INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Bis zur Unendlichkeit – und noch viel weiter © Renasci

Renasci plant Oostende.

© Renasci

Renasci plant Oostende.

Helga Krémer 18.06.2021

Bis zur Unendlichkeit – und noch viel weiter

Borealis hebt Kunststoffkreislauf mit belgischen Hightech-Recyclingzentrum Renasci auf ein neues Level.

WIEN / OOSTENDE. Borealis hat eine Vereinbarung mit Renasci Oostende Recycling NV über den Erwerb der gesamten Produktion chemisch recycelter Rohstoffe aus dessen Hightech-Recyclingzentrum in Oostende, Belgien, unterzeichnet. Mit einer prognostizierten Liefermenge von
20 kT/Jahr hilft dieser Vertrag Borealis dabei, zu einem der führenden globalen Anbieter chemisch recycelter Basischemikalien und Polyolefine zu werden. Die Borcycle C-Produktpalette macht es möglich, Kunststoffabfälle zu kreislauforientierten Hochleistungsprodukten und
-anwendungen zu verarbeiten.

Große Marktnachfrage nach chemisch recycelten Polyolefinen
Als Ergänzung zum mechanischen Recycling kommt dem chemischen Recycling eine wichtige Rolle zu, um den Materialkreislauf im Sinne einer Kunststoff-Kreislaufwirtschaft zu schließen. Denn auch Kunststoffabfallströme geringerer Qualität können durch chemisches Recycling zu hochwertigem Material verarbeitet werden. Tatsächlich bieten Produkte aus chemisch recycelten Rohstoffen die gleiche Leistung wie Produkte, die auf fossilen Rohstoffen basieren. Dies wiederum ermöglicht die Entwicklung von High-End-Anwendungen auf Basis recycelter Polyolefine, wie zum Beispiel von Verpackungen für Healthcare- und Lebensmittelanwendungen; diese unterliegen strengen Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften, die von mechanisch recycelten Materialien nicht immer erfüllt werden können.
Die Wertstoffe aus dem Renascis Iscc Plus-zertifizierten Recyclingzentrum stammen hauptsächlich aus trockenen Haushaltsabfällen und zum Teil aus Industrieabfall. Im ersten Verarbeitungsschritt werden die Abfälle mehrfach sortiert, um jene Kunststoffe herauszufiltern, die sich am besten für das mechanische Recycling eignen. Wertstoffe, die nicht mechanisch recycelt werden können, werden in der Folge dem chemischen Recycling zugeführt. Diese chemisch recycelten Rohstoffe sollen künftig in Borealis‘ Dampfcrackern weiterverarbeitet werden, vorerst am Produktionsstandort Porvoo in Finnland. Die Iscc Plus-Zertifizierung, die der Borealis-Standort vor Kurzem erhalten hat, stellt den globalen Standard für zertifizierte recycelte und biobasierte Materialien dar und ermöglicht somit die massenbilanzierte Produktion von erneuerbaren und chemisch recycelten Produkten.

Stimmen der beteiligten Unternehmen
„Der Liefervertrag mit Renasci ist eine willkommene Ergänzung zu unserem OMV ReOil-Projekt, das ebenfalls im Bereich des chemischen Recyclings angesiedelt ist“, erklärt Martijn van Koten, Borealis Executive Vice President Base Chemicals & Operations. „Das Leben verlangt Fortschritt – und erfreulicherweise können wir einen starken Anstieg der Nachfrage nach chemisch recycelten Produkten beobachten. Borealis und die OMV beabsichtigen, noch größere Mengen dieser kreislauforientierten Basischemikalien und Polyolefine zu liefern, um unsere Kunden dabei zu unterstützen, ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.“
Im Sinne von EverMinds, einer 2018 eingeführte Marke, die Borealis-Aktivitäten und -Initiativen zur Verbesserung der Kreislauforientierung von Kunststoffen unter einem Dach vereint, werde die Kreislaufwirtschaft der Kunststoffe durch Kooperationen proaktiv vorangetrieben, erklärt Lucrèce Foufopoulos, Borealis Executive Vice President Polyolefins, Innovation & Technology and Circular Economy Solutions. „Die Zusammenarbeit mit Renasci ermöglicht es uns, unseren Kunden und Partnern ab diesem Quartal neuwertige, aus chemisch recycelten Post-Consumer-Wertstoffen gewonnene Polyolefine in umfassenden Mengen zur Verfügung zu stellen. Indem wir unser Produktportfolio um das Borcycle C-Angebot erweitern, zeigen wir einmal mehr, wie wir stets Neues entwickeln, um unser Leben noch nachhaltiger zu machen.“
„Die Vereinbarung mit Borealis wird es uns ermöglichen, den Kunststoffkreislauf komplett zu schließen“, erklärt Kristof Beuren, COO von Renasci. „Die Herausforderung bestand darin, eine ganzheitliche Lösung für diese Art von Abfall zu finden, und das haben wir gemeinsam geschafft.“ (hk)

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