HEALTH ECONOMY
Start-ups für Ärzte © PantherMedia/Dmitriy Shironosov

Gründungshilfe OÖ GKK-Obmann Albert Maringer vergleicht die neuen Zentren mit Start-ups; sie brauchen seiner Meinung nach individuelle Hilfe und Unter­stützung.

© PantherMedia/Dmitriy Shironosov

Gründungshilfe OÖ GKK-Obmann Albert Maringer vergleicht die neuen Zentren mit Start-ups; sie brauchen seiner Meinung nach individuelle Hilfe und Unter­stützung.

Redaktion 07.12.2018

Start-ups für Ärzte

Der Ausbau der Primärversorgung durch neue Zentren und Netzwerke schreitet nun Schritt für Schritt voran.

••• Von Katrin Waldner und Martin Rümmele

WIEN/ST. PÖLTEN. Primärversorgungeinheiten (PVE) sollen in Zukunft mit Ärzten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe einen Teil der medizinischen Versorgung übernehmen. Der Ausbau von geplanten 77 dieser Einrichtungen in ganz Österreich geht langsam voran. Gedacht sind Zentren oder Netzwerke, wo mehrere Allgemeinmediziner mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten und vor allem längere Öffnungszeiten bieten. Zudem sollen die Ärzte dadurch entlastet und neue Arbeitszeitmodelle möglich sein. Derzeit gibt es solche Zentren vorerst in vier Bundesländern, hieß es nun bei der Vorstellung der ersten niederösterreichischen PVE in Böheimkirchen.

Bewegung in der Planung

Der volle Ausbau ist bis 2021 geplant. In Oberösterreich sind bereis vier PVE in Betrieb (zwei in Umsetzung), insgesamt sollen es dort 13 werden. Dem Zentrum in Böheimkirchen (NÖ) sollen Anfang 2019 zwei weitere in Schwechat beziehungsweise St. Pölten folgen. In Niederösterreich will man auf 14 kommen. Von den geplanten 16 PV-Einheiten arbeiten in Wien derzeit zwei, vier weitere sind in Umsetzung.

Die Steiermark hat bisher zwei PV-Zentren in Weiz, und seit 1. Dezember eröffnet in Graz St. Leonhard (elf insgesamt geplant). Salzburg setzt vorerst auf ein PV-Netzwerk im Tennengau (insgesamt fünf PVE vorgesehen). In Kärnten soll es fünf geben, wovon drei PVE am Beginn der Einrichtung stehen. Im Burgenland soll im Raabthal im kommenden Jahr ein Netzwerk als Verein gegründet werden (drei Einrichtungen vorgesehen). Vorarlberg (drei PVE vorgesehen) wartet auf den noch ausständigen bundesweiten Kassen-Gesamtvertrag für die Primärversorgungszentren. In Tirol mit sechs geplanten Einrichtungen befinden sich bisher zwei Netzwerke in Umsetzung.

Entlastung für Ärzte

„Derzeit wird die allgemeinmedizinische Versorgung in Österreich von rund 4.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit Kassenverträgen sichergestellt. In der teambasierten Primärversorgung erfährt diese Aufgabe nun eine Erweiterung durch das neue Modell der Primärversorgungseinheit”, hieß es bei der Besichtigung des PVE in Böheimkirchen, an der auch Alexander Biach, Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, und Jan Pazourek, Generaldirektor der NÖ-GKK, teilnahmen. „Es wird dadurch eine umfassende, wohnortnahe Versorgung mit erweiterten Öffnungszeiten geboten. Das Leistungsspektrum der PVE reicht von der Akutversorgung bis hin zur Versorgung chronisch Kranker sowie von psychosozialer Betreuung bis zu gesundheitsfördernden Maßnahmen und Prävention. Dabei wird die Teamarbeit und eine gemeinsame Patientenbetreuung besonders großgeschrieben”, sagte Pazourek.

Vergleichbar mit Start-ups

„Die bisherigen Erfahrungen und Projekte zeigen ganz deutlich: Diese Projekte laufen nicht von selbst. Sie sind vergleichbar mit Start-ups, die sehr viel Begleitung, Unterstützung und Anschub durch die jeweilige GKK brauchen, um gut aufzugehen”, sagt OÖGKK-Obmann Albert Maringer. Was seiner Meinung nach noch wichtig ist: „Wir brauchen engagierte Ärztinnen und Ärzte, die so ein Projekt mit uns hochziehen wollen.” Der Startschuss für die neuen PVE fiel 2015 mit der Eröffnung des PVZ „MedizinMariahilf” in Wien. „Erste Auswertungen zur Versorgungswirksamkeit zeigen ein sehr positives Bild und bestätigen den eingeschlagenen Weg”, sagt Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL