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„Strategische Arbeit zahlt sich am Ende immer aus” © GGK MullenLowe
© GGK MullenLowe

Sascha Harold 07.12.2018

„Strategische Arbeit zahlt sich am Ende immer aus”

Michael Kapfer und Dieter Pivrnec, das Führungsduo der GGK MullenLowe, über ihr persönliches Erfolgsrezept.

••• Von Sascha Harold

Für GGK MullenLowe hatte das Jahr 2018 mit einer unerwarteten Challenge begonnen: Mit den Casinos Aus­tria musste bei einem langjährigen Kunden der Etat verteidigt werden. Letztlich kamen zu einer neuen Kampagne zudem noch die Bereiche Digital und Social Media dazu. 

Neue Etats

Darauf ist man in der Agentur stolz: „Die Verteidigungssituation bei den Casinos hat uns dann schnell sehr Spaß gemacht, weil wir im Zuge dieses Prozesses eine komplett neue, mutigere Kampagne erarbeitet haben – kreativ gesehen, ist da eine außergewöhnliche integrierte Kampagne quer durch alle Mediengattungen entstanden, und die Marktforschung bestätigte, dass es sich hier um einen wirklich großen Wurf handelt”, führt Dieter Pivrnec, COO bei GGK MullenLowe, aus. Michael Kapfer, CEO der Agentur, ergänzt: „Wir betreuen die Casinos Austria seit sieben Jahren – heuer war die Kampagne eine der sichtbarsten, die wir gelauncht haben.” Auch der Umfang der Kampagne sei einer der größten gewesen, die die Agentur bisher umgesetzt habe. 

Im letzten Jahr kamen mit Wiener Komfortwohnen, der Oberbank und dem Verbund drei große Neukunden dazu. Wiener Komfortwohnen, der erfolgreiche Entwickler von durchdachten Wohnimmobilien mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat sich nach einem Pitch für die Kampagne der GGK MullenLowe entschieden.
Mit der Oberbank betreut die Agentur auch wieder einen Finanzdienstleister. „Wir haben sieben Jahre lang Raiffeisen betreut und sechs Jahre IngDiBa, da gibt es in der Agentur zum Thema Finanzdienstleistungen sehr viel Fachwissen, das jetzt wieder eingesetzt werden kann”, zeigt sich Kapfer erfreut. Die Oberbank sei zudem ein Kunde, der auch wirtschaftlich gut dastehe. Man eröffnet Filialen anstatt sie zu schließen, wie so mancher ihrer Mitbewerber, erklärt Pivrnec.
Auch über den Gewinn des Kunden Verbund zeigt man sich, angesichts der aufwendigen Ausschreibung, die bereits letztes Jahr begonnen hat, sehr erfreut. Die Agentur überzeugte mit einer neuen Strategie und wurde neben dem klassischen Kommunikations-Etat auch mit dem Digital-Etat beauftragt. Neben den drei Neuzugängen gab es auch aktuell nochmals Grund zur Freude: Mit dem Relaunch der Marke ToiToiToi wurde die Agentur mit einem weiteren Etat der Österreichischen Lotterien beauftragt. Auch bei A1, ein Kunde, der seit 2016 betreut wird, gibt es laufend Projekte, hinter denen ein großes Medienvolumen steht. Das sind die Gründe, warum es bei der GGK auch 2018 ein Umsatzplus geben wird.
Bei FCB Neuwien, einer Tochter der Agentur, ist zunächst ein Abgang zu beklagen – der Vertrag mit den ÖBB wurde nach Auslaufen nicht verlängert, in Zukunft sollen Inhalte dort inhouse produziert werden. 
Kapfer sieht diese Entwicklung skeptisch: „Ich wage zu bezweifeln, ob das der richtige Weg ist; international gibt es wenige Beispiele, bei denen dadurch die Qualität steigt. Erfolgreiche Unternehmen versuchen eher, möglichst viel auszulagern. Man wird leider erst in ein paar Jahren sehen, ob dieses Modell gegen den allgemeinen Trend der Marke guttut”, zeigt sich Pivrnec erstaunt.
FCB konnte die Lücke allerdings durch die Ausweitung der Zusammenarbeit mit der OMV ausgleichen – dort ist man künftig neben der Corporate-Kampagne auch für die Auslandstöchter zuständig. Im Sommer wurde zudem noch im Rahmen eines Pitches mit mehreren Agenturen Maxx Motion national und international dazugewonnen. 

Kreativität in der Pipeline 

Doch auch abseits neuer Etats ist man bei der GGK auf stete Weiterentwicklung bedacht. „Kreativ gesehen, wird 2018 ein unfassbar tolles Jahr – wir gewinnen nicht nur Kunden, sondern haben auch in der Tagesarbeit einen qualitativ sehr hochwertigen Output”, erläutert CCO Pivrnec. Die strategische Arbeit für erfolgreiche Marken macht sich bezahlt, viele Kunden kommen aktiv auf die Agentur zu und sind an einer gemeinsamen Weiterentwicklung ihrer Marke interessiert. „Wir entwickeln uns weg vom reinen Kommunikationsdienstleister hin zum Problemlösungspartner – das bedeutet, dass wir verstärkt auch bei der Strategie mitreden”, ergänzt CEO Kapfer.

Schmetterlingskinder

Eine Kampagne, die in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt hat und auch international Beachtung findet, ist die Zusammenarbeit mit Debra Austria, die sich zum Ziel gesetzt hat, medizinische Versorgung und Forschung für „Schmetterlingskinder” zu ermöglichen. „Was Freude macht, ist, dass die wirklich weiterkommen – zum einen in der Therapie, zum anderen aber auch in der Forschung”, so Pivrnec.

Dass die Kampagnen aus der Mariahilfer Straße auch funktionieren, beweisen die Auszeichnungen bei den heurigen Effies: Mit den Österreichischen Lotterien sowie Caritas Socialis wurde die GGK heuer mit jeweils einem Effie ausgezeichnet  – und das für Kampagnen, die auch wirklich gelaufen sind, fügt Kapfer hinzu.

Internationale Vernetzung 

Auch bei McCann Austria, einer weiteren Tochter der Agenturgruppe, zeigt man sich zufrieden mit der Entwicklung. „McCann ist innerhalb der gesamten Gruppe international am stärksten aufgestellt – der österreichische Standort profitiert dabei auch von der internationalen Stärke”, führt Kapfer aus. Betreut werden von McCann Kunden wie Mastercard, die Brau Union oder Coca-Cola. „Die Zusammenarbeit mit der Brau Union für die Marken Gösser und Puntigamer ist sehr gut und eng. Die Marken werden dort regelmäßig weiterentwickelt, und es gibt jedes Jahr einen nach außen sichtbaren Sprung”, zeigt sich Pivrnec glücklich über die Zusammenarbeit, bei der man als Agentur auch gemeinsam mit dem Kunden an der strategischen Ausrichtung arbeite. Bei Mastercard wurde soeben Priceless Austria gelauncht, da wird es 2019 viel zu sehen geben.

Das Führungsduo Kapfer und Pivrnec zeichnet vor allem seine Hands-On-Mentalität aus. „Wir sind bei allen wichtigen Präsentationen dabei, auch in der Umsetzung. Wir kennen jeden Job, der reinkommt, und sind bei unseren Kunden an vorderster Front dabei”, beschreibt Pivrnec