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Schönheit ist weltweit begehrt © Syda Productions/Dein-Marketing.at/Shutterstock

2017 haben die Mitglieder des Internationalen Verbandes der Ästhetischen und Plastischen Chirurgen knapp 23,4 Millionen Eingriffe vorgenommen.

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2017 haben die Mitglieder des Internationalen Verbandes der Ästhetischen und Plastischen Chirurgen knapp 23,4 Millionen Eingriffe vorgenommen.

britta biron 24.05.2019

Schönheit ist weltweit begehrt

„Ich bekomme zunehmend mehr Patienten für Lidkorrekturen und Facelifts”, sagt Beauty-Fachärztin Dagmar Millesi.

Wien. Kürzlich hat die Internationale Gesellschaft der Ästhetischen und Plastischen Chirurgen (ISAPS) ihre alljährliche Statistik veröffentlicht, die detailliert Anzahl und Art der Beauty-Eingriffe rund um den Globus auflistet. medianet hat das zum Anlass genommen, um Dagmar Millesi, eine der renommiertesten Schönheitsmedizinerinnen Österreichs, zum Beauty-Talk zu bitten.

medianet:
Laut der jüngsten Statistik der ISAPS ist die Gesamtzahl der weltweit durchgeführten Eingriffe um 1% zurückgegangen, die Zahl der operativen Eingriffe aber um 4% gestiegen. Allerdings zeigt sich dabei ein großer Unterschied zwischen Eingriffen am Gesicht (+1%) und am Körper (+7%). Wo sehen Sie die Gründe, dass Patienten bei der Optimierung des Körpers eher zu operativen Methoden tendieren, als wenn es darum geht, Falten im Gesicht zu beseitigen?
Dagmar Millesi: Die Beschaffenheit der Haut am Körper unterscheidet sich von der im Gesicht. Ein Hautüberschuss oder eine Gewebserschlaffung an Bauch, Rücken, Oberarmen und Oberschenkeln lässt sich nur durch einen operativen Eingriff korrigieren. Zwar gibt es auch dafür minimalinvasive Methoden, doch deren Effekte sind eher gering. Das erklärt, warum prozentuell die operativen Eingriffe am Körper höher sind als am Gesicht.

medianet:
In der öffentlichen Wahrnehmung verlieren ‚blutige', also operative, Eingriffe zur Verjüngung und Verschönerung an Bedeutung. Der Trend scheint in Richtung der non- bzw. minimalinvasiven Behandlungen im Rahmen der apparativen Kosmetik zu gehen, die in der ISAPS-Statistik ja nur teilweise erfasst wird. Trifft das zu bzw. kann man diese beiden Bereiche überhaupt miteinander vergleichen?
Millesi: Patienten haben nach wie vor Respekt vor operativen Eingriffen und ziehen non-invasive Behandlungen vor. Dennoch kann ein Facelifting niemals durch non- oder minimalinvasive Eingriffe ersetzt werden. Jede Behandlungsform hat ihre spezifischen Ansätze, und dementsprechend muss auch der passende Eingriff gewählt werden. So können Knitterfalten z.B. mit einem Laser behandelt werden. Sinkt jedoch die untere Gesichtspartie ab und ist der Hals erschlafft, ist immer noch ein Facelift die Methode der Wahl.

medianet:
Laut einer aktuellen Market-Umfrage sind 16% der Österreicher zumindest theoretisch bereit, sich für eine schlankere Figur unters Messer zu legen. Funktioniert das Abnehmen per Skalpell oder Kanüle?
Millesi: Nein, man kann einen dicken Menschen nicht dünnsaugen! Man kann jedoch bei bestimmten Problemzonen, wie z.B. Reiterhosen, harmonisierend eingreifen.

medianet:
Wie ist das Verhältnis der Österreicher zu Schönheitsoperationen und ist die Akzeptanz in den letzten Jahren gestiegen?
Millesi: Nach meiner Einschätzung liegt Österreich im europäischem Mittelfeld, aber das Interesse an Schönheitsmedizin ist gestiegen. Ich habe zunehmend mehr Patienten für Lidkorrekturen und Facelift, da ich mir hier einen Namen erworben habe. Bei meinen Kollegen ist dafür der Trend zu Brustvergrößerungen ungebrochen.

medianet:
Vor Kurzem lief auf ATV eine neue Staffel der Serie ‚Ein Leben für die Schönheit'. Bedienen solche Sendungen nur den Voyeurismus oder eignen sie sich auch dazu, das Interesse zu steigern?
Millesi: Beides. Ich denke, dass derartige Sendungen vor allem auch Informationen über Eingriffe und die Machbarkeit von Ergebnissen liefern.

medianet:
Hat sich in den letzten Jahren der Wissensstand der Patienten erhöht? Sind die Erwartungen in der Regel realistisch?
Millesi: Auf jeden Fall! Die Patienten informieren sich vor allem über das Internet. Das ist aber insofern nicht wünschenswert, als oft ‚Dr. Wiki' mehr vertraut wird als einem Arzt mit jahrelanger Erfahrung. Für Eingriffe ist eine Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient unerlässlich. Vor allem, wenn es eine Komplikation gibt, muss der Patient sich vom Arzt führen und begleiten lassen. Wenn erkennbar ist, dass ein Patient unrealistische Vorstellungen vom Ergebnis hat – was sicherlich immer häufiger vorkommt –, sollte vom Plastischen Chirurgen der Eingriff abgelehnt werden. Der Patient kann nicht zufriedengestellt werden und gibt dann natürlich dem Arzt die Schuld. Man sollte sich auf keinen Fall aus pekuniären Gründen zu solchen Eingriffen hinreißen lassen.

medianet:
Oft wird behauptet, dass die geschönten Bilder auf Instagram die Ursache dafür sind, dass das Interesse an der Schönheitsmedizin steigt. Trifft das Ihrer Meinung nach zu?
Millesi: Ja, in den Sozialen Medien gibt es unzählige Verschönerungsprogramme, von denen sich viele Jugendliche zu Eingriffen wie Lippenvergrößerungen, Botox, etc. verleiten lassen.

medianet:
Im Bereich der apparativen Kosmetik liegt der Männeranteil Schätzungen zufolge bereits bei rund einem Drittel, bei klassischen Schönheitsoperationen deutlich niedriger. Worauf führen Sie diesen Gender Gap zurück?
Millesi: Der Männeranteil ist in meiner Praxis von 7% auf 10% gestiegen. In erster Linie für operative Eingriffe wie Facelifts, Lidkorrekturen und Fettabsaugungen. Der Anteil bei der apparative Kosmetik ist bei ca 8% geblieben. Männer sind meist wehleidiger, aber auch konkreter in ihren Wünschen.

medianet: Ist die apparative Kosmetik eine Konkurrenz?
Millesi: Nein. Sie ist eine Ergänzung; sie hilft, einen operativen Eingriff hinauszuzögern und dessen Ergebnis zu optimieren.

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