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Elektrifizierung 2.0: Gut kommunizieren! © APG/Niklas Stadler
© APG/Niklas Stadler

Redaktion 27.08.2021

Elektrifizierung 2.0: Gut kommunizieren!

Am 7. Juli wurde das EAG beschlossen. Christoph Schuh von Austrian Power Grid fordert richtige Kommunikation.

••• Von Georg Sander

WIEN. Das Bundesgesetz über den Ausbau von Energie aus erneuerbaren Quellen (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, EAG) wurde am 7. Juli 2021 im Nationalrat beschlossen und liefert die legistische Grundlage für die Energiewende. Diese stellt die ganze Welt und somit auch Österreich vor große Aufgaben, denn schließlich braucht es gegenwärtig viel, um der Klimakrise Herr zu werden. Damit Strom zum Endverbraucher kommt, braucht es für den überregionalen Stromtransport die Infrastruktur und das Management der Austrian Power Grid AG (APG). Das Stromnetz der APG ist das Rückgrat der österreichischen Stromversorgung, die nach einem wesentlichen Prinzip funktioniert: Stromerzeugung und Stromverbrauch müssen sich in jeder Sekunde exakt die Waage halten. APG kommt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des EAG zu, und Christoph Schuh begleitet diese als Kommunikationschef. Diese Funktion hat der 49-Jährige seit 2019 und erklärt im Gespräch mit medianet, worum es genau geht: Um nicht weniger als eine gute Kommunikation der Elek­trifizierung 2.0.

Massive Umwälzungen

„In den nächsten zehn Jahren stehen wir vor großen Umwälzungen”, erklärt Christoph Schuh. Wenn man, wie im Gesetz gefordert, hundert Prozent erneuerbaren Strom im Jahr 2030 bilanziell haben will, dann müssen 27 Terawattstunden zusätzlich an Produktion installiert bzw. gebaut werden. „Da sprechen wir von elf im Bereich Photovoltaik, zehn beim Wind, fünf in der Wasserkraft, Biomasse eine und bei grünem Gas gibt es auch noch ein Potenzial von fünf Terawattstunden”, meint der Kommunikationschef. Die jetzt installierte Leistung muss quasi verdoppelt werden – eine Herkulesaufgabe! Den Endverbrauchern müssen dabei mehrere Dinge klar sein – etwa, dass das während der Pandemie beliebte Netflixen Strom braucht, das neue E-Auto und das eben beide eine Infrastruktur benötigen: „Die Menschen müssen wissen, wie das Gesamtsystem funktioniert, auf allen Ebenen. Das muss erklärt werden.”

Neben diesen Zusammenhängen ist eben klar zu sagen, was es braucht. „Wenn wir als Gesellschaft unseren Standard halten wollen, brauchen wir eine leistungsstarke Strominfrastruktur und die dafür notwendige erneuerbare Energie”, meint Schuh, „man kann dann nicht sagen, dass man die notwendige Infrastruktur nicht will.” Dass Veränderung gehen kann, zeigt(e) nicht zuletzt die Coronakrise.

Keine Ausfälle

Trotz der anhaltenden Corona-pandemie gab es keine Ausfälle in der Stromversorgung, keine nennenswerten Cluster bei den Beschäftigten. Die Pandemie hat Österreich sehr unerwartet getroffen, dennoch war alles bereit, in der Krise die Energieversorgung aufrechtzuerhalten. Dieses Learning zeigt, dass alles geht, wenn man will oder muss.

„Wenn die Menschen wissen, wie die Zusammenhänge aussehen, können wir das schaffen”, heißt es, und Schuh führt auch aus, „man darf nicht nur über einzelne Segmente reden. Wir brauchen die Infrastruktur, größere und kleinere Speicher für die Überschüsse, es braucht Netze, um Kapazitäten von A nach B zu transportieren, und auch die Elektrifizierung in Wirtschaft und Industrie spielt eine zunehmende Rolle.”
„Die Diskussion – und das müssen wir alle gemeinsam schaffen – darf nicht über Gewinner oder Verlierer geführt werden”, lautet der eindringliche Appell. Christoph Schuh führt ein Beispiel aus der österreichischen Geschichte an: den EU-Beitritt. Da stand die Gesellschaft dahinter, von den Entscheidungsträgern bis zu jedem einzelnen. Das bedingt eben auch, dass nicht jede Vorstellung der Realität für alle gleichermaßen eintritt: „Wenn wir das nicht schaffen, dann wird es bei neuen Stromleitungen, Wasserkraftwerken, Windrädern und Co. immer die Diskussionen geben. Aber: Die Energiewende bzw. Elektrifizierung wird man nicht verstecken können!”

Klar aussprechen

Es müsse von Beginn an klar sein, dass sich Dinge ändern. Wenn die Elektrifizierung 2.0 nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft wird, gibt es nicht nur Strafzahlungen der EU, sondern auch Risiken für die sichere Stromversorgung.

APG geht voran und sagt klar: Wir haben in den nächsten zehn Jahren einen Investitionsbedarf von 3,1 Mrd. €. Das wird auch offen kommuniziert, auch sehr detailliert mittels jährlich publiziertem Netzentwicklungsplan. Es sollten alle Akteure die Karten auf den Tisch legen, was es braucht. Das sind aber nicht Kosten, sondern eben Investitionen: „Ich möchte niemandem Ratschläge erteilen, aber wir alle, die Verantwortung tragen, müssen klar sagen, was es in seinem Bereich braucht und wie die Implementierung in das Gesamtsystem erfolgen kann. Je länger dieser Prozess dauert, desto höher sind die Kosten auf allen Ebenen und die Risiken für die sichere Stromversorgung.”

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