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Flughafen Wien in Nöten © Flughafen Wien AG
© Flughafen Wien AG

Paul Christian Jezek 28.01.2021

Flughafen Wien in Nöten

Bau der dritten Piste wird vertagt.

WIEN. Derzeit werden keine Maßnahmen für die Realisierung für die dritte Piste auf dem Flughafen in Schwechat realisiert, sagt Vorstand Günther Ofner. Vor der CoV-Pandemie war geplant, 2024 oder 2025 mit den Arbeiten zu beginnen. „Das Projekt ist nicht abgesagt, es könnte aber sein, dass es sich einige Jahre nach hinten schiebt“, erklärt Ofner. Auch andere Investitionen wurden zurückgereiht.

Der Flughafen hofft auf einen Aufschwung ab Jahresmitte 2021. Während sich aus heutiger Sicht die ersten drei bis sechs Monate noch schwach entwickeln werden, sei ab Sommer und im zweiten Halbjahr ein deutlicher Anstieg bei den Passagieren zu erwarten. Nach lediglich 7,8 Mio. Passagieren 2020 rechnet der Vorstand für heuer mit 12,5 Mio. Fluggästen und einem kleinen Gewinn.

Der Flughafen fertigte 2020 wegen der Coronakrise um 75% weniger Fluggäste ab als 2019. Die stärksten Passagierrückgänge verzeichnete der Flughafen mit mehr als 99% weniger Reisenden im April und Mai 2020, aber auch in den Monaten Juni, November und Dezember betrug das Minus über 90%. Am schwächsten Tag des Jahres, dem Ostermontag am 13.4.2020, frequentierten gerade einmal 154 Reisende das Terminalgebäude.

Heuer wieder schwarze Zahlen?
Die Flughafen Wien AG schrieb 2020 erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust. „Der massive Rückgang der Passagierzahlen hat natürlich auch tiefe Spuren in unserer Bilanz hinterlassen, und das ist der erste wirklich maßgebliche Verlust in der Unternehmensgeschichte“, bedauert Ofner. „Wir blicken jetzt auf 2021, und da würden wir gerne wieder zu schwarzen Zahlen zurückkommen, und das wird auch der Fall sein, wenn ab Sommer der Reiseverkehr wieder so zunimmt, wie wir das jetzt erwarten.“

Aus heutiger Sicht würden 2021 ein Umsatz von 430 Mio. €, ein Betriebsergebnis (EBITDA) von 150 Mio. € und ein Nettogewinn von vier Mio. € erwartet. Die Nettoverschuldung werde auf rund 100 Mio. € sinken und die Investitionen bei rund 62 Mio. € liegen. Die Liquidität sei für alle vorhersehbaren Krisenszenarien gesichert.

Vorstand für gemeinsame EU-Vorschriften
Die Prognosen macht der Flughafen-Vorstand von den Impfungen abhängig. „Das steigende Vertrauen der Bevölkerung in die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der Impfung sollte trotz der aktuell schwierigen Phase in der Folge dazu führen, dass wieder mehr Menschen für Sommer und Herbst Urlaubsflüge buchen“, hofft Ofner.

Sowohl Ofner als auch sein Vorstandskollege Julian Jäger sprechen sich für einen digitalen Impfpass als international gültiges Reisedokument aus, der das Reisen erleichtern soll. „Ich glaube, was wir brauchen, ist, dass einfach möglichst schnell in Europa geimpft wird und dass es gemeinsame Vorschriften innerhalb der EU gibt“, sagt Jäger. „Deswegen ist, glaube ich, ganz wesentlich, dass man jetzt nach dem gemeinsamen Beschaffungsvorgang der Impfdosen auch an gemeinsamen Reisevorschriften arbeitet, damit innerhalb der EU irgendwann im zweiten Quartal wieder Reisefreiheit herrscht.“

Die Flughafen-Mitarbeiter sollen spätestens im März geimpft werden. Für Jäger ist klar, dass künftig viele Länder bei der Einreise einen Coronavirus-Impfnachweis verlangen werden. Das sei auch nichts Neues. Die bekannteste vorgeschriebene Impfung ist die Gelbfieberimpfung; ohne sie ist eine Einreise in einigen Ländern nicht möglich. Das Vorstandsduo drängt auf eine Verlängerung der CoV-Kurzarbeit; das sei die Voraussetzung, um Kündigungen auf dem Flughafen zu vermeiden. (pj)

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