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Walter Veit neuer ÖHV-Präsident: „Voller Fokus auf Pandemie-Management“ © ÖHV

Walter Veit.

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Walter Veit.

Redaktion 18.01.2022

Walter Veit neuer ÖHV-Präsident: „Voller Fokus auf Pandemie-Management“

Veit folgt in dieser Funktion Michaela Reitterer. Aktuelle Branchenbefragung zeigt ein Jännerloch bis in den März hinein und bescheidene Noten für die Politik in der Krise.

WIEN. Nach dem Maximum von drei Funktionsperioden verabschiedete sich Michaela Reitterer bei der 54. Generalversammlung der Österreichischen Hoteliervereinigung am 17. Jänner 2022 in Wien als ÖHV-Präsidentin. Ihr folgt Walter Veit, Inhaber des Vierstern-Hotel & Zirbenspa Enzian sowie der Mankei Alm in Obertauern. Er engagiert sich – bis auf eine dreijährige Unterbrechung während seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Hogast, einer von der ÖHV gegründeten Einkaufsgenossenschaft mit zuletzt 1,3 Mrd. € Jahresumsatz – seit 2004 ehrenamtlich in der ÖHV, zuletzt als Landesvorsitzender in Salzburg und Vizepräsident.

Fokus auf Krisenmanagement
Oberste Priorität hat für den neu gewählten Branchensprecher die Bewältigung von Pandemie und Wirtschaftskrise: „Nichts ist dringender.“ Der viele Milliarden Euro schwere wirtschaftliche Schaden durch die Krise konzentriere sich stark auf den Tourismus. „Wir sehen die Bemühungen der Politik. Ohne Entschädigungen gäbe es die Hotellerie heute wohl nicht mehr. Doch vieles bleibt auf der Strecke, dauert extrem lang, ist praxisfremd und überkomplex“, so Veit. Das beginnt bei den Verordnungen und geht bis hin zur Abwicklung von Entschädigungen. „Kommt die Liquidität erst in den Unternehmen an, wenn der Antragsteller in Konkurs geht, ist es zu spät“, fordert er von der Politik mehr Abstimmung mit der Praxis. Das würde die Prozesse beschleunigen, den Aufwand verringern. „Dass uns die Infektionszahlen nach Silvester um die Ohren fliegen, wenn wir die Gäste um 22 Uhr aus dem kontrollierten Umfeld bei professionellen Gastgebern hinauskomplimentieren, war von Anfang an klar. Da hätten viele Infektionen vermieden werden können“, nennt Veit ein aktuelles Beispiel. Die Folgen der Fehleinschätzung trägt zum wiederholten Mal der Tourismus: „Die Infektionszahlen steigen ins Endlose, die Hotels sind beinahe leer. Wenn der Bund bei den Förderungen nicht nachjustiert, gibt es ein unschönes Erwachen.“ Jetzt will Veit von der Politik vollen Fokus auf das Krisenmanagement: „Es gibt bessere Zeiten, um in Ministerien Hunderttausende E-Mails sichten und ordnen zu lassen. Jetzt heißt es Menschenleben und Arbeitsplätze retten“, fordert Veit, Dringendes und Wichtiges rasch richtig zu ordnen.

Jännerloch bis in den März hinein
Eine aktuelle ÖHV-Branchenbefragung mit 672 Teilnehmern bringt ernüchternde Ergebnisse: Vier Prozent der Hotels sind coronabedingt schon geschlossen, weitere elf Prozent fassen die Schließung ins Auge. Die Jänner-Auslastung ist von 72% vor Corona auf 34% gefallen: zu niedrig, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Buchungen für die kommenden Monate – in Normaljahren Hochsaison – sehen aktuell nur eine Spur besser aus: 47 statt 81% im Februar, 43 statt 73% im März. Ob noch Buchungen oder Stornos folgen, hängt vor allem von der Entwicklung der Infektionszahlen ab.

Je länger die Anreise, umso stärker der Gästerückgang
Je weiter weg der Herkunftsmarkt, umso stärker der Nächtigungseinbruch: Sechs Prozent weniger bei Landsleuten, 26% weniger aus dem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland, 39% weniger aus den anderen EU-Staaten, 54% weniger aus Fernmärkten: „Österreichs Tourismus punktet vor allem international seit Jahrzehnten enorm von Investitionen in die Qualität. Wie dieser wichtige Export- und Arbeitsmarktmotor in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dasteht, entscheidet sich jetzt“, fordert Veit rasch eine andere Herangehensweise an die Herausforderungen der Pandemie.

