Kampf um die Kilos
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Preisdruck auf der einen Seite und wachsende Konkurrenz auf der anderen Seite lassen den Abnehmmarkt schwächeln.
HEALTH ECONOMY Redaktion 20.02.2026

Kampf um die Kilos

Der zuletzt boomende Markt für Abnehmmittel der neuen Generation kommt unter Druck. Preise und Aktien fallen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Der Boom rund um Abnehmmedikamente verliert an Glanz. Was jahrelang als Wachstumswunder galt, entwickelt sich zunehmend zu einem harten Preiskampf – mit spürbaren Folgen für Hersteller und Investoren. Auslöser der jüngsten Marktturbulenzen ist vor allem Novo Nordisk. Der dänische Konzern, lange Zeit Platzhirsch mit Wegovy und Ozempic, hat zuletzt für 2026 einen Umsatz- und Gewinnrückgang von bis zu 13% in Aussicht gestellt. Analysten hatten lediglich mit einem leichten Minus gerechnet, die Börse reagierte entsprechend nervös. Klar ist: Abnehmmittel werden billiger. In den USA, dem wichtigsten Markt, sinken die Preise bereits deutlich.
Der Wettbewerbsdruck kommt von allen Seiten. Eli Lilly hat Novo Nordisk mit Zepbound und Mounjaro Marktanteile abgenommen, Roche meldet vielversprechende Studiendaten für einen dualen GLP-1/GIP-Wirkstoff, und AstraZeneca, Pfizer sowie weitere Konzerne investieren Milliarden in neue Kandidaten. Besonders dynamisch ist die Entwicklung bei oralen Präparaten: Novo Nordisk hat Anfang 2026 eine Wegovy-Tablette in den USA eingeführt, auch andere Hersteller forschen intensiv an Tabletten, um Injektionen zu ersetzen und neue Patientengruppen zu erschließen.

Preissenkung in Österreich
Der Kampf erreicht auch Österreich: Novo Nordisk gab zuletzt Preissenkungen für Wegovy bekannt. Zudem einigte man sich mit der Sozialversicherung auf eine Kostenübernahme in bestimmten Fällen.
Adipositasmedikamente sind in Österreich bisher von der regulären Erstattung durch die Krankenkassen ausgenommen. Jetzt gibt es eine Sonderregelung für besonders vulnerable Patienten – mit offenbar niedrigeren Einkaufspreisen für die Krankenkassen.

All diese Entwicklungen führend dazu, dass an den Börsen der im Vorjahr noch boomende Markt mit hohen Aktienkursen inzwischen nüchterner bewertet wird. Viele Analysten haben ihre Umsatzschätzungen für den globalen Adipositasmarkt gesenkt – von früher erwarteten 150 Mrd. USD auf eher 80 bis 105 Mrd. bis 2030. Das Wachstum bleibt attraktiv, aber nicht mehr grenzenlos.

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