Kassenstellen-Streit
© ÖGK/Leonhard Hilzensauer
Bernhard Wurzer
HEALTH ECONOMY Redaktion 20.02.2026

Kassenstellen-Streit

Gemeinsame Gesundheitspolitik geht anders: Innerhalb der ÖGK gibt es Wirbel um die Zuteilung neuer Kassenstellen.

•• Von Evelyn Holley-Spiess

WIEN. Die Zeit der Gebietskrankenkassen in den einzelnen Bundesländern ist längst vorbei – und dennoch: Auch mehrere Jahre, nachdem die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) aus der Taufe gehoben wurde, bleiben Scharmützel zwischen den Bundesländern nicht aus. Aktueller Fall: Thomas Kinberger, Landesvorsitzender der ÖGK Salzburg, sprach im ORF-Radio kürzlich gar von einem Skandal und meinte damit die geplante Verteilung der Kassenarztstellen bis 2030. Er sieht Wien auf Kosten der anderen Bundesländer bevorzugt.

Brüche zwischen den Ländern
Laut dem Gewerkschafter Kinberger (SPÖ) seien die Verhandlungen zum regionalen Strukturplan Gesundheit lange und zäh gewesen. Der Bedarf an Kassen- und Facharztstellen sei auf Grundlage von Bevölkerungs- und Demografieentwicklung mithilfe eines Instituts festgelegt worden. Laut dem Ergebnis, das nun vorliegt, wird Wien 215 Kassen-, Fach- und Zahnarztstellen bekommen, alle anderen acht Bundesländer zusammen erhalten demgegenüber nur 155 Stellen. Diese Zuteilung sei völlig von der Realität entkoppelt, kritisiert der Landesvorsitzende. Und er legt noch nach: Salzburg sei ohnehin schon Nettozahler innerhalb der ÖGK, Wien hingegen für rund 60% des Budgetdefizits der Krankenkasse verantwortlich (siehe links).

Österreichweiter Ausbau
In der ÖGK will man diese Kritik nicht nachvollziehen. Im Gespräch mit der APA erklärte ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer, es werde „nichts von einem Bundesland nach Wien verlagert“, es werde niemandem etwas weggenommen. „Wir bauen in Summe in Österreich die niedergelassene Versorgung in den nächsten Jahren massiv aus“, und zwar in allen Bundesländern, erklärt Wurzer. Dass die Zuteilung neuer Kassenstellen für Wien entsprechend umfangreich ausfällt, liege auch daran, dass die Bundeshauptstadt „besonders spitalslastig“ sei, da Spitäler und Ambulanzen leichter erreichbar seien als am Land. „Um dem entgegenzuwirken, muss man sozusagen die niedergelassenen Bereiche dort stärken“, sagt Wurzer.

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