„Die Neugier war schon immer da”
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MARKETING & MEDIA Redaktion 09.07.2021

„Die Neugier war schon immer da”

Was drei junge journalistische Talente antreibt und welche Geschichten sie in Zukunft noch erzählen möchten.

•• Von Anna Putz

WIEN. Der österreichische Journalismus hat ein Generationenproblem. Zumindest könnte man zu diesem Schluss kommen, wenn man sich die Ergebnisse des „Österreichischen Journalismusreports” aus dem Jahr 2018 ansieht: Nur zehn Prozent der hier tätigen Journalistinnen und Journalisten haben das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht; hingegen machen die über 50-Jährigen mehr als ein Drittel aller journalistisch tätigen aus. 

Simon Michl, Emina Mujagić und Nadja Riahi haben ihren 30. Geburtstag noch nicht gefeiert und gehören zu jenen Talenten, die kürzlich von Österreichs Journalist:in ausgezeichnet wurden. Michl wurde vom Magazin unter „Die besten 30 unter 30” der journalistischen Nachwuchstalente des Landes gewählt, Mujagić und Riahi wurden von dem Magazin „lobend erwähnt”. medianet sprach mit den dreien über ihr Berufsverständnis und die Bedeutung der Auszeichnung. 

Früh Interesse entwickelt
„Das Interesse und die Neugier waren wahrscheinlich schon immer da”, sagt Simon Michl, „vor allem an Sport und Medien.” Erkannt habe er das aber erst später, nämlich als er auf der Suche nach einem passenden Studium war. An der FH Joanneum hätte er im Studiengang Journalismus und Public Relations eine „journalistisch umfassende Grundausbildung” erlangt und so seinen Weg zur Woche Steiermark gefunden. 

Das frühe Interesse für den Journalismus kennt auch Nadja Riahi. Schon im Jugendalter hätte sie Journalistin werden wollen. „Der Gedanke, Geschichten zu erzählen und Themen sichtbar zu machen, hat mich immer gereizt”, erzählt Riahi. Rund zwei Jahre lang war die 27-Jährige bei medianet als Redakteurin beschäftigt, wo sie „das journalistische Handwerk” erlernt habe, so Riahi. 

Emina Mujagić lernte durch ihr Studium journalistische Persönlichkeiten kennen, was für sie den Impuls für eine journalistische Karriere darstellte. Die ersten journalistischen Schritte machte sie dann beim ZDF-Studio in Wien. 
Untypisch sind die Karriereverläufe von Michl, Riahi und Mujagić nicht. Sie alle haben einen akademischen Abschluss erlangt, was sich mit den Erkenntnissen des „Journalismusreports” deckt. Außerdem geht aus der Erhebung hervor, dass die junge Journalismus-Generation zunehmend ressortübergreifend arbeitet und dies meist im Onlinebereich bzw. bei wöchentlichen oder 14-tägigen Printproduktionen. 

Eine Stimme geben
Doch was macht den Beruf für die drei aus? Welchen Themen wollen sie sich in Zukunft verschreiben? Und: Wie wird man zu einem der vielversprechendsten Jungjournalistinnen bzw. -journalisten des Landes?

Journalismus bedeute immer, Augen und Ohren offen zu halten, sagt Michl. „Eine Geschichte”, so der 27-Jährige, lernt man „vor allem durchs Zuhören und natürlich Nachfragen” kennen. 
Es sei ein Beruf, in dem man „Neugier stillen, jeden Tag etwas Neues lernen und mit Menschen in Kontakt sein kann”, erklärt Riahi. Gleichzeitig würde der Job aber auch „mit viel Verantwortung” einhergehen, derer man sich bewusst sein müsse. Als Journalistin oder Journalist könne man den gesellschaftlichen Diskurs ändern und jenen „eine Stimme geben, die leider viel zu wenig gehört werden”, meint Mujagić.

„Berühren und bewegen”
Thematisch ist das Interessensfeld der drei breit. Michl liege vor allem das Thema Sport am Herzen, zudem interessiere er sich als Lokaljournalist speziell für die Steiermark. Interessieren würden Riahi viele Themen, vorrangig wolle sie mit ihrer Arbeit „berühren und bewegen”, eine Emotion auslösen. 

Emotionen hat auch Mujagić vergangenen September ausgelöst, als sie auf Twitter über ihren damaligen Nebenjob als Reinigungskraft und die fehlende Wertschätzung für den Beruf berichtet hat. Das Thema habe „große Wellen in Sozialen Medien geschlagen” und ihr gezeigt, wo sie den Diskurs weiterführen müsse. „Sehr wichtig” seien ihr außerdem die Themenkomplexe Rassismus und Diskriminierung; man stünde hier „am Anfang”, erklärt Mujagić, da „jedes mal aufs Neue etwa Debatten” losgerissen werden. 

Diversitäts-Diskussion

Apropos Debatte: Eine solche entstand auch rund um „Die besten 30 unter 30”. Konkret wurde die mangelnde Diversität innerhalb der 30 Talente kritisiert. So schreibt etwa heute.at-Chefredakteurin Amra Duric auf Twitter, es „wäre schön”, wenn man Journalistinnen und Journalisten mit Migrationsgeschichte „in der Hauptkategorie sehen würde”. 

Astrid Kuffner, freie Journalistin und redaktionell für das Format verantwortlich, „ver­stehe die Kritik” und „versuche auf diesem Auge nicht blind zu sein”.

Kriterien für die Auswahl der 30 Talente sind die quantitative und qualitative Anzahl der Nominierungen, die angeführte Begründung zur Aufnahme sowie das Alter und die beruflichen Stationen. 

Die Auswahl, wer es unter die Bestenliste schafft, trifft laut Kuffner die Redaktion von Österreichs Journalist:in. „Alle Effekte, die Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund marginalisieren, marginalisieren sie auch in dieser Auswahl”, sagt Kuffner. 

„Es sieht dieses Jahr so aus”, meint Kuffner, „als hätte man alle Talente mit Migrationsbiografie in die lobenden Erwähnungen „verräumt”. Dem sei aber nicht so, vielmehr würden die Erwähnungen ein „Eingangstor in die Liste” darstellen. 
Für Emina Mujagić hat die lobende Erwähnung „sehr große” Bedeutung. Sie sei „froh und dankbar”, dass ihre Arbeit „von außen gesehen und wertgeschätzt” werde. „Leider wurde ich öfters wegen meiner Herkunft diskreditiert und als nicht passend für den Journalismus bezeichnet”, erzählt die 25-jährige Wienerin, „deswegen ist das für mich umso mehr eine Bestätigung, dass ich genauso weiter- machen muss”. Ähnlich sieht das auch Riahi: Die Freude über die Erwähnung ist groß und sie zeige, „dass meine bisherige Arbeit gut und wichtig ist”.
Auch für Michl ist es eine „lässige Bestätigung”. Als Printjournalist hätte man laut dem Steirer „nicht die größte Bühne, im Lokaljournalismus noch weniger”. Es sei „schön zu sehen, wie die eigene Arbeit wertgeschätzt wird”. Und: „Wir Journalisten sind ja oft Idealisten – da tut Wertschätzung aus der eigenen Branche schon ganz gut.”

 

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