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Rassismus Report: Viele Vorfälle im Web © APA/Georg Hochmuth

Caroline Kerschbaumer, Zara-Geschäftsführerin.

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Caroline Kerschbaumer, Zara-Geschäftsführerin.

Redaktion 07.05.2020

Rassismus Report: Viele Vorfälle im Web

Viele Rassismus-Meldungen finden in Zusammenhang mit dem Coronavirus statt, so der Zara Rassismus Report.

WIEN. Im Jahr 2019 gingen in der Zara-Beratungsstelle für Betroffene und Zeugen Rassismus 1.950 Meldungen von rassistischer Diskriminierung ein – sichtbar wird damit allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Besonders viele Meldungen betreffen das Internet – das hat sich umso mehr in Zeiten der Ausgangbeschränkungen aufgrund des Coronavirus gezeigt.

Im vergangenen Jahr bezogen sich insgesamt 1.070 Meldungen auf Rassismus im Internet. Während 35% der Fälle strafrechtlich verfolgbar sind – Zara unterstützt Betroffene beispielsweise bei der Anzeigeerstattung – konnten bei 65% keine rechtlichen Schritte gesetzt werden, etwa, wenn jemand eine rassistische Privatnachricht erhält. Zara fordert deswegen Maßnahmen auf gesetzlicher Ebene. „Betroffene von Rassismus und Hass im Netz müssen sich zur Wehr setzen können, die Menschenwürde gehört geschützt. Dafür braucht es effektiven Rechtsschutz für alle Betroffenen“, so Caroline Kerschbaumer, Zara-Geschäftsführerin.

Mit den Ausgangsbeschränkungen und im Zusammenhang mit Corona wurden rassistische Fälle noch mehr als sonst, nämlich zu 87%, online beobachtet. Die aktuelle Unsicherheit ist ein idealer Nährboden für rassistische Narrative und wird genutzt, um an rassistische Stereotype anzuknüpfen und Angst zu verbreiten – online, aber auch offline. Allein seit 16. März 2020, seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen, sind bei Zara insgesamt 93 Meldungen von rassistischer Diskriminierung mit Corona-Bezug eingegangen: Zu Beginn der Coronakrise wurde besonders Diskriminierung gegenüber Personen, denen eine chinesische Herkunft zugeschrieben wurde, gemeldet. Im späteren Verlauf änderte sich das dahingehend, dass vor allem Meldungen eingingen, die sich gegen geflüchtete Personen richteten. Insgesamt richteten sich seit Mitte März 43% der gemeldeten Vorfälle gegen geflüchtete Menschen, also gegen eine Personengruppen, die seit Jahren überdurchschnittlich stark von Rassismus betroffen ist.

Dilber Dikme, Leiterin der Zara Beratungsstellen, betont daher: „Wir können diese kritische Zeit nur gut meistern, wenn wir alle zusammenhalten. Für Solidarität und Zivilcourage darf es keinen Ausnahmezustand geben. Schauen Sie hin, wenn Sie auf Rassismus stoßen – egal ob online oder offline. Sagen Sie klar, dass Sie damit nicht einverstanden sind und melden Sie den Vorfall bei Zara. Zivilcourage ist ein machtvolles Instrument, um Rassismus entgegenzutreten.“ (red)

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