HEALTH ECONOMY
Krankenversicherung ist tief in der Verlustzone © Simon Legner
© Simon Legner

Redaktion 18.02.2022

Krankenversicherung ist tief in der Verlustzone

Gesundheitsausgaben steigen, Einnahmen der Kassen sind pandemiebedingt geringer. Das bringt ein kräftiges Minus.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Die Krankenversicherungen erwarten für heuer ein Defizit von 321,4 Mio. €. Damit fällt die aktuelle Prognose des Dachverbandes für die drei Träger schlechter aus als vor drei Monaten, als man noch von einem Minus von 238,3 Mio. € ausgegangen war. Dafür hat sich das Ergebnis für das vergangene Jahr verbessert: Im November hatte man für 2021 noch mit 217,4 Mio. € Defizit gerechnet, jetzt ergibt die vorläufige Erfolgsrechnung ein Minus von 140,6 Mio. €.

Der größte Träger, die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), meldete am Dienstag, dass der vorläufige Jahresabschluss für 2021 bei einem Budget von über 16 Mrd. € einen Bilanzverlust von 99,8 Mio. € zeigt; im November war die ÖGK noch von einem Verlust für 2021 von 143 Mio. € ausgegangen. Als Grund führt die ÖGK vor allem die Entwicklungen der Pandemie und deren unplanbare Auswirkungen an. Auch für 2022 müssen diese pandemiebedingten Unsicherheiten miteinbezogen werden. Für das laufende Jahr veranschlagt die ÖGK einen Bilanzverlust von 121,3 Mio. €. Bezogen auf die Gesamtgebarung der ÖGK, beträgt der prognostizierte Verlust weniger als ein Prozent. Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) hat im Vorjahr nach den vorläufigen Zahlen noch ein Plus von 85,4 Mio. € geschrieben. Die BVAEB der Beamten, Eisenbahner und Bergleute verbuchten mit minus 126,2 Mio. ein Defizit.

Höhere Arzneikosten

Die Entwicklungen bei den Arztkosten und Arzneimittel zeigen in den Zahlen von 2021 und 2022 die prognostizierten Nachhol­effekte. Im ersten Pandemiejahr wurden Arztbesuche vielfach reduziert. 2021 sind diese und damit die Ausgaben für Ärztliche Hilfe um über zehn Prozent angestiegen. Damit haben sich ebenso die Kosten für Arzneimittel um 6,7% erhöht, erläuterte Dachverbands-Chef Peter Lehner. Grund sei der pandemiebedingte Wegfall der Chefarztpflicht.

Lehner sieht die Sozialversicherung dennoch „auf einem stabilen, soliden und sicheren Kurs. Die aktuelle Situation spiegelt die erfreuliche und kräftige Erholung der Wirtschaft wider”, kommentierte der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger die Zahlen.

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