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Das Runde … © GEPA pictures
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Gianna schöneich 15.06.2018

Das Runde …

… gehört ins Eckige – allerdings nicht mehr ins Free-TV, so erscheint es Fans. Das neue Bundesliga-Rechtepaket bietet dennoch reichlich Fußball.

••• Von Gianna Schöneich

WIEN. Fußball erhitzt die Gemüter – sei es bei den Spielen selbst, die Korruptionsskandale der FIFA oder wenn es um die Aufteilung der TV-Rechte der Bundesliga geht. Eineinhalb Monate vor Saisonbeginn ist der neue TV-Vertrag fixiert worden. Die Exklusiv-Rechte besitzt Pay-TV-Anbieter Sky, der alle Spiele live zeigen darf.

Vier Free-TV-Live-Spiele pro Saison galt es für Sky zu vergeben, für welche sich neben dem ORF auch Servus TV bemüht haben soll. Das Rennen machte letztlich A1, wobei nur ein Spiel – das Saison-Eröffnungsmatch – tatsächlich im Free-TV zu sehen sein wird. Für den ORF und oe24.TV bleiben via Sublizenzen die Highlights der Runde. Online-Highlights werden bei Laola1 zu sehen sein.

Keine großen Änderungen

Die letzten drei Partien des neuen Europa-League-Play-offs werden kostenfrei auf skysportaustria.at gestreamt. Sportradar erhielt den Zuschlag für die Verwertung der medialen Bewegtbildrechte sowie für die Wettrechte außerhalb der D-A-CH-Region.

Während sich die Allianz mit ORF, A1, oe24.TV und Laola1 zufrieden zeigt, sorgt man bei den Fans für ein wenig Unmut. „Auf lange Sicht halte ich es für bedenklich, dass immer mehr Fußballrechte von Bezahl-Sendern aufgekauft werden und im frei empfangbaren TV kaum mehr Spiele zu sehen sind. Behalten Fans ihr bisheriges Konsumverhalten bei, müssen sie dafür in jedem Fall tiefer in die Tasche greifen, was wohl zu einer weiteren Verschiebung hin zum europäischen Spitzenfußball mit seinen Toppartien in Spanien, England, Deutschland und Italien führen wird”, sagt Jürgen Zacharias vom Rapid-Fanclub Borderliner (und medianet automotive-Redakteur). Viel würde sich durch den neuen Vertrag für die Fans allerdings nicht ändern: „Die Heimspiele verfolgen wir ohnehin im Stadion und die Auswärtsspiele werden wie jetzt auch schon auf Sky zu sehen sein. Die neuen Highlight-Sendungen sind da ein nettes Zubrot, mehr aber auch nicht.” Die Österreich-Geschäftsführerin von Sky, Christine Scheil, versprach in einer Pressekonferenz vergangenen Dienstag, es würde die „umfassendste Berichterstattung geben, die wir jemals bei Sky für den Fußball hatten”.
Tatsächlich werden im linearen Fernsehen, 195 statt 180 Livespiele zu sehen sein, und das Programm vor und nach den Spielen soll ausgebaut werden. Zusätzlich soll es zwei neue Formate geben, von denen eines, „Der Verein”, Hintergrundgeschichten über jeden der zwölf Clubs liefern soll, erklärt Scheil. Neuer Sky-Experte wird Ex-Austria-Kapitän Manuel Ortlechner.

Große Sportübertragungen

oe24.TV-Geschäftsführer Niki Fellner setzt auch auf eine breite Vor- und Nachberichterstattung. Zentrales Element ist eine wöchentliche Highlight-Show. Für oe24.TV sind es die zweiten Fußball-Rechte, die man erhält. So durfte man sich schon über die die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft Russland 2018-Zweitrechte vom ORF freuen. Acht WM-Spiele sind damit live auf oe24.TV zu sehen – der Sender steigt stark in den Bereich der großen Sportübertragungen ein. A1 konnte sich neben vier Bundesliga-Spielen ebenfalls Rechte an der WM sichern. So werden die Parallelspiele zur jeweiligen Gruppen-Entscheidung live und exklusiv auf A1 Now & oe24.TV gezeigt. Nach jedem WM-Spiel fasst A1 die Höhepunkte in einer Highlight-Show zusammen.Auf ORF eins sind Samstag und Sonntag Zusammenfassungen der Bundesligaspiele zu sehen. Ausschnitte der Spiele dürfen laut Vertrag nicht vor 19:30 Uhr zu sehen sein. Der ORF muss auf immer mehr Rechte verzichten, neben der Bundesliga auf jene der Champions und Europa League. In einem Standard-Interview erklärte ORF-Sportchef Trost: „Dass viele Rechte bei diesen Summen hinter die Bezahlschranke kommen, war klar.”

Sky zahlt pro Jahr 35 Mio. € an die Bundesliga für das Rechte-Paket. Im Fall der 2. Liga zeigt Laola1 240 Saison-Spiele, 30 davon werden auf Laola1 und ORF Sport + live und frei empfangbar zu sehen sein.

Unbeeindruckte Reaktionen

Mario Sonnberger, Redakteur Fußballmagazin ballesterer, schließt sich den Ausführungen von Zacharias an: „Für Stadionbesucher ändert sich nur wenig. Zumindest die Heimspiele verfolgen sie ohnehin live vor Ort. Die sonntäglichen Livespiele im Free-TV haben sich schon bisher auf die großen Vereine konzentriert.” So konnte man sein Team als Rapid- oder Salzburg-Fan alle paar Wochen sehen, als Fan von Altach oder Wolfsberg vielleicht alle paar Monate, erklärt Sonnberger. „Für die Samstagspartien musste man sowieso auf Sky ausweichen.” Über die Qualität der Berichterstattung würde man nach wie vor streiten. „Somit bleibt die geänderte Anpfiffzeit die wahrscheinlich größte Veränderung, wobei ich persönlich Spielen am späten Nachmittag viel abgewinnen kann.”

Relevanz des Nationalteams

Die Mediaplanung zeigt sich von weniger Fußball im Free-TV ebenfalls unbeeindruckt: „In Hinblick auf die Mediaplanung wird sich durch die neue Rechte-Vergabe nicht wirklich etwas verändern.

Bei Fußballweltmeisterschaften und Europameisterschaften planen und buchen wir gezielt in Umfeldern und Spielen. Bei der Bundesliga passiert das nur geringfügig in Form von Patronanzen”, so Leopold Grübl, MindShare Strategy Director, und ergänzt: „Das Nationalteam wird noch werberelevanter, da es weiterhin auf ORF zu sehen ist. Bundesliga-Interessierte können wie bisher über Nachberichte, Streaming der Highlights (Laola1) digital gezielt angesprochen werden.
Der Konsument entscheidet, auf welchen Screens er Sport konsumiert – der ‚große' Screen bleibt aber der bestimmende beim Live Event.” In einem Standard-Interview gab Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer an, die Leistbarkeit wäre ein zentraler Punkt. Ein Spezialangebot für das Sportangebot von Sky gibt es nun und wird ab dem 2. Juli gelten. Dieses enthält ab Herbst u.a. die Fußball-Champions-League, die Erste Bank Eishockey Liga (EBEL), die Basketball-Bundesliga sowie Tennis- und Golf-Highlights und natürlich die Bundesliga. Der Einstiegspreis liegt bei 19,99 € pro Monat.

Rechte für Vereine

Auch die Vereine selbst gehen nicht leer aus: Drei Stunden nach Spielende können diese die Spiele live oder in Teilen hinter eine Pay-Schranke zur Verfügung stellen. Ab Montag, 0:00 Uhr, könnten Ausschnitte der eigenen Rundenpartie gratis gezeigt werden. Auf ihren Social Media-Kanälen dürften die Bundesligisten ebenfalls ab Montag Highlight-Clips präsentieren.

Die Fans dürfen sich über eine umfassende Nachberichterstattung freuen, müssen sich künftig aber auch damit abfinden, dass ihr Fußball vermehrt hinter Paywalls stattfindet.

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