HEALTH ECONOMY
Experten zweifeln am Sinn von Reisewarnungen © APA/Barbara Gindl
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Redaktion 02.10.2020

Experten zweifeln am Sinn von Reisewarnungen

Länder mit gleichen Coronavorgaben brauchen keine ­Grenzsperren – aber die Einhaltung der Schutzmaßnahmen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN/BREGENZ. Die Corona-Reisewarnung von Deutschland und anderen Ländern für Tirol und Vorarlberg sorgt in diesen Ländern für Kritik. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat die Reisewarnung Deutschlands als einen „schweren Schlag” für den Wirtschaftsstandort Tirol bezeichnet. Dieser Schritt betreffe die Existenzen vieler Tiroler, zumal jeder dritte Euro im Bundesland im Tourismus verdient werde. Nun müsse man aber alles daran setzen, um die Neuinfektionen zu reduzieren, damit Tirol die „Wintersaison über die Bühne bringen” könne, sagte er.

„Maßnahmen einhalten”

„Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken”, so der Landeshauptmann. Auch im Mai hätte man nicht gedacht, dass man die Sommersaison meistern könne. Er richtete einen Appell an die Bevölkerung, sich an die Maßnahmen zu halten, um die Infektionszahlen zu senken. Auch Vertreter der Tiroler Wirtschaft haben die Reisewarnung für Tirol als Rückschlag bezeichnet; Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser bezeichnete sie gar als „Katastrophe”, „nicht nur für Hotellerie und Gastronomie, sondern auch für andere Branchen wie den Handel, die Sorge haben, dass die Gäste jetzt ausbleiben”, sagte er.

Kritik kommt auch von Gesundheitsexperten. „Reisebeschränkungen sind absoluter Topfen. Das nutzt gar nichts. Wenn ich mit Mund-Nasen-Schutz über die Grenze nach Lindau fahre und die Abstandsregeln einhalte und die Einwohner dort tun das auch, dann passiert eigentlich nichts. Reisebeschränkungen haben nur dann Sinn, wenn die Strategien regional komplett anders sind. Zwischen Deutschland und Österreich ist das aber nicht der Fall”, sagt der Vorarlberger Public-Health-Experte Armin Fidler im medianet-Gespräch.
Wichtig sei Disziplin beim Einhalten der Verhaltensregeln, sagt er. Fidler kritisiert aber auch die Lockerungen in Österreich während des Sommers, die sich jetzt rächen. Man habe zu früh und zu viel gelockert, sagt er. „Wir sind das Land, das am wenigsten strikt war – noch vor Schweden. In Österreich hat man getan, als gäbe es die Krise nicht”, sagt er.

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