INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Drei pusht 5G: In Linz beginnt’s © Drei

Jan Trionow Der Drei-CEO beim 5G Speedtest auf Axon 10 Pro von ZTE in Linz.

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Jan Trionow Der Drei-CEO beim 5G Speedtest auf Axon 10 Pro von ZTE in Linz.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 28.06.2019

Drei pusht 5G: In Linz beginnt’s

Österreichs erstes echtes, zusammenhängendes 5G-Netz ist das erste in der Drei-Gruppe und auch eines der ersten weltweit.

••• Von Paul Christian Jezek

Für den Start des Echt­betriebs hat Drei insgesamt 20 Sendestationen in Linz mit 5G ausgerüstet. Einer der ersten Kunden ist das Ars Electronica Center.

Bis zum Jahresende peilt das Unternehmen die 5G-Vollversorgung der Stadt und weiterer Regionen in ganz Österreich an. „Wo das genau sein wird, hängt davon ab, wo 5G am dringendsten benötigt wird”, erklärt Drei-CEO Jan Trionow. Im Laufe des Jahres – wenn genügend Standorte angebunden sind – wird der ­kommerzielle Start von 5G erfolgen. Dann wird Drei auch seine ersten 5G-Tarife präsentieren. Trionow: „Bis dahin können unsere Pilotkunden 5G mit speziellen SIM-Karten und zur Verfügung gestellten 5G-Routern nutzen. Denn allgemeine ‚5G ­ready-Tarife' anzubieten, ohne eine entsprechende 5G-Netzabdeckung und 5G-taugliche Endgeräte bereitzustellen, halten wir für überflüssig und weckt bei Kunden falsche Erwartungen. Wir stecken unser Geld in den Netzausbau und die Entwicklung echter Anwendungen anstatt in leere Werbekampagnen.”

Ein Gigabit pro Sekunde

Zum Start des Echtbetriebes in Linz stellte sich 5G einem konventionellen Geschwindigkeitstest. Auf Fast.com, dem Speedtest von Netflix, erreichte das 5G-Netz von Drei Spitzen-Download-Raten von fast einem Gigabit/Sekunde. Bald geht noch mehr, da Drei 2019 noch nicht das volle ersteigerte Frequenzspektrum nutzen kann.

Als einer von zwei Anbietern hatte Drei bei der österreichischen Frequenzauktion Anfang März 2019 die erforderlichen Frequenzen für den 5G-Start noch in diesem Jahr erworben. Alle übrigen Betreiber werden mit 5G im nächsten Jahr folgen.

Wozu braucht man 5G?

„Das Ars Electronica Futurelab arbeitet im Schnittfeld von Kunst, Technologie und Gesellschaft”, sagt Horst Hörtner, Leiter des Ars Electronica Futurelabs.

„Uns interessieren die Potenziale neuer Technologien vor allem hinsichtlich einer nachhaltigen Gestaltung unserer Zukunft. Alle unsere Projekte kreisen letztlich um diese Frage und wollen mit den Mitteln der Kunst einen möglichst breiten gesellschaftlichen Diskurs anzetteln. 5G ist für uns einerseits im Kontext der Schwarm-Steuerung von Drohnen und Robots spannend – ein Feld, das wir sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich sehr erfolgreich bearbeiten. Andererseits haben wir mit dem Deep Space 8K eine prototypische Infrastruktur entwickelt, die in Kombination mit der Bandbreite sowie der sehr geringen Latenzzeit von 5G völlig neue Anwendungen möglich machen könnte.”

Beispiele aus der Praxis

Gemeinsam mit dem Telekomausstatter ZTE und dem Kärntner Unternehmen IOT40 hat Drei das Bee-O-Meter konzeptioniert: einen smarten Bienenstock, der nicht nur die ausfliegenden und zurückkommenden Bienen zählt, sondern auch die sie umgebende Umwelt überwacht und Bienenzüchter bei messbaren, negativen Einflüssen auf das Bienenvolk tagesaktuell alarmiert.

Außerdem kooperiert Drei mit PlayGiga: Das spanische Unternehmen hat eine Cloud Gaming- Plattform entwickelt, durch die Telekommunikationsunternehmen in der Lage sein werden, beliebte Spiele via 5G und ohne Konsole direkt am TV-Gerät, am Smartphone oder am VR Device zu streamen.
Das Marktforschungsunternehmen GlobalData geht in seiner Prognose vom April davon aus, dass sich der weltweite Markt für Video Games durch 5G und Cloud Gaming von 131 Mrd. USD 2018 bis 2025 auf 300 Mrd. USD vergrößern wird.

Remote Piloting

Einen Lastwagen steuern ohne Lenker am Fahrersitz – mit 5G und Datenübertragung in Echtzeit ist das keine Zukunftsmusik mehr. Unfallfrei kurvt ein Lkw über das Gelände des Headquarters von Drei in Wien.

Der Fahrer sitzt am virtuellen Steuer in Linz; alle erforderlichen Bild-Informationen erhält er live und ohne Verzögerung. Alle seine Steuerbefehle in Linz erreichen den Lkw unmittelbar in Wien und bringen das Fahrzeug – wenn auch „nur” einen Modell-Laster – sicher ans Ziel. (pj)

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