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Das Schweigen ist ohrenbetäubend
Redaktion 14.10.2022

Das Schweigen ist ohrenbetäubend

In der Branche rumort es bei manchen Dingen – öffentlich äußert sich kaum jemand. Warum?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

OFF UND ON. Manche Geschichte, die wir als Journalisten recherchieren und schreiben, lebt ab und zu auch davon, was wir nicht schreiben.

Gerade bei heiklen Themen sind Menschen bereit, mit uns zu reden, aber oft nicht bereit, sich auch mit dem Gesagten zitieren zu lassen. Und das hat viele Gründe. Sei es, dass sie sich generell mit ihrer Meinung in der Branche nicht positionieren wollen, sei es, dass sie ohnedies als „Revoluzzer” gelten und nicht „schon wieder” diejenigen sein wollen, die Kritik üben, oder sei es – und das ist menschlich durchaus verständlich –, dass sie mit den Beteiligten langjährig bekannt oder gar befreundet sind oder gar geschäftliche Beziehungen pflegen und es hier dann zu einer gewissen Beißhemmung kommt.

Die geballte Faust in der Hosentasche

Wie gesagt, das kann ich alles nachvollziehen. Was ich aber weniger nachvollziehen kann, ist, dass ich in den vielen Gesprächen, die ich mit langjährigen Branchenteilnehmern führe, zum Teil eine nicht unerhebliche Unzufriedenheit bis hin zur Frustration spüre, aber keiner offenbar jenes Level erreicht hat, wo er öffentlich aufsteht und mit dem Finger auf gewisse Dinge zeigt, die eventuell nicht ganz richtig laufen.

Was wurde hinter vorgehaltener Hand bei den Vergaben der beiden Bundeskommunikationsetats nicht alles miteinander diskutiert – öffentlich tat sich niemand hervor. Wie oft höre ich, wie unfair es bei Pitches zugehen würde, wie teuer diese seien und dass oft bereits am Beginn feststehen würde, wer den Auftrag bekommt – öffentlich prangert das kaum jemand an.
Und seit meiner Story vergangene Woche über Doppelgänger in der Werbung trägt man mir weitere Themen zu – etwa, wie so manche Jurysitzung abläuft, welche Abhängigkeiten es da gäbe und überhaupt das große Thema Awards.

Doch auch da hört man öffentlich nichts.

Warum all das so passiert, weiß ich auch nicht – aber eine Vermutung habe ich dann doch: Das Wiener Parkett ist so klein, da würde man sich, bei zu viel Bewegung, schnell auf die Füße treten.

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