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„Motiviert und voller Ideen” © Alissar Najjar
© Alissar Najjar

Redaktion 09.04.2021

„Motiviert und voller Ideen”

Karin Wiesinger ist die frisch gewählte Präsidentin des PRVA; mit "medianet" spricht sie über aktuelle ­Herausforderungen.

••• Von Sascha Harold

WIEN. Der Public Relations Verband Austria (PRVA) hat sich neu organisiert und mit Karin Wiesinger, Partnerin bei The Skills Group, eine neue Präsidentin gewählt. Der PRVA ist die unabhängige Standesvertretung der PR-Branche in Österreich (siehe auch PR-Special ab S. 27). medianet hat mit der neu gewählten Präsidentin über ihre Ambitionen und Ziele gesprochen.

medianet: Frau Wiesinger, wie fühlt man sich als neu gewählte Präsidentin des PRVA?
Karin Wiesinger: Ich spüre viel Freude auf die kommende Arbeit. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die aktuelle Zeit auch eine große Herausforderung für die Branche ist – und damit auch für den PRVA. Nicht nur, dass die Pandemie eine wirtschaftliche Herausforderung für viele von uns ist, auch die turbulente Entwicklung unserer Gesellschaft und der Kommunikation fordert uns. Umso wichtiger ist es, als Kommunikationsverband diese kommende Zeit und die notwendigen Veränderungen aktiv mitzugestalten. Ich gehe jedenfalls, gemeinsam mit meinem Team, sehr motiviert und voller Ideen an diese Arbeit heran.

medianet:
Welche Rolle soll der PRVA in den nächsten Jahren spielen?
Wiesinger: Die bisherige Ausrichtung als ‚Public Relations Verband Austria' hat dem PRVA in den vergangenen 45 Jahren gut gedient. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Digitalisierung und der rasanten Veränderungen am Medien- und Meinungsmarkt hat sich der PRVA-Vorstand allerdings für eine klare und zeitgemäße Weiterentwicklung entschieden, die dieser Transformation Rechnung trägt. Was der neue Vorstand beschlossen hat: Der Verband öffnet sich für Personen, Agenturen, Unternehmen und Institutionen, die bereits jetzt bedeutende Kommunikationsarbeit leisten, sich in einem reinen PR-Standesverband allerdings nicht abgeholt fühlen. Der PRVA als Standesvertretung wird verstärkt das tun, was auch die tägliche Arbeit seiner Mitglieder ausmacht: Erklären, Implikationen aufzeigen und Zusammenhänge herstellen.

medianet:
Gibt es Projekte im Verband, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Wiesinger: Klarerweise der ktag (Kommunikationstag, Anm.) als Highlight-Event der Branche: Die Veranstaltung, die heuer erstmals vom PRVA selbst organisiert wird, nachdem die Kooperation mit der Quadriga Hochschule beendet wurde, steht unter dem Generalmotto ‚KommunikationmitZukunft – was geht, was bleibt?' und bringt zweifache Neuerungen: Die Veranstaltung wird komplett virtuell stattfinden, und erstmals sind auch in höherem Ausmaß Vorträge in englischer Sprache geplant, um auch internationales Publikum anzusprechen.

medianet:
Was sind die Highlights des heurigen Events?
Wiesinger: Die Inhalte des #ktag21 spiegeln die Transformation der gesamten Branche wider, vor allem in Bezug auf die erweiterten Tätigkeitsfelder von Kommunikatoren. So wird es dieses Jahr auch einen Schwerpunkt auf Erfahrungen im HR-Bereich und in der internen Kommunikation vor dem Hintergrund von Lockdowns und Homeoffice geben. Weiters im Fokus steht der Umgang mit der Digitalisierung als eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft.

medianet:
Die Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wie geht der PRVA damit um?
Wiesinger: Public Relations können nicht auf klassische Medienarbeit reduziert werden, sondern sind heute mehrheitlich das Fundament im kommunikativen Gesamtkontext und der strategischen Beratung. Als interne wie externe Berater unterstützen und verantworten Public Relations strategische Planungen sowie die Umsetzung umfassender und komplexer Kommunikationsprozesse, die weit über klassisches PR-Know-how hinausgehen. Um den Anforderungen an zeitgemäße Kommunikationsarbeit gerecht zu werden, sind Know-how und Erfahrung aus allen relevanten Bereichen der Kommunikation notwendig und gefragt – von Medienarbeit, über Social Media-Management, Interner Kommunikation bis hin zu Marketing-, Employer-Branding-, Organisations- und Führungskräfteberatung und vielem mehr.

medianet:
Was sind derzeit die größten Herausforderungen der Branche?
Wiesinger: Wir beobachten in unserer Gesellschaft eine fortschreitende Spaltung, in der Einzelinteressen zunehmen und gegeneinander ausgespielt werden. Akteure am Meinungsmarkt haben dann Erfolg, wenn sie polarisieren und emotionalisieren. Vieles wird dem Unterhaltungsdiktat untergeordnet, wertfreie Inhalte und sachliche Argumente finden immer weniger Gehör bzw. konzentriert sich die Berichterstattung vor allem im Online-Bereich zunehmend auf das Generieren möglichst hoher Klick-Raten durch oftmals populistische, vereinfachende Beiträge. Für die erfolgreiche Bewältigung der vielschichtigen Herausforderungen und Themenstellungen braucht es ein ergebnisorientiertes Miteinander über alle Teil- und Fachbereiche hinweg. Durch die Anforderungen in der Praxis wachsen unterschiedliche Disziplinen der professionellen Kommunikation zunehmend zusammen.

medianet:
Welche Rolle spielt PR in dieser Situation?
Wiesinger: Die Dialogarbeit professioneller Kommunikatoren schafft ein Klima, in dem geschlossene ‚Meinungsblasen' geöffnet und Brücken zwischen verschiedenen Stakeholdergruppen geschlagen werden können. Neben ihrer wichtigen Rolle im gesellschaftlichen Diskurs ist professionelle Kommunikation auch ein wesentlicher Wirtschafts- und Standortfaktor, indem sie zur besseren Wertschöpfung von Unternehmen beiträgt. Kommunikatoren schützen und fördern die Reputation von Unternehmen, positionieren und vertreten diese in der öffentlichen Debatte und tragen damit zum Geschäftserfolg bei.

medianet:
Die aktuelle Funktionsperiode des PRVA läuft zwei Jahre; was möchten Sie in dieser Zeit erreichen?
Wiesinger: Wir haben ein Strategiepapier als Leitplanke zur Diskussion gestellt und werden daran ab Anfang Mai in Fokusgruppen daran arbeiten, unseren gemeinsamen Verband der Zukunft aufzubauen. Das Ziel nach zwei Jahren ist es, gemeinsam mit den Mitgliedern ein Set-up entwickelt zu haben, das den Verband attraktiv für die Zukunft aufstellt, der unserem Verständnis von Kommunikation entspricht, ihrer Rolle für den Dialog in Gesellschaft und als Wirtschaftsfaktor entspricht und wo wir über alle Disziplinengrenzen hinweg neue Mitglieder gewinnen. Bis dahin wollen wir auch als Top-Anlaufstelle für Young Professionals bekannt sein, die in der Kommunikationswirtschaft tätig sein wollen. Wir planen eine Offensive im Bereich Ethik und Qualität, um bei gesellschaftlich relevanten Entwicklungen, die in direktem Zusammenhang mit der Arbeit von Kommunikationsexperten stehen, klar Position zu beziehen.

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