HEALTH ECONOMY
Corona-Folgen für den Arbeitsmarkt sind hart © APA / dpa-Zentralbild / Waltraud Grubitzsch
© APA / dpa-Zentralbild / Waltraud Grubitzsch

Redaktion 23.09.2022

Corona-Folgen für den Arbeitsmarkt sind hart

Long Covid und steigende Infektionszahlen im Herbst und Winter könnten die Unternehmen hart treffen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Geschätzt mindestens 17 Mio. Menschen in Europa waren einer für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführten Analyse zufolge in den ersten beiden Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen. Generell gehen Experten davon aus, dass etwa zehn Prozent der Corona-Infizierten Long-Covid-Symptome entwickeln. In Österreich wäre das bis zu einer halben Mio. Menschen.

Welche Langzeitfolgen das hat, ist unter Fachleuten noch umstritten – ebenso wie die Frage, ob sich in den kommenden Jahren noch Folgeerkrankungen entwickeln. „Wir müssen zwar noch viel über Long Covid lernen”, sagte der Direktor der in Kopenhagen ansässigen WHO-Region Europa, Hans Kluge, während einer WHO-Tagung. „Aber diese Daten machen deutlich, dass wir dringend mehr Analysen, mehr Investitionen, mehr Unterstützung und mehr Solidarität mit den Betroffenen brauchen.” Millionen Menschen litten in den Monaten nach einer Coronainfektion unter schwächenden Symptomen. „Sie dürfen nicht weiter im Stillen leiden. Regierungen und Gesundheitspartner müssen zusammenarbeiten, um Lösungen auf der Grundlage von Forschung zu finden.”

Langfristige Erschöpfung

Häufige Long-Covid-Symptome sind Brustschmerzen, Atembeschwerden, Muskelschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust und allgemeine Erschöpfung. Längerfristig könne auch eine überstandene Covid-19-Erkrankung zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit führen, warnen Experten.

Das wiederum hätte massive Auswirkungen auch auf die Wirtschaft, die bereits jetzt unter Personalengpässen leidet. In den Spitälern, im Gesndheitswesen generell, aber auch in anderen Branchen ist das Personal knapp und sind Stellen unbesetzt. Mit steigenden Infektionszahlen droht im Herbst auch deshalb Ungemach der ganz bitteren Sorte: In den Spitälern fehlen derzeit etwa fünf bis zehn Prozent der Beschäftigten. Bei einer neuen Coronawelle könnten pro Woche bis zu 105.000 Menschen erkranken. Bei zwei Wochen Krankenstand fallen mindestens 210.000 Menschen aus. Das sind fünf Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in Österreich.

Personal wird fehlen

Die Folge für Spitäler, Gesundheitsbetriebe oder auch beispielsweise Tourismusunternehmen? Zu den aktuell fünf bis zehn Prozent fehlenden Beschäftigten könnten noch einmal fünf Prozent durch eine Covid-19-Erkrankung ausfallen. Dann fehlen möglicherweise zehn bis 15% der Belegschaft. Zuletzt warnte er deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor Folgen für den Arbeitsmarkt, „weil viele leider nicht mehr zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zurückkehren werden”.

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