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Der Rekordhalter tritt noch einmal zur Wahl an © APA/Johannes Bruckenberger
© APA/Johannes Bruckenberger

Redaktion 09.07.2021

Der Rekordhalter tritt noch einmal zur Wahl an

„Wenn eine Sachentscheidung getroffen wird, so rechne ich mir gute Chancen aus, wiedergewählt zu werden.”

••• Von Dinko Fejzuli

 WIEN. Am 10. August 2021 findet die nächste ORF-Wahl statt. Sicher antreten wird wieder der derzeitige Amtsinhaber Alexander Wrabetz; alle anderen möglichen Kandidaten und Kandidatinnen halten sich – noch – bedeckt.

Interessant wird die Wahl vor allem deshalb, weil die ÖVP im eigentlich entpolitisierten Aufsichtsgremium des ORF, dem Stiftungsrat, eine Mehrheit hält und somit im Alleingang den nächsten ORF-Generaldirektor wählen könnte. Ob sie das auch tun wird oder doch Alexander ­Wrabetz ihr Vertrauen bekommt, wissen wir vermutlich erst am Wahltag oder kurz davor.
Interessant ist die Wahl auch deshalb, weil die Frage, wie viele Frauen in den ersten drei Führungsebenen des ORF vertreten sein werden, durchaus brisant ist. Denn: Derzeit sieht es eher danach aus, dass der Frauen­anteil von einem ohnedies nied­rigen Niveau weiter sinken könnte.
Zu dieser und etlichen anderen Fragen bat medianet den derzeitigen ORF-Chef um einige Antworten.

medianet: Herr Generaldirektor, für die kommende ORF-Wahl am 10. August gibt es mit Ihnen derzeit noch nur einen Kandidaten. Zwei Fragen dazu: Was war der Grund für die relativ frühe Ankündigung, wieder zu kandidieren, und welcher Track-Record spricht für den Kandidaten Wrabetz und damit für Ihre Wiederwahl.
Alexander Wrabetz: Dass ich es kann! (lacht). Die vergangenen 15 Jahre waren durchwegs schwierige Jahre für klassische Medien­unternehmen – von der Finanz- und Wirtschaftskrise, über den Siegeszug der Plattformgiganten bis hin zur Corona-Pandemie. Ich habe gezeigt, dass ich den ORF mit ruhiger Hand sicher durch diese schwierigen Zeiten steuern kann. Der ORF ist heute einer der erfolgreichsten Öffentlich-rechtlichen in Europa.

Wir sind Marktführer in Radio, Fernsehen und Online. Der ORF steht wirtschaftlich gut da und bilanziert trotz der negativen Auswirkungen der Pandemie ausgeglichen. Das ORF-Medienstandort-Projekt ist hinsichtlich Budget und Zeit im Plan. Und wir haben eine klare Strategie für die digitale Zukunft. Das wird ja wohl auch mit mir zu tun haben! Es würde mich freuen, diesen erfolgreichen Weg mit dem ORF in den kommenden fünf Jahren fortsetzen zu können. Daher habe ich mich für die nächste Amtszeit beworben.

medianet: Sie touren derzeit durch die Bundesländer und sprechen auch mit den Landeshauptleuten, die ja bei der Wahl der Landesdirektoren ein Anhörungsrecht haben. Wurden schon erste Personalwünsche für Landesdirektoren beim Generaldirektor deponiert?
Wrabetz: In Zeiten wie diesen führt man natürlich viele Gespräche und präsentiert seine Ideen. Landeshauptleute haben ein gesetzliches Anhörungsrecht, kein Mitspracherecht. Die Entscheidung, wen er dem Stiftungsrat als Landesdirektor vorschlägt, trifft der Generaldirektor.

medianet:
Die ÖVP hält mit ihr und den ihr zugerechneten Stiftungsräten eine Mehrheit und könnte im Alleingang einen neuen ORF-Chef bestellen. Manche sagen, Ihre Chancen stünden auch deshalb nicht schlecht, weil die ÖVP quasi angesichts Ihrer langjährigen Dienstzeit weiß, worauf sie sich bei Ihnen einlassen würde. Können Sie dem zustimmen?
Wrabetz: Wenn damit gemeint ist, dass ich den ORF programmlich unabhängig und der Vielfalt verpflichtet führen kann, seine Finanzen im Griff habe und weiß, um welche strategischen Weichenstellungen es geht, um den ORF zukunftsfit zu machen, dann kann ich dem zustimmen. Wenn eine Sachentscheidung getroffen wird, so rechne ich mir gute Chancen aus, wiedergewählt zu werden, denn mein Track-Record, wie Sie das formuliert haben, der stimmt. Wir haben in den letzten Jahren viel für den ORF erreicht, und das Vertrauen des Publikums ist groß. Es geht um einen fairen Wettbewerb der Konzepte abseits von Freundeskreisen. Das wäre – nicht zuletzt auch angesichts der aktuellen Diskussion um Postenbesetzung –, was ich mir wünsche.

medianet:
Mit Lisa Totzauer, ORF 1 Channelmanagerin, hat zumindest eine Frau nicht ausgeschlossen, ebenfalls zu kandidieren. Was sagen Sie dazu? Und um beim Thema zu bleiben: Sowohl für die kommenden Direktoren- als auch Landesdirektorenposten sind derzeit mit Ausnahme von Karin Bernhard, ORF Kärnten, keine weiteren weiblichen Kandidaten in Sicht. Was ist Ihre Untergrenze für beide Ebenen?
Wrabetz: Es gibt noch keine offiziellen Bewerbungen, außer meiner, also kann und will ich auch keinen Kommentar dazu abgeben. Es steht jedem frei und niemand muss sich fürchten. Den Frauenanteil möchte ich auf jeden Fall heben. Im Direktorium ist ein 50/50-Verhältnis mein Ziel und in den Landesstudios möchte ich den Anteil an Direktorinnen jedenfalls steigern.

medianet:
Thematisch dominieren der neue Newsroom und der ORF-Player die kommende Zeit für den ORF. Sie führen hier vor allem ins Treffen, dass auch deshalb Ihre Wiederwahl gut wäre, um die Kontinuität, die für dieses so bedeutende Projekt wichtig wäre, zu erhalten. Warum soll das eine andere ORF-Führung nicht auch bewerkstelligen können?
Wrabetz: Auch wenn der ORF gut dasteht und in allen Bereichen auf Kurs ist, so haben wir keine Zeit zu verlieren. Wir stehen vor großen Herausforderungen und müssen rasch und entschieden handeln. Es ist einfach keine Zeit, zu sagen, jetzt schaue ich mir das alles einmal an und arbeite mich in Ruhe ein. Wir haben schon sehr komplexe Projekte am Laufen. Wir müssen den ORF vom Public Service Broadcaster zur Public Service- Plattform weiterentwickeln. Wir errichten gerade den ORF-Mediencampus mit dem multimedialen Newsroom – trotz Pandemie im Zeit- und Budgetplan, nebenbei bemerkt. Wir entwickeln den ORF-Player für die Streaming-Nutzung. Und wir müssen die digitale Transformation unserer Unternehmenskultur, also der Art, wie wir zusammenarbeiten und produzieren, aktiv managen. Man sagt nicht um sonst, dass man im vollen Galopp nicht die Pferde wechseln soll.

medianet:
Frage zum Schluss: Rückblickend auf die vielen Jahre in ORF-Führungspositionen. Worauf sind Sie ganz persönlich besonders stolz?
Wrabetz: Dass ich nach 15 Jahren sagen kann: Okay, das ist bisher sehr gut gelaufen, die Unternehmensdaten stimmen in allen Bereichen. Der ORF steht gut da, ist für die Zukunft gut gerüstet, ich habe ihn erfolgreich durch schwierige Zeiten gesteuert und eine Zukunftsstrategie erarbeitet, die der Stiftungsrat einstimmig beschlossen hat und die wir jetzt entschlossen umsetzen sollten. Das macht mich stolz.

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