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Fachmedien im Aufwind © Matthias Heschl
© Matthias Heschl

Sascha Harold 07.06.2019

Fachmedien im Aufwind

Als einer der größten Fachverlage des Landes sind die Weka Industrie Medien erfolgreich. Investionen in Online-Angebote haben sich bezahlt gemacht.

••• Von Sascha Harold

Als Teil der Weka Mediengruppe ist die Weka Industrie Medien GmbH einer der größten Fachmedienverlage Österreichs. Entstanden ist er aus dem Magazin-Bereich des Weka Verlags und dem Industriemagazin Verlag. „Der Zugang damals war: Wie können wir aus eins + eins mehr als zwei machen”, führt der damalige Industriemagazin-Verlagschef und jetzige Geschäftsführer der Weka Industrie Medien, Hans-Florian Zangerl, aus.

Heute bearbeiten die Weka Industrie Medien mit insgesamt zwölf Magazinmarken die Themen Automotive, Bau & Gebäudetechnik und Industrie & Produktion. „Jedes Medium wird in sich relativ eigenständig mit eigenem Chefredakteur und Verkauf geführt”, so Zangerl. Synergien werden zwar genutzt, die Eigenständigkeit der Marken wird aber bewahrt.

Stabilität bei Fachmedien

Der Focus-Fachzeitschriftenstudie zufolge sind Fachmedien vom allgemeinen Abwärtstrend der Medienbranche zumindest teilweise ausgenommen. Zangerl bestätigt den Eindruck: „Ich muss sagen, es ist weniger schwer geworden, als man zuweilen glaubt. B2B-Nischentitel haben den Vorteil, dass man ein Publikum in einem Bereich anspricht, wo Facebook und Co. die Leute thematisch nicht abholt.” Gerade Herausforderungen, vor die der Digitalisierungstrend die gesamte Medienbranche stellt, machen aber auch vor dem Fachbereich nicht halt. „Wir haben natürlich auch auf Veränderungen reagiert und unseren Digitalbereich mittlerweile auf neun Köpfe aufgestockt”, so Zangerl.

Diese Investitionen sind auch durch die Situation im Print-Bereich notwendig. Während man dort in Österreich zwar derzeit noch gut dasteht, wird das Nutzungsverhalten sich auch künftig weiter Richtung Internet verlagern. Die Veränderungen, die dabei bei den Fachmedien nötig waren, sind nicht immer negativ. „Insgesamt hat das Internet für den Fachmedienbereich eine interessante Läuterung gebracht. Fachmedien einfach als zusammengeheftete Werbematerialien der Inserenten zu gestalten – das geht heute nicht mehr”, beschreibt Zangerl die Veränderung der Branche.

Online ist nicht umsonst

Die Schwierigkeit, vor der viele im Online-Bereich standen und nach wie vor stehen, ist die Monetarisierung. Der Gedanke, für Inhalte im Netz auch zu bezahlen, stößt erst nach und nach auf Gegenliebe. „Die Herausforderung ist es, Online so umzusetzen, dass uns die Zielgruppe erhalten bleibt und wir nebenbei noch Geld damit verdienen”, erläutert Zangerl. Dafür müsse man auch online entsprechende Angebote schaffen, die für Kunden relevant sind. „Ich muss meinem Kunden die Möglichkeit geben, dass er seine Zielgruppe online genauso erreichen kann wie im Print-Bereich”, meint Zangerl, der davon überzeugt ist, dass es auch Lead-basierte Angebote an die Kunden brauche: „Der Kunde möchte die Ergebnisse seiner Online Kampagnen sehen.”

Bei einigen Medien habe man bereits sehr früh in Online investiert, bei den Einkünften beträgt der Print-Anteil derzeit etwa 50%. Den aktuellen Stand auf dem Weg zur digitalen Transformation beschreibt Zangerl so: „Ich würde sagen, dass wir derzeit bei 70 Prozent von dem sind, wo wir hinwollen. Es ist also noch einiges zu tun.” Ein Service, der bereits gut angenommen wurde, ist Briefing One – ein bezahlter Newsletter zum Thema Bau und Energie. „Das zeigt, dass die Leute bereit sind, für fundierte Information zu bezahlen”, erläutert Zangerl.

Face-to-Face-Angebote

Eine weitere wichtige Säule der Weka Industrie Medien ist der Veranstaltungsbereich: Jährlich werden etwa 25 Konferenzen im B2B-Bereich umgesetzt. Die Anforderungen an solche Konferenzen haben sich dabei gewandelt und verlangen mehr Kreativität. „Ich glaube, gute Konferenzen müssen mit der gleichen Hingabe bespielt werden wie gute Magazine”, so Zangerl. Einfach die jeweiligen Inserenten einzuladen, Fachvorträge zu halten, genüge längst nicht mehr. Kunden und Besucher erwarten sich neben der Vernetzung auch deutliche Erkenntnisgewinne.

Eine Premiere feiern die Weka Industrie Medien mit einem Industrie-Festival im Oktober: Das sogenannte Gainer Festival findet heuer erstmals in Linz statt und soll etwa 500 bis 600 Besucher anziehen. Die Teilnehmer kommen dabei zu zwei Dritteln aus der Industrie und zu einem Drittel von Fachhochschulen und Universitäten.

Content Marketing-Strategien

Zum Portfolio der Weka Industriemedien gehören auch Content Marketing-Angebote – mit ein Grund für das gute Standing des Verlags. „Wir haben eine eigene Content Marketing-Abteilung eingerichtet und können für den Kunden eine Kampagne auf dem Niveau umsetzen, das er sich von einem B2B-Fachmedium zu Recht erwartet. Wir gehen hier einfach mit mehr inhaltlicher Expertise an den Start, egal ob es um technischen Bedarf für Autowerkstätten oder um Logistiksysteme geht”, so Zangerl.

In die Zukunft der Weka Industrie Medien blickt der Geschäftsführer gelassen. Die Gründung neuer Magazine steht derzeit nicht auf dem Tapet, eher gehe es um die Vertiefung in den Zielgruppen der bestehenden Titel. Für die Besorgten der Medienbranche hat er einen Rat: „Wenn sich kluge Menschen redaktionell länger mit etwas beschäftigen, dann schaffen sie einen Wert. Diese Arbeit ist auch monetarisierbar.”

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