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In Österreich hat die Aufholjagd begonnen © PantherMedia/szefei (YAYMicro)
© PantherMedia/szefei (YAYMicro)

Redaktion 19.11.2021

In Österreich hat die Aufholjagd begonnen

Innovationen im Payments-Bereich brauchen Austausch und enge Zusammenarbeit aller Stakeholder.

••• Von Reinhard Krémer

Payment ist ein zentrales Element für jede Volkswirtschaft – einer der häufigsten Prozesse, den alle Österreicherinnen und Österreicher jeden Tag mehrmals durchführen. Das Zahlverhalten der Konsumentinnen ändert sich kontinuierlich, während Europa bei diesen Entwicklungen im Schatten der großen Payment-Schemes aus Amerika oder Asien steht.

„Kollaboration ist eindeutig der Motor von Innovationen. Daher braucht es eine enge Zusammenarbeit aller Stakeholder, um zukunftsweisende europäische Entwicklungen im Payments-Bereich möglich zu machen”, sagt Christian Bruck, Partner BearingPoint Österreich und Experte für Instant Payments.

Kosten minimieren

„Als Beispiel schaffen wir einen neuen digitalen Prozess, mit dem man optimale Transparenz, Minimierung der Kosten für die Zahlungseingangsbearbeitung und eine Forcierung der Account-to-Account-Zahlungen durch eine einfache Integration ins Online-Banking ermöglichen kann. So hat man keine Papierrechnungen mehr und einen vollständig integrierten und digitalisierten Rechnungsempfangs- und Bezahlprozess mit hoher Convenience und zusätzlich auch eine nachhaltige Reduzierung des CO2-Fußabdrucks um zwei Drittel”, so Bruck.

Wenig Veränderung im Land …

Fünf Stakeholdergruppen wurden definiert und im Rahmen der P19-Studie befragt. Seit 2018 hat sich die Meinung der Expertinnen aus Banken, Handel, Regulatoren und Start-ups zur Einschätzung, wo Österreich im Bereich von innovativen Zahlungssystemen liegt, wenig verändert.

Die Befragten stufen Österreich mit überwiegender Mehrheit (79,2%) auch 2021 im Mittelfeld innovativer Zahlungssysteme ein. Die Relevanz, an die Spitze innovativer Zahlungssysteme zu kommen, wird hoch eingeschätzt: Mit einer Zustimmung von 79,2% empfinden die Befragten dieses Bestreben als ein wichtiges.

… aber es geht was weiter

„Die Aufholjagd hat begonnen und wir müssen die Basis für Innovationen über Kollaboration und Austausch legen”, sagt P19-Initiator Martin Sprengseis-Kogler, Managing Partner von bluesource, einem Unternehmen, das innovative Lösungen im Payment-Bereich baut. Die Relevanz eines eigenen „europäischen Payment Schemes” wird mit 77,8% Zustimmung als ebenso relevant eingestuft.

Bei Echtzeit vor Deutschen

Gleichzeitig mit P19 hat BearingPoint im Rahmen einer repräsen­tativen Endkundenstudie SEPA-Echtzeitüberweisungen bzw. Instant Payment in Österreich und Deutschland untersucht.

Bemerkenswert ist, dass SEPA-Echtzeitüberweisung in Österreich häufiger genutzt wird als in Deutschland. Außerdem wurde in Österreich das Handy mit den angebotenen Mobile Banking Apps als das präferierte Tool für die Nutzung der SEPA-Echtzeitüberweisung identifiziert, während in Deutschland hier vorrangig der PC/Laptop und das angebotene Internet- bzw. OnlineBanking herangezogen wird. Christian Bruck: „Die Nutzungsrate von Instant Payment ist in Österreich eindeutig höher als in Deutschland. Die Mehrheit der Österreicher könnte sich vorstellen, dass SEPA-Echtzeitüberweisungen die Standardüberweisung in den nächsten Jahren ablösen werden. Die Österreicher sind einer Incentivierung mittels Rabatten oder kürzeren Liefer­zeiten als Motivation zur Nutzung der SEPA-Echtzeitüberweisung offener gegenüber eingestellt als die Befragten in Deutschland.”

RLB Oberösterreich als Pilot

Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich war der Pilot in Österreich bei der Einführung von Instant Payment. „Oberstes Ziel ist unsere Kundenorientierung – wir begeistern unsere Kunden mit bedürfnisorientierten, innovativen Lösungen”, sagt Johannes Weinzierl, Produkt- und Portfolio Management bei der RLB Oberösterreich.

Auf die Frage, wie stark bereits kollaboriert wird, zeigen die Ergebnisse ähnlich hohe Werte wie im vergangenen Jahr: Der Kollaborationsindex ergibt einen Wert von 77,2%, ähnlich hoch wie 2020 (78,1%).

Welche Trends wichtig sind

Auch die Bereitschaft, Kollaboration weiter zu intensivieren, wird mit einer Zustimmung von 71,1% deutlich bejaht. Die inhaltlichen Schwerpunkte des diesjährigen Payment Festivals liegen auf Nachhaltigkeit im Shopping, Mehrwertdiensten und Instant Payment.

Über die Bedeutung dieser Trends im Payment sind sich die Befragten einig; ihm wird höchste Relevanz bescheinigt (Nachhaltigkeit: 84,7%, Mehrwertdienste: 79,2%, Alternative Payments: 84,7%).
„Die fortschreitende Digitalisierung, nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie, pusht Payment in die digitale Welt. Das erfordert eine enge Kollaboration zwischen unterschiedlichen Stakeholdern und macht unsere Payment Pioneers zu Schlüsselfiguren”, sagt Birgit Kraft-Kinz, Studienleiterin und Geschäftsführerin der KraftKinz GmbH.

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