MARKETING & MEDIA
Neue parteiische Medien setzen etablierten Journalismus unter Druck © APA / Helmut Föhringer

Alexandra Föderl-Schmid.

© APA / Helmut Föhringer

Alexandra Föderl-Schmid.

Redaktion 09.06.2021

Neue parteiische Medien setzen etablierten Journalismus unter Druck

Podiumsdiskussion der IQ zu den neuen Parteimedien.

WIEN. Das Aufkommen neuer parteiischer Medien in Österreich setzt den etablierten Qualitätsjournalismus unter Druck. Zu dieser Einschätzung gelangte der Großteil der Diskutanten einer am Montagabend, 7. Juni 2021, veranstalteten Podiumsdiskussion der Initiative Qualität im Journalismus (IQ). Um sich zu behaupten, seien Transparenz, eine ausgewogene Selektion der Themen, Kooperation und nicht zuletzt ausreichend Ressourcen gefragt, damit Zeit und Personal für Recherche verfügbar sind.

Der Boom neuer parteiischer oder aktivistischer Medien bringe traditionelle Medien dazu, stärker herauszuarbeiten, was Journalismus und was Propaganda sei, meinte Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung. "Das könnte zu einem Qualitätsschub führen, bringt aber traditionelle Medien unter Druck", nahm sie an. Befremdlich sei, dass heutzutage oft nicht deklariert werde, wer hinter diesen neuen Medien steckt. "Auch im Impressum ist nicht immer deutlich hervorgehoben, dass eine parteiische Konnotation vorhanden ist", so Föderl-Schmid.

Beim von Peter Pilz, Gründer der ehemaligen "Liste Pilz", herausgegebenem Onlinemedium zackzack.at versteht man sich als regierungskritisches Medium, das auch keinen Zweifel daran lasse, erklärte Thomas Walach, Chefredakteur des linken Boulevardmediums. Man beziehe Haltung und täusche die Rezipienten somit nicht mit einer zur Normalität erklärten "Scheinneutralität". "Wir brauchen eine neue Kultur. Wir brauchen Journalisten, die ihre Position transparent machen. Und wir wollen diese Kultur anstoßen", legte Walach dar.

"Es ist legitim, eine Haltung zu vermitteln, solange man dabei transparent ist", meinte Michael Roither, Professor für Digitale Medien und Kommunikation der FH Burgenland. Dass es Medien möglich ist, derartig zu agieren, sei letztlich auch demokratiepolitisch wichtig. Dennoch ermögliche unparteiisches Handeln im Journalismus und der Versuch "handwerklicher Objektivität" verstärkt abzuwägen und zu gewichten – zwei Merkmale von Qualitätsjournalismus. Die Sicherung von Qualität fange freilich schon mit der Verinnerlichung ethischer Grundsätze bei den Journalisten  selbst an. Zusätzliche Mechanismen wie etwa umfassendes Faktenchecken tragen zur hausinternen Qualitätskontrolle bei. Diese sei jedoch eine Ressourcenfrage. "Es gibt viel Druck und wenig Personal", stellte der Kommunikationswissenschafter fest.

Ivo Mijnssen, Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, sah auch für Qualitätsmedien einen Platz zur Gewichtung gegeben. Argumenten, denen man nicht zustimmt, müsse aber Raum gewährt werden. Das sei zusehends schwierig. "Es gibt einen gewissen Drang zur Zuspitzung", meinte er und führte das unter anderem auf die Logik der Sozialen Medien zurück, wo klare Positionen besser ankommen würden. Problematisch sieht er häufig fehlende Zeit zur intensiven Auseinandersetzung mit Themen.

Den Anspruch, die andere Seite zu hören, erachtete auch Föderl-Schmid als zentral. "Ergebnisoffene Recherche macht Qualitätsjournalismus aus. Wenn man eine Meinung vorträgt, dann eine fundierte Meinung, die auf Fakten basiert", sagte sie. Faktenbasierte Meinungen sieht Walach bei zackzack.at gegeben: "Weil wir uns so stark positionieren, ist es wichtig, dass unsere Geschichten stimmen. Wir stehen unter besonderer Beobachtung und machen sehr viel Recherche
– mehr als viele andere sich leisten können", behauptete er.

Als Parteimedium wie der heuer gegründete Politik-Blog des ÖVP-Klubs "Zur Sache" oder das vom SPÖ-Parlamentsklub betriebene Onlinemedium kontrast.at sieht Walach zackzack.at nicht: "Wir wurden als journalistisch betriebenes PR-Organ einer Partei gegründet. Uns ist aus meiner Perspektive zum Glück die Partei abhandengekommen." Dass Pilz weiterhin als Herausgeber agiere, mache das Medium nicht zu einer Parteizeitung; schließlich sei die Liste Pilz nicht mehr aktiv. (APA)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL