Das Geschäft mit der Aufregung
MARKETING & MEDIA Redaktion 28.03.2025

Das Geschäft mit der Aufregung

Nach elf Staffeln steht plötzlich ein ATV-Format in der Kritik: Warum gerade jetzt (erst)?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

MOTIVATION. Es passiert vermutlich nicht oft, dass sich der Vizekanzler einer Republik mit einzelnen Sendungen eines Privatsenders beschäftigt und öffentlich fordert, man möge sich das Format genauer ansehen; und nein, er hat nicht die Einstellung gefordert, wie manche Medien berichtet hatten.

Neandertal statt 2025

Nur, was war passiert? Wie gesagt, seit elf Staffeln und 15 (!) Jahren läuft auf ATV das beim Publikum beliebte, na, nennen wir es Kuppel-Format „Das Geschäft mit der Liebe”, wo mehr, aber vor allem weniger erfolgreich österreichische Männer versuchen, im Osten Europas und auch weiter weg, die Frau fürs Leben zu finden.

Das Problem dabei: Ihre Sicht auf Frauen und ihr Benehmen ähneln mehr dem eines Neandertalers als dem eines modernen, aufgeschlossenen Westeuropäers, und in einer eigentlich für diese Woche angeteaserten Folge dürften die Grenzen der guten Sitten, so zumindest die Kritik vieler, mehr als überschritten worden sein. Es ist sogar von potenziell sexuell übergriffigem Verhalten die Rede. Ich selbst habe keine Ausschnitte gesehen und kann zum konkreten Fall nichts sagen, aber ich kenne Folgen von vor einigen Jahren, und schon damals habe ich mich gewundert, dass nicht jede der Damen nach den ersten paar Sätzen der Alpen-Machos aufgestanden und einfach gegangen ist.
Interessant sind übrigens auch diverse Berichte mancher Medien, die sich jetzt plötzlich die Frauenrechte auf ihre Fahnen geschrieben zu haben scheinen, sonst aber bei Fällen von Femizid gerne von einem „Beziehungsdrama” oder einem „Liebeskiller” statt von Frauenmord schreiben. Das aber nur nebenbei bemerkt.
Bemerkenswert hingegen finde ich eher, dass die Aufregung um dieses Format erst jetzt hochkocht, denn wie gesagt: Nach elf Staffeln und 15 Jahren on air kann mir niemand erklären, dass die, die das Format zu Recht kritisieren, von dieser Sendung bisher noch nie etwas gehört ­haben wollen.

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