„Ich sehe nur Vorteile  für die Kunden und uns“
© Golin Ketchum Austria
Saskia Wallner
MARKETING & MEDIA Redaktion 19.06.2026

„Ich sehe nur Vorteile für die Kunden und uns“

Golin Ketchum Austria-CEO Saskia Wallner über den Zusammenschluss mit Golin, internationale Chancen und die Zukunft der Kommunikation.

• Von Dinko Fejzuli

Die Kommunikationsagentur Ketchum startet in Österreich in ein neues Kapitel: Aus Ketchum Aus­tria wird Golin Ketchum Austria. Hinter der Umbenennung steht eine internationale Neuaufstellung innerhalb des Omnicom-Netzwerks, durch die Golin und Ketchum künftig enger zusammenarbeiten.
Saskia Wallner, CEO von Golin Ketchum Austria, spricht im medianet-Interview über die Bedeutung die Fusion für den österreichischen Standort, warum der Schritt mehr als ein neuer Name ist und wie sich die Agentur über Jahrzehnte von Publico über Pleon Publico bis hin zu Golin Ketchum entwickelt hat.

medianet: Welche Auswirkungen hat dieser Zusammenschluss sowohl auf Agentur-Ebene als auch auf Kundenebene in Österreich?
Saskia Wallner: Wir haben wie so oft ein Glück in Österreich: Da es Golin bei uns nicht gibt – und auch sonst keine PR-­Agentur aus der Omnicom-Gruppe –, können wir bei Ketchum Österreich aus dem Vollen schöpfen, ohne uns mit einem lokalen Merger beschäftigen zu müssen. Das heißt: Wir können uns weiter voll auf die Arbeit für unsere Kunden konzentrieren und uns alles „schnappen“, was sich uns nun Gutes von Golin Ketchum an Know-how, Reputation, Infrastruktur und Netzwerk eröffnet. Ich sehe in diesem Fall nur Vorteile für unsere Kunden und für uns selbst.
Operativ wird sich für Kunden und Partner zunächst nichts ändern. Die genannten Effekte werden aber zweifellos unsere Motivation, unsere Kreativität und unsere schiere Kraft als Organisation weiter boosten. Das wird rundherum bemerkbar sein. Für uns als Team und Agentur bedeutet Golin Ketchum in vieler Hinsicht ein neues Level: an Internationalität, an Inspiration, an Zugang zu Top-Expertise, an hunderten coolen neuen Kollegen, an Verbundenheit in einer Weltklasse-Organisation und an gemeinsamer Ambition, für unsere Kunden – und im Idealfall für die Welt – einen positiven Unterschied zu machen. Und noch etwas: In der turbulenten Weltlage fühlt es sich zudem meines Erachtens für alle Stakeholder gut an, Teil eines großen, stabilen und vorausschauenden internationalen Beratungsunternehmens zu sein.

medianet: Ihre Agentur hat eine wechselvolle Geschichte: von der Publico über ECC- bzw. Pleon Publico bis zu Ketchum und nun zu Golin Ketchum Austria. Was waren die Veränderungen und was sind die Konstanten?
Wallner: Was für eine schöne Frage! Ich habe seit meinen ersten Schritten bei der damaligen Publico im Herbst 1998 so unglaublich viel erlebt und gestaltet, dass einem schwindlig werden kann.
Das Großartige ist, dass wir uns als Organisation immer weiter entwickelt haben und unserer Zeit voraus waren. Meine prominenten Vorgänger Wolfgang Rosam und Markus Schindler waren starke Vorreiter für unsere Branche – Wolfgang mit der Erfindung von PR und dem Salonfähigmachen von Lobbying, heute als Public Affairs nicht mehr wegzudenken aus der professionellen Kommunikationsarbeit einer Organisation – und Markus mit seinem messerscharfen Fokus auf Strategie und Unternehmensberatung aus dem Blickwinkel der Kommunikation. Da habe ich jeweils super viel gelernt und bin heute noch voller Respekt für das, was damals geschaffen wurde.
Ich selbst habe schließlich als Geschäftsführerin ab 2010 die Internationalisierung, die Digitalisierung und die Integration der verschiedensten Kommunikationsdisziplinen vorangetrieben und uns zu einer der erfolgreichsten Agenturen innerhalb von Ketchum entwickelt.
Unser Portfolio umfasst heute die ganze Klaviatur der modernen Unternehmens- und Markenkommunikation von Medienarbeit bis Stakeholder-Kommunikation, von Change bis Krise, von GEO bis Social Media uvm. Auch die Branchen und Industrien sind breit gefächert von Tech bis Healthcare, Industrie bis Consumer Goods, Public Sector bis Professional Services.

