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Konjunktur am Rand der Rezession © voestalpine

Beachtenswert Infolge der Konjunkturentwicklung ist ab dem Fiskaljahr 2020 mit erheblich negativen Rückwirkungen auf das Aufkommen aus Unternehmenssteuern zu rechnen.

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Beachtenswert Infolge der Konjunkturentwicklung ist ab dem Fiskaljahr 2020 mit erheblich negativen Rückwirkungen auf das Aufkommen aus Unternehmenssteuern zu rechnen.

Redaktion 22.11.2019

Konjunktur am Rand der Rezession

Der Industrie steht eine längere Stagnationsphase bevor, warnt die IV. Eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht.

WIEN. Die Abschwächung der österreichischen Industriekonjunktur setzt sich beschleunigt fort. „Es bedarf nicht mehr viel, um eine Rezession auszulösen”, befürchtet Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung.

„Ein negativer Schock, etwa in Form von Zöllen gegen europäische Automobilexporte in die USA, oder ein No-Deal-Brexit würde absolute Produktionsrückgänge erwarten lassen.”

„Kleine” Internationalisierung

Das auch im langjährigen Vergleich außerordentlich hohe aktuelle Maß an wirtschaftspolitischer Unsicherheit sei im Wesentlichen auf internationale Faktoren zurückzuführen. Die österreichische Industrie sehe sich diesbezüglich mit einer „Horrorkulisse” aus eskalierenden Handelskriegen, ökonomischer Desintegration, fortbestehenden Sanktionsregimes und militärischen Drohgebärden konfrontiert. „Dass die Rezession noch nicht in Österreich angekommen ist, hängt mit der erfolgreichen ‚kleinen Internationalisierung' der heimischen Industrie wie auch des Finanzsektors in Richtung Zentral- und Osteuropa zusammen”, interpretiert IV-Chefökonom Christian Helmenstein die Ergebnisse des aktuellen IV-Konjunkturbarometers aus dem 3. Quartal.

Über die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem betreffenden Raum importiert Österreich laufend konjunkturelle Impulse. Helmenstein: „Stabilisierend wirkt auch die Binnennachfrage infolge des noch zunehmenden Beschäftigtenstands, der zurückgehenden Sparquote, der steuerlichen Entlastung der privaten Haushalte und anhaltend kräftiger Wohnbauinvestitionen.”

Die Ergebnisse im Detail

Das IV-Konjunkturbarometer als Mittelwert aus den Beurteilungen der Geschäftslage jetzt und jener in sechs Monaten stürzt von den bereits reduzierten Niveaus der vier Vortermine in Höhe von zuletzt 22,5 Punkten auf nunmehr 8,0 Punkte ab.

Sowohl der Saldo der aktuellen Geschäftslage als auch der Saldo der ­Geschäftserwartungen der Firmen auf Sicht der nächsten sechs Monate tragen in nahezu gleichen Ausmaß zur Einbuße bei. Der erste Indikator verliert um 14 Zähler auf nunmehr 36 nach zuvor 50 Punkten, der zweite fällt um 16 Zähler auf –20 nach zuvor –4 Punkten. Der Saldo der Geschäftserwartungen dringt somit noch weiter in negatives Terrain vor, sodass in den nächsten Monaten mit einem sich verschärfenden Verlust an konjunkturellem Momentum zu rechnen ist. Ursächlich für den Absturz ist primär, dass sich der Anteil der Unternehmen mit einem pessimistischen Geschäftsausblick binnen eines halben Jahres von zehn auf nunmehr 30 Prozent verdreifacht hat.
Der schon zum letzten Erhebungstermin zu beobachtende, markante Rückgang der Gesamtauftragsbestände, die von +43 auf +28 Punkte sinken, setzt sich fort. Die anhaltende Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar und die weiterhin hohe realwirtschaftliche Dynamik in Zentral- und Osteuropa vermögen den Rückgang in der Komponente der Auslandsaufträge zwar zu bremsen, aber keineswegs aufzuhalten. Vielmehr fällt deren Saldo infolge der Schwäche der globalen Konjunktur und vor allem des internationalen Handelsgeschehens von +42 Punkten auf +24 Punkte.
Diese Entwicklung ist beunruhigend, denn die saisonüblichen und zyklusdurchschnittlichen Niveaus werden erstmals in dieser Abschwungsphase nach unten durchstoßen. (pj)

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