Luft nach oben bei Krisenbekämpfung: „Einsagen“ ist in der „Schule des Lebens“ erlaubt
Entscheidend dafür sei neben mehr Impfungen und PCR-Tests nach zwei Pandemie-Jahren neben mehr Praxisnähe bei den Regelungen die raschere Auszahlung von Entschädigungen: „Was wir derzeit bekommen – oder besser gesagt nicht bekommen – ist zum Überleben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wir brauchen Hilfen, die helfen“, fordert Veit. Entsprechend viel Luft nach oben gibt es bei der ÖHV-Branchenbefragung bei der Performance der Politik: Die Bundesregierung kommt nach dem Schulnotensystem auf einen Notenschnitt von 3,7. Die Landesregierungen liegen mit 3,6 nur eine Spur besser, zitiert Veit aus der Befragung: „Niemand erwartet Wunder. Aber in Tourismus- und Wirtschaftspolitik sollte sich die Politik von denen einsagen lassen, die die Inhalte aus dem Effeff beherrschen. In der Schule des Lebens ist das erlaubt.“

Ausbildung, Arbeitszeit, Gehälter – alles soll attraktiver werden, die Lohnnebenkosten sinken
Neben der Krisenbekämpfung will Veit das Hauptaugenmerk auf den Arbeitsmarkt werfen: „Wir werden aufzeigen, was die Branche alles bietet, und überall besser werden: in der Lehre, in den Tourismusschulen, bei den Unterkünften, bei der Arbeitszeit, bei den Gehältern. Gemeinsam mit Politik, Schulen und Gewerkschaft. Wir gehen auf alle zu. Das Branchenbashing muss aufhören. Denn fehlen Mitarbeiter überall, nicht nur bei uns: Techniker, deren Bezahlung man uns als Benchmark für Hilfskräfte hinknallt, akademisch ausgebildete Apotheker, Lehrer mit komplett anderen Arbeitszeiten als jenen, die man uns vorhält, wechseln die Branche.“ Konkret will Veit merkliche Verbesserungen bei Praktika und das Ende des unbefristeten Feststellungsbescheids durchsetzen: „Die schwarzen Schafe müssen weg.“ Gemeinsam mit Vertretern anderer Sparten will er sich für eine merkliche Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen: „Da erwarte ich und mit mir viele, viele Arbeitgeber von Regierung und Wirtschaftskammer mehr als Sonntagsreden. Wir brauchen handfeste Ergebnisse. Ein bisschen Bewegung bei den Nachkommastellen ist zu wenig.“

38 Prozent mussten Angebot zurückfahren
In diesem Winter konnten laut ÖHV-Branchenbefragung 15% der offenen Stellen nicht besetzt werden, dazu kommen Corona- bzw. Quarantäne-bedingte Ausfälle in der Größenordnung von sieben Prozent. 38% der Hotels mussten ihr Angebot reduzieren: „Geschieht da nicht bald etwas, wird das irgendwann auch für den Finanzminister unschön, wenn nach den Nächtigungen und Preisen auch die Steuereinnahmen sinken.“ Als weitere Schwerpunkte für die ÖHV-Arbeit in den kommenden Jahren nannte Veit Nachhaltigkeit und Digitalisierung: „Wir tragen das über den ÖHV-Campus in die Branche. Das Interesse ist enorm und steigt stetig. Da sind wir auf einem guten Weg, den führen wir fort“, freut sich Veit über das Interesse der Kollegen an diesen zentralen Zukunftsthemen.

Veits Team – erfahren, engagiert, ehrenamtlich
Der neugewählte ÖHV-Präsident tritt mit einem Team aus erfahrenen Hoteliers und Branchenvertretern an. Als Vizepräsidentinnen und -präsidenten unterstützen ihn Heike Ladurner-Strolz (Hotel Zimba, Schruns), Sophie Schick (Boutique-Hotel Hauser, Wels), Klaus Hofmann (St. Martins Therme & Lodge, Frauenkirchen) und Alexander Ipp (IPP Hotels, Wien), dazu die Landesvorsitzenden Barbara Winkler (Kaiserlodge, Scheffau), Gernot Deutsch (Heiltherme Bad Waltersdorf), Hubert Koller (Kollers, Seeboden) und Hannes Scheiblauer (RelaxResort Kothmühle, Neuhofen a.d. Ybbs). Finanzreferent Manfred Furtner (Wiesenhof, Pertisau) komplettiert das Team. „Dass die Kolleginnen und Kollegen in dieser schwierigen und aufwendigen Zeit neben dem Brotberuf ihre Erfahrung in Branchenbelangen ehrenamtlich in die Interessenvertretung einbringen, ehrt sie und ist für die ÖHV und ihre Mitglieder ein echter Gewinn“, so Veit. Das ÖHV-Büro in Wien führt weiter Generalsekretär Markus Gratzer. (red)

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