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Ein auditives "Plus" © Lea Fabienne
© Lea Fabienne

Redaktion 24.09.2020

Ein auditives "Plus"

Was 5G für DAB+ bedeutet: Wolfgang Struber (Vorsitzender Verein Digitalradio Österreich) im Gespräch.

WIEN. Bei den diesjährigen österreichischen Medientagen wurden die Themen Radio und 5G von Experten diskutiert. medianet bat Wolfgang Struber, Vorsitzenden von Digitalradio Österreich zu einem Hintergrundgespräch über Endgeräte, Frequenzspektren und die Zukunft des Hörfunks.

„Wir haben uns in den letzten Jahren intensiv um den DAB+ Content, sowie die Verfügbarkeit der Consumer Devices, also die Radiogeräte, gekümmert. Es ist auch wichtig, dass in Autos DAB+-fähige Geräte eingebaut sind. Denn 57% der Menschen hören Radio unterwegs, also im Auto. Die wenigsten Autos haben eine klassische Internetverbindung, deswegen ist ein DAB+ Radio hier sehr wichtig“, sagt Struber. „Wir haben mit 25. August das letzte Bundesland mit unserer Verbreitungsmöglichkeit ‚bedeckt‘. Nun haben 83% der Österreicher die Möglichkeit Digitalradio zu hören. Der letzte bundesweite Sender der dazugekommen ist, ist Radio Klassik Stephansdom“, so Struber. Die Geräte, mit denen Hörer DAB+ empfangen können sind ganz einfach im Handel erhältlich. Mit Ende 2020 verpflichtet die EU Autohersteller dazu, DAB+Radios einzubauen. „Wir als Verein von Digitalradios Österreich wünschen uns, dass neben Autos auch die im Handel verkauften Geräte, DAB+ Radios sind“, sagt Struber. „Die Programmvielfalt macht DAB+ aus. Wir haben uns dazu entschlossen, einen eigenen DAB+-Store zu entwickeln“, erklärt er.

Der 5G 16 Release, auch bekannt als "5G Phase 2", beeinflusst nun die Zukunft der Telekommunikation und des Rundfunks. Das sogenannte 5G-Broadcast soll eventuell in naher Zukunft Fernsehen auch übers Mobilfunknetz an die Nutzer verteilen. Ähnlich wie DVB-T2 heute, nur eben via Mobilfunk. Struber klärt auf: „Man muss bei 5G grundsätzlich unterscheiden zwischen Mobilfunknetzen in 5G und 5G-Broadcastnetzen, wenn es diese jemals geben sollte. Radiohören ist heute bereits über 4G-Mobilfunk-Netze bestens möglich, weil man sich eine Internetverbindung aufbaut und dann das Internetangebot jedes Senders nutzen kann. Das wird bei 5G nicht wesentlich besser, eher schlechter, weil der Netzausbau heute noch wesentlich schlechter ist als bei 4G. Bei dieser Nutzung handelt es sich aber um Internetradio mit all seinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

Bei 5G-Broadcast handle es sich um die gleiche Quellcodierung, wie bei 5G-Mobilfunk, nur werde das Signal dann über Rundfunktürme ausgestrahlt. Dafür brauche man dann aber eigenen Frequenzen, Senderstandorte und Sender und Empfänger, so Struber. „Also das gleiche wie bei DAB+, nur 10 Jahre später und ohne jegliche Skaleneffekte für Österreich, weil es ganz Europa nicht für Radio macht, sondern bestenfalls, wenn überhaupt, ab 2030-2035 für TV“, sagt der Vorsitzende.

Was bedeutet das nun für DAB+
„DAB+ ist ein europäisch einheitlicher Hörfunk-Standard. Im Radiobereich gibt es noch keinen 5G Broadcast Standard sowie kein Gerät, welches 5G Broadcast senden könnte. Wir haben bei DAB ein solides Signal, es ist gratis in der Luft, ressourceneffizient und energiesparend. Das Frequenzspektrum kommt auch gut durch Hausmauern durch, ist also wirklich überall empfangbar. Das wesentlichste Thema ist am Ende des Tages die Endgeräte-Verfügbarkeit“, sagt Struber. Ein weiterer Vorteil den DAB+ bringe: Hörer hinterlassen keine Datenspuren, es ist anonym. Inhalte können auch ohne Mobilfunkvertrag konsumiert werden, sagt Struber.
Da Radio ein grenzüberschreitendes Medium ist und ganz Europa in Richtung DAB+ geht, wäre es für Österreich nicht sinnvoll als einziges Land in Europa ein 5G-Radio zu machen, sagt Struber. Gäste oder Urlauber könnten mit ihren Autoradios in Österreich kein Radio empfangen, da diese gemäß europäischer Direktive auf den DAB+-Empfang und nicht auf den 5G-Empfang vorbereitet sind. 5G-Radio sei weder technisch noch von der Ressourcen-verfügbarkeit für lokale und landesweite Hörfunkprogramme geeignet.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.dabplus.at

 

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