziemlich beste Freunde werden, sind sie als Tandem sowohl dem Menschen allein als auch der Maschine allein überlegen. Kernfragen sind also diese: Was kann KI besser als Menschen? Was können Menschen besser als KI? Welche neuen Leistungen können Menschen mit Unterstützung der KI erbringen? Wann überlassen wir die Arbeit der KI voll und ganz – und wann schreiten wir ein? Wie kann es gelingen, das Beste von beidem so miteinander zu verknüpfen, dass daraus ein perfektes Ergebnis entsteht?

So haben die Führungseliten dafür zu sorgen, dass der Mensch das Sagen behält und Menschlichkeit die Oberhand hat.
Heißt: Die eingesetzten Technologien müssen dem Wohlergehen der Mitarbeiter und Kunden dienen. Daten kennen keine Moral. Die Moral muss von den Menschen kommen. Der Profitgedanke rechtfertigt nicht jedes Mittel. Und nicht alles, was machbar ist, sollte man machen.
Unternehmen werden durch Technologien verändert, aber durch ihre Menschlichkeit definiert.

Bedrohung? Freund? Helfer?

Selbstlernende KI kann nicht nur von sich aus intelligenter werden, sie ist längst auch kreativ. Fortgeschrittene Programme beginnen bereits autonom nach Betätigungsfeldern zu suchen, weil man ihnen Belohnungsprogramme eingepflanzt hat. Sie können sich selbst programmieren und sich replizieren, also selbstständig neue Intelligenzen gebären. Dabei bilden sie keine menschliche Intelligenz nach, sondern gehen eigene Wege, die die Entwickler heute zum Teil noch nicht mal verstehen.

Menschlichkeit, Ethik und Werte: Technologie per se kennt all das nicht. Sie kann und wird aber viel von uns lernen. Sie übernimmt das Gute und das Schlechte in uns. Wer eine mächtige Technologie entwickelt, löst immer einen Wettlauf zwischen Gut und Böse aus. In den Händen der Falschen ist sie ein Teufelszeug. KI braucht also zwingend und dringend einen ethischen Rahmen – und KI-Sicherheit für uns alle.

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