Industrie unter Strom
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Energiemarkt Wenn das Stromnetz aus der Balance zu kippen droht, springen Industriebetriebe (und Ökostrom­anbieter) mit ihren Anlagen in die Bresche und verdienen gutes Geld; möglich macht das der Verbund Power-Pool.
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 24.08.2018

Industrie unter Strom

Was für den Netzbetreiber eine Herausforderung ist, ist für innovative Industriebetriebe eine Chance, zusätzliche Erlöse zu erzielen.

WIEN. Der Ausbau von Wind- und Sonnenkraft bewirkt große Schwankungen im Stromnetz – auf Überschuss folgen Phasen, in denen Energie fehlt. Das passiert immer häufiger: Allein im Vorjahr musste der Übertragungsnetzbetreiber APG an mehr als 300 Tagen eingreifen, um das Netz zu stabilisieren.

Im Verbund Power-Pool werden nun Unternehmen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen. „Sie stellen die Flexibilität von Anlagen bereit – z.B. Gasturbinen, Batteriespeicher oder Lüftungsanlagen”, erklärt Carina Putz, Produktmanagerin bei Verbund Solutions. „Droht eine Instabilität im Netz, kommen diese Flexibilitäten zum Einsatz.”

Zauberwort Digitalisierung

Ähnlich dynamisch wie der Markt ändern sich auch die technischen Möglichkeiten.

„Beim Start von Power-Pool vor vier Jahren haben wir mit einer Gas- und einer Dampfturbine begonnen und mussten einiges noch manuell freischalten; mittlerweile läuft alles vollautomatisch”, erinnert sich Putz. „Seither haben wir den Pool durch Integration neuer Branchen wie etwa der Petrochemischen Industrie oder Müllverbrennungsanlagen kontinuierlich erweitert und derzeit mehr als 300 MW unter Vermarktung.” Für das Engpassmanagement werden mehrere Kleinanlagen zusammengefasst, um als Energiepaket vermarktet zu werden. Derzeit wird über die Lockerung der Regulatoren für kleinteilige Assets im Engpassmanagement diskutiert.
Besonders neue Technologien, die sich am Markt etablieren, dienen als Katalysatoren für weitere spannende Einsatzmöglichkeiten. „Aktuell arbeiten wir daran, das Thema Speicher in den Pool zu integrieren”, erklärt Putz. „Wir testen das mit unserem eigenen Projekt Synerg-E (lokale Pufferspeicher bei Ultra-Schnellladestationen für E-Mobilität). Die Einstiegsgröße für diese Anwendung sind 100 KW.” Ein weiteres Beispiel ist das Thema Elektrolyse; Putz: „Das analysieren wir im Rahmen des H2Future-Projekts, bei dem aus erneuerbarem Strom grüner Wasserstoff für die Stahlproduktion gewonnen wird.”
Besonders für Ökostromanlagenbetreiber wie Betreiber von Kleinwasserkraftwerken und Windparks bietet der Verbund Power-Pool lukrative Erlösmodelle. Auch für Branchen wie Chemie-, Papier- oder Stahlindus­trie ist der Pool interessant. (pj)

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