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„Mehr Frauen in Führungspositionen!” © Gernot Gleiss
© Gernot Gleiss

Helga Krémer 09.03.2018

„Mehr Frauen in Führungspositionen!”

Herta Stockbauer, CEO BKS Bank: Mehr Ladies in Institutionen, Interessen­verbänden und Behörden.

••• Von Helga Krémer

Sie ist seit über 25 Jahren im Bankgeschäft und nimmt sich kein Blatt vor den Mund – besonders wenn es um Frauen in Führungsebenen geht. medianet sprach mit Herta Stockbauer, Vorstandsvorsitzende der BKS Bank.

 

medianet: Seit Jänner gilt ja die Frauenquote (von 30 Prozent für Unternehmen, die entweder börsenotiert sind oder ständig mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, Anm.). Was halten Sie von dieser Quote?
Herta Stockbauer: Ich habe lange gedacht, wir brauchen in Österreich keine Quote, und Frauen werden in Österreich auch so gut vorankommen. Mittlerweile bin ich für eine Quote. In den letzten 20 Jahren hat sich in Österreich bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen oder in Aufsichtsräten nur wenig geändert. Die BKS Bank erfüllt die Quote im Aufsichtsrat schon seit längerer Zeit; aktuell sind ein Drittel unserer Aufsichtsratsmitglieder Frauen.

 

medianet: Was müsste oder könnte in diesem Zusammenhang noch getan werden?
Stockbauer: Bisher wurden nur börsenotierte Unternehmen zu dieser Quote verpflichtet. Auch öffentliche Institutionen, Interessenverbände und Behörden könnten mehr Frauen in Führungspositionen haben. Auch ein Blick auf die Regierungsbänke in Österreich zeigt meist kein ausgeglichenes Bild; dabei könnte die öffentliche Hand leicht mit gutem Vorbild vorangehen.

medianet: Sie sind seit 1992 im Bankgeschäft: Was können Frauen in finanzieller Hinsicht besser als Männer?
Stockbauer: Aus meiner Sicht kann nicht pauschal gesagt werden, ob Frauen oder Männer besser mit Geld umgehen. Das Finanzverhalten wird sehr stark von der jeweiligen Persönlichkeit und vom vorhandenen Finanzwissen geprägt.

Frauen sind in der Regel etwas sicherheitsbewusster. Wenn Männer höhere Kredite aufnehmen, steht das aus meiner Sicht in Relation zu deren nach wie vor höherem Durchschnittseinkommen.


medianet:
Welchen Rat könnten Sie Frauen in Karrierefragen geben?
Stockbauer: Ich rate Frauen immer, ihre beruflichen Wünsche klar auszusprechen und nicht darauf zu warten, dass sie quasi entdeckt werden. Dazu gehört auch die Gehaltsfrage. Ferner kann ein gutes Netzwerk sehr hilfreich sein. Frauen sollen sich auch trauen, Chancen zu ergreifen, die geboten werden, selbst wenn der Zeitpunkt ungünstig erscheint, weil zum Beispiel die familiäre Situation dafür noch nicht optimal ist. Ein optimaler Zeitpunkt, eine Karriere zu starten, kommt mit Sicherheit nie. Lange Teilzeit- und Karenzphasen sind oft ein Karrierekiller.

medianet:
Wie sind die Aussichten und Ziele der BKS Bank für 2018?
Stockbauer: Wir blicken sehr optimistisch in das Jahr 2018. Die Konjunktur ist in unseren Marktgebieten gut, die Investitionsfreude der Unternehmen hoch. Wichtige strategische Ziele sind für uns der Ausbau unserer Marktanteile und die Stärkung der Kapitalquoten. Wir arbeiten intensiv an der digitalen Transformation. Dabei haben wir nicht nur den Ausbau der digitalen Kundenangebote im Visier, sondern auch die weitere Digitalisierung der internen Prozesse. Wir sind überzeugt davon, dass das Erfolgsmodell für unsere Zukunft die Kombination aus exzellenter Beratungsleistung und einem modernen, digitalen Angebot ist.

medianet:
Was halten Sie von FinTechs?
Stockbauer: Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Dies gilt auch für FinTechs. Manche haben wirklich interessante Ideen und Geschäftsmodelle, viele werden wieder vom Markt verschwinden. FinTechs halten uns aber fit, weil sie uns zwingen, viele althergebrachte Positionen zu überdenken. Und dieser Prozess des Überdenkens ist bei uns im vollen Gange.

medianet: Und von Bitcoins & Co?
Stockbauer: Bitcoins & Co sind Spekulationsobjekte und mit hohem Risiko verbunden. Zudem wissen wir, dass Kryptowährungen oft auch für kriminelle Machenschaften verwendet werden. Ich kann mich nur den Warnungen der vielen verschiedenen Institutionen anschließen. Viele haben bereits viel Geld verloren, und viele werden diese Erfahrung noch machen. Einige wenige werden aber auch viel Geld damit verdienen. Auch der mit Herstellung von Kryptowährungen verbundene Energiebedarf ist in hohem Maße bedenklich. Ein anderes paar Schuhe ist allerdings die Blockchain-Technologie an sich, die interessantes Potenzial für verschiedene Anwendungen bietet.

medianet: Die BKS Bank wurde vor Kurzem mit dem Prime-Standard der oekom research AG ausgezeichnet. Was bedeutet das?
Stockbauer: Die oekom research AG ist eine renommierte, international tätige Nachhaltigkeitsratingagentur. Sie ratet auch die Nachhaltigkeitsaktivitäten der BKS Bank. Erfreulicherweise haben wir erst kürzlich unser Rating wieder verbessert und wurden Ende Februar erneut mit ‚Prime' eingestuft. Dies besagt, dass ein Unternehmen die von oekom zugrunde gelegten Nachhaltigkeitsstandards erfüllt und global zu den Klassenbesten gehört. Wir sind sehr stolz auf diese Auszeichnung, da sie nur wenige Banken weltweit tragen dürfen. Ausschlaggebend für unser gutes Ratingergebnis waren u.a. die hohe Geschäftsethik, die nachhaltigen Produkte, aber auch die vielfältigen Bemühungen um die Umwelt.

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