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Gefragte Mangelware © Frederic Zimmel
© Frederic Zimmel

Redaktion 20.08.2021

Gefragte Mangelware

Data Scientists zählen zu den gefragtesten Berufsgruppen weltweit. Auch in Österreich gebe es viele Jobs – aber wenige Data Scientists.

••• Von Anna Putz

ST. PÖLTEN. 2012 kürte die Harvard Business Review ihn zum „Sexiest Job of the 21st Century”, knapp zehn Jahre später sucht man dennoch händeringend nach ihnen: Data Scientists. Daten-Experten sind in Zeiten der Digitalisierung zu Keyplayern geworden – egal ob im Bereich Medien, Marketing, Produktion oder Medizin. Alexander Adrowitzer, selbst Data Scientist und Dozent an der FH St. Pölten, sprach mit medianet über die Gründe des Fachkräftemangels und die Frage, wie Menschen für das Berufsfeld Data Science zu begeistern sind.

Know-how generieren

Als Adrowitzer noch für KPMG Advisory tätig war, antwortete ihm ein Bewerber auf die Frage, wie er sich die Arbeit eines Data Scientists vorstelle: „Er sitzt in einem Büro ohne Fenster und wertet Daten aus.” Diese Vorstellung des Arbeitsalltags ist laut Adrowitzer falsch: Data Scientists seien wichtige Schnittstellen in Unternehmen, die neben einer Affinität für Daten auch hohe kommunikative Fähigkeiten mitbringen müssen.

„Die Aufgabe des Data ­Scientist ist, aus Daten wertvolles Wissen zu generieren”, so Adrowitzer. Und Daten fallen, erklärt er weiter, überall an. Im wirtschaftlichen Kontext gilt es beispielsweise, durch vorhandene Daten neue Absatz- oder Vertriebswege zu finden, im medizinischen Bereich hingegen darum, Krankheitsverläufe anhand von bildgebenden Verfahren zu bestimmen. Anzumerken ist, dass Data Scientists stets eine Schnittstellenfunktion inne­haben, in der sie mit unterschiedlichen Abteilungen agieren, deren Anliegen berücksichtigen und schlussendlich in Analysen verarbeiten können. „Es ist also kein Job, wo ich im Keller sitze und Datenauswertungen mache. Sondern ich habe viel mit Leuten zu tun”, klärt ­Adrowitzer auf.
Es liegt unter anderem an den zahlreichen Anforderungen und diversen Aufgabengebieten, dass in Österreich ein Mangel von rund 10.000 Data Scientists besteht, mutmaßt Adrowitzer. Zudem würden reine Daten nicht ausreichen. „Ein schönes Excel erstellen kann gleich jemand, aber sinnvolle Schlüsse ziehen und Analysen so aufbereiten, dass ein wirtschaftlicher Mehrwert besteht: da steckt die große Kunst dahinter”, führt er aus. Und diese große Kunst, die erlernen Data Scientists von heute und morgen am besten in Studiengängen auf Universitäten oder Fachhochschulen, sagt Adrowitzer. Grund dafür: Dort erhält man umfassende Ausbildungen, die neben Programmieren, Statistik, Mathematik auch ethische Belange aufgreifen. Zudem würden Spezialisten – studierte Mathematiker, Statistiker oder auch Physiker –, die bislang zu Data Scientists wurden, am Markt weniger stark nachgefragt werden als gezielt ausgebildete Data Scientists.

„Interesse wecken”

Um aber die Studienplätze an den heimischen Hochschulen zu füllen und somit den Bedarf der Wirtschaft zu decken, braucht es vor allem zwei Dinge: Awareness und positive Paxisbeispiele. Das haben Laura Kaltenbrunner, die als Junior Researcher an der FH St. Pölten beschäftigt ist, und Alexander Adrowitzer erkannt und aus diesem Grund Datanauts ins Leben gerufen. Die beiden fungieren als Co-Leads der Initiative, die als Plattform für Data Science Enthusiasten vernetzen und Erfahrungsaustausch ermöglichen möchte. Es gab bislang zwar „abgehobene Initiativen”, so Adrowitzer, die sich aufgrund der Höhe des Mitgliedsbeitrags für Unternehmer oder Führungskräfte eignen, für Studierende oder junge Fachkräfte aber „uninteressant” sind.

Die Datanauts wollen Events, Workshops und Talks organisieren – der erste Event findet Mitte September in Wien statt. Außerdem sollen auch Workshops an Schulen stattfinden, „um frühzeitig Interesse an Data Science zu wecken”, erklärt Adrowitzer. Das sei insofern von Bedeutung, als dass „nicht viel weitergehen wird, solange wir in einer Gesellschaft leben, in der es cool ist, zu sagen: ‚Ich hatte einen Fünfer in Mathe'”.

Teil einer Community sein

Zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten, eine eigene Community für Data Science-Begeisterte: Was ist das Beste, was der heimischen Data Science-Szene in den nächsten Jahren passieren kann? „Das Beste wäre eine breite Akzeptanz, auch in den Unternehmen”, sagt Adrowitzer. „Nur wenn alle im Unternehmen an einem Strang ziehen und auch die Notwendigkeit von Data Science erkennen, kann es funktionieren.” Es liege zudem an der Wirtschaft, das Potenzial von jungen Absolventen zu erkennen. Außerdem, fügt er hinzu, sei es wichtig zu wissen: „Data Science ist eine spannende, lebhafte Community. Und es macht wirklich Spaß, Teil davon zu sein.”

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