•• Von Evelyn Holley-Spiess
WIEN. Die einen sehen es als „pure Notwendigkeit und Gerechtigkeit“ an, die anderen „als teure und ineffiziente Scheinlösung“: Es geht um die mittlerweile hitzig diskutierte Idee, wonach die medizinische Behandlung für Asylwerber auf eine Basisversorgung beschränkt werden soll. Als Befürworter gelten neben der Erstzitierten, FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch, auch ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker. Gänzlich anders fällt die Einschätzung von ÖGK-Arbe itnehmer-Obmann Andreas Huss aus. Was zunächst nach einer Entlastung des Systems aussehen würde, sei am Ende teurer. Nachsatz: Die vorgeschlagene Einschränkung medizinischer Leistungen für durchschnittlich 20.000 Asylwerber in Österreich sei nicht nur organisatorisch aufwendig, sondern in der Praxis kaum umsetzbar.
Explodierende Kosten
Es sind die schon seit langem bekannten und schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, die nun die Wogen hoch gehen lassen: lange Wartezeiten auf Facharzt- oder OP-Termine und der anhaltende Spar- und Reformdruck auf das Gesundheitssystem. Die FPÖ fordert vor diesem Hintergrund eine Basisversorgung bei Asylwerbern, die Notfälle, unaufschiebbare Behandlungen oder die Versorgung von Schwangeren umfassen würde. Alles andere sei angesichts explodierender Kosten und überlasteter Spitäler nicht mehr leistbar.
Huss kontert: „Wartezeiten auf Operationen haben nichts mit Asylwerbern zu tun, sondern mit den begrenzten Kapazitäten in den Spitälern.“ Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft seien zudem seltener und kürzer im Spital als solche mit Staatsbürgerschaft.
Erfahrungen aus Deutschland
Gesundheitswissenschaftler aus Deutschland, wo es bereits eine Beschränkung gibt, verweisen wiederum auf Daten, wonach die Gesundheitskosten pro Kopf bei Asylbewerbern in der Basisversorgung um 40% höher seien, als wenn diese Personen in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen wären. Der Grund: Betroffene, die frühzeitig hätten behandelt werden können, würden in den teuren Notfallsektor rutschen.