medianet: Bei so viel Veränderung: Was bliebt?
Wallner: Die erste Konstante, die mir spontan einfällt, ist, dass wir hier bei uns – wie auch immer unser Name war – immer schon sehr viel und sehr hart gearbeitet haben. Die berühmte extra Meile haben wir gefühlt bei der Publico erfunden, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir hauen uns rein, bleiben dran, geben uns nicht zufrieden mit ‚das passt schon so‘ und wollen unsere Kunden und einander begeistern. Das ­gelingt nicht immer, aber meistens.
Gleichzeitig hatten und haben wir einen sehr starken Zusammenhalt untereinander und eine hohe Identifikation mit der Organisation, die wir gemeinsam bilden. Und dass wir immer schon die besten Leute am Markt mit hoher Ambition angezogen haben, das hat sich nach meiner Wahrnehmung über die Jahre sogar immer mehr verdichtet.

medianet: Wie weit bildet diese wechselvolle Geschichte auch den Wandel in der Kommunikationsbranche ab?
Wallner: ‚Show me a day when the world wasn’t new‘ – das steht auf einem unserer zahlreichen Kühlschrank-Magneten, und so erlebe ich auch die Kommunikationsbranche, seit ich als quereinsteigende Juristin vor 28 Jahren als PR-Assistentin an Bord gekommen bin. Damals war es das Höchste der Gefühle, ein Serien-Fax an 250 Adressaten zu verschicken, und wir haben in aller Früh ausgedruckte Clipping-Reports per Taxi an unsere Kunden geschickt.

medianet: Und heute?
Wallner: Heute kommunizieren wir in Echtzeit mit jeder Menge Stakeholdern, arbeiten auf der Basis von Data & Analytics und unter Einsatz ausgefeiltester Technologie, sind visuelle Storyteller und ein kreatives Powerhouse. Das alles ist heute notwendig, um unseren Kunden in der überreizten Kommunikationslandschaft Gehör und Gefolge zu verschaffen.
Und damit meine ich nicht Follower, sondern das Erreichen und Bewahren von echter Anschlussfähigkeit, Vertrauen und Reputation, was wiederum den Unternehmenserfolg absichert. Und darum geht es ja schließlich am Ende des Tages.

medianet: Das Argument von Netzwerkagenturen ist stets, dass man zum Wohle nationaler Kunden auf unbegrenztes know how innerhalb des internationalen Netzwerkes zugreifen kann. Wie relevant ist das tatsächlich für lokale?
Wallner: Ja, ich weiß, dass dieser Benefit oft inflationär in Interviews genannt wird, und dass selten erklärt wird, was wirklich den Unterschied macht.
Ich war immer sehr dahinter, dass wir die Vorteile des internationalen Netzwerks ausnützen – nicht umsonst hat mich Markus Schindler schon Anfang der 2000er-Jahre ins European Board von Pleon entsandt und ich durfte u.a. unsere CEE Affiliates an Bord holen.
Das alleine ist schon ein Riesen-Vorteil: Wir haben ein belastbares Netzwerk an Agenturen in allen relevanten Märkten, das wir für unsere Kunden aktivieren können. Beispiele gibt es da jede Menge von der Erste Group bis Trenkwalder, von P&G bis zu diversen Industriekunden. Weiters haben wir mittlerweile gerade im Analytics-Bereich ein verschränktes Team für Österreich und Deutschland, wo wir unser umfangreiches GEO Portfolio wie die warmen Semmeln verkaufen.
Das wäre als Standalone-Player in Österreich meines Erachtens so nicht möglich. Drittens haben wir seit Ketchum – und mit Golin Ketchum wird das jetzt noch aktiver und umfangreicher – verschiedene Practice Areas, in denen wir uns einbringen und Expertise für unsere Kunden anzapfen und auch einbringen können, von Healthcare bis Change, von Influencer Marketing bis Krise. Unser jüngstes Lunch & Learn zum Thema Digitale Krisenkommunikation war ein perfektes Beispiel dafür, wo unser österreichischer Krisen-Experte Axel Schein gemeinsam mit unserem prominenten deutschen Kollegen Frederik Tautz sein Know-how mit Kunden und Prospects geteilt hat.

medianet: Golin ist zwar hierzulande de facto unbekannt, international aber eine der sehr erfolgreichen Kommunikationsagenturen. Welchen konkreten Benefit werden Ihre Kunden in Österreich daraus ziehen können?
Wallner: Der erste Benefit ist, dass wir alle sehr viel Freude damit haben, jetzt Golin Ketchum zu sein. Die Kolleginnen und Kollegen, die wir bisher kennen gelernt haben, sind sehr gut drauf und haben einen ähnlichen Drive wie wir. Das motiviert und sorgt für energetische und gut gelaunte Kundenteams. Weiters hat Golin offenbar sehr wirkungsvolle Prozesse in Sachen Creativity und Kundenservice, von denen wir uns ganz bestimmt etwas abschauen werden. Immerhin gewinnt Golin seit Jahren Awards am laufenden Band und hat – so wie wir – sehr gute und dauerhafte Kundenbeziehungen. Spannend ist auch, dass Golin in der Golfregion und in Asia Pacific stark ist, wo wir bisher weniger präsent waren.

medianet: Und um auf die Agentur zu blicken: Welchen Benefit hat künftig die bisherige Ketchum in Österreich von der Fusion mit Golin?
Wallner: Golin Ketchum wird uns auch in Österreich frische Impulse geben und für unsere Kunden ebenso wie für unser Team neue Möglichkeiten eröffnen. Denn worum geht es in der heutigen Kommunikationswelt? Kreative Power, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, strategische Tiefe, um Reputation aufzubauen und zu schützen, und eine KI integrierende Infrastruktur, um rasch, effizient und dabei sicher zu Resultaten zu kommen. Das können wir in der neuen Konstellation besser denn je für unsere Kunden auf den Boden bringen.
Die zweite und mindestens genauso wichtige Ebene ist, dass wir als Golin Ketchum jetzt noch ein Schäuferl drauf legen, was unsere Attraktivität als Arbeitgeber betrifft: Teammitglieder können Job Rotations an anderen internationalen Standorten machen, sich in globalen Practices einbringen, an hochkarätigen internationalen Fortbildungen teilnehmen, sich mit Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt auf Teams zu einer Online-Coffee Break verabreden, und – auch Spaß muss sein – bei internationalen Team-Challenges mitmachen. Gerade heute zum Beispiel hat unsere AI & Analytics Senior Consultant bei einer Competition rund um das beste interne Foto zum Golin Ketchum Launch zwei Tickets für das Harry Styles Konzert in London gewonnen.

medianet: ‚To be the defining agency of the decade‘ ist quasi das Mission Statement von Golin Ketchum. Eine einfache Frage dazu: Wodurch wird man denn überhaupt die prägendste Agentur der Dekade und woran bemisst sich das? Am Erfolg der Agentur, jenem der Kunden oder der Branche, die man womöglich geprägt hat?
Wallner: Genau daran! ‚Fiercely ambitious. Radically kind‘, so beschreiben wir uns bei Golin Ketchum, und das passt spot-on zu unserem bestehenden Leitgedanken in Österreich. Ich glaube, was für diese Dekade neben fachlicher Kompetenz wichtig sein wird – egal ob als Agentur oder als Unternehmen –, sind Flexibilität, Aufrichtigkeit und Kooperation. Entscheidend ist der Anspruch, zu gestalten, ob mit mehr oder weniger Ressourcen. Was jedenfalls gebraucht und honoriert wird, sind kluge und kommittierte Menschen, die als Team mit Freude, Expertise und Zuversicht ans Werk gehen. Und genau das tun wir bei Golin Ketchum.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL