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Willibald Cernko geht – freiwillig? © APA/Herbert Pfarrhofer

Willibald Cernko war seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Großbank. Zuletzt krachte es mit Rom wegen des Filialnetzes.

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Willibald Cernko war seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Großbank. Zuletzt krachte es mit Rom wegen des Filialnetzes.

Redaktion 21.01.2016

Willibald Cernko geht – freiwillig?

Eine Ära in der Bank Austria endet Ende Februar 2016, Robert Zadrazil folgt mit 1. März.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Dass es in der Bank Aus­tria seit Jahren heftig zugeht, verwundert kaum noch jemanden. Probleme mit dem Online-Banking, kolportierter und dann doch abgeblasener Verkauf des Filialnetzes, Schrumpfkurs, Personalabbau und so weiter und so fort – in dem aus diversen österreichischen Banken zusammengelöteten Unternehmen schien keine Ruhe einkehren zu wollen.
Jetzt kam der Knalleffekt: CEO Willibald Cernko geht per Ende Februar; mit 1. März wird ihm der 45jährige Robert Zadrazil nachfolgen. Seit einigen Jahren zum Vorstand gehörig, studiert er derzeit Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Italienische Ränke

Der Abgang Cernkos war, wie Insider von Beginn an vermuteten, nicht ganz freiwillig. Der „Generationswechsel“ wurde offenbar von den italienischen Eigentümern herbeigeführt – und zwar eher überfallsartig. Der Noch-BA-CEO, dessen Vertrag erst im Oktober des Vorjahres verlängert worden war,  wurde erst nach einer Aufsichtsratssitzung am letzten Freitag von seiner Absetzung informiert. Möglicherweise traute man Cernko die Umsetzung des harten Sparkurses nicht zu. Er hatte öffentlich erklärt, er habe sich „selbstverständlich ... immer die Frage zu stellen: Ist das das, was man persönlich mit
vollem Herzblut unterstützen könnte?“
Willibald Cernko war am 1. Oktober 2009 Erich Hampel an die Spitze der Bank Austria gefolgt, dieser wurde Aufsichtsratschef. Cernko war für den Job von der damaligen deutschen Bank-Austria-Schwester HypoVereinsbank (HVB), wo er Privatkundenvorstand war, nach Wien zurückgekehrt. Der Banker gilt nicht als jemand, der leichtfertig aufgibt. Jahrelang hatte er versucht, die teils heftigen Probleme des Instituts, die manche in der komplizierten Struktur der Bank sahen, mit Verve aufzuarbeiten.
Die Bank Austria war 1991 aus einer Verschmelzung von Zentralsparkasse und Länderbank hervorgegangen. 1997 holte sich der damalige Bank Austria-Boss Randa in einem Aufsehen erregenden Coup die Creditanstalt. Branchenkenner meinen, dass die verschiedenen Kulturen und politischen Ausrichtungen der drei Institute – die CA galt als „schwarz“, Zentralsparkasse und Länderbank als „rot“ – jahrelange interne Grabenkämpfe zur Folge hatten, die die Bank schwächten. Die Lage wurde nicht einfacher, als sich die deutsche Hypo Vereinsbank im Jahr 2000 das Unternehmen holte und 2005 schließlich alles bei der italienischen UniCredit landete.

Kahlschlag in Italien?

In Italien stauen sich offenbar noch andere Probleme: Erst vor einer Woche räsonierten die Financial Times und der Corriere della Sera darüber, dass der Sessel von UniCredit-Chef Federico Ghizzoni wackeln könnte. Die UniCredit dementierte das ebenso umgehend wie angebliche Investorenzweifel an dem im November vorgestellten Entwicklungsplan Ghizzonis, der 18.000 Jobs kosten wird. Doch möglicherweise planen der Aufsichtsrat und führende Aktionäre einen größeren Kahlschlag, dessen erstes Opfer Willibald Cernko war.

Raue See voraus

Auf den gebürtigen Wiener und Vater von zwei Kindern, Robert Zadrazil, wartet jedenfalls kein leichter Job: Die Bank verlor durch den Wegfall des Osteuropa-Geschäfts, das nun von Rom direkt verwaltet wird, an Umsatz und auch Status im Konzern. In den nächsten drei Jahren muss er 70 der insgesamt 190 Filialen in Österreich schließen und mehr als 300 Mio. Euro einsparen.

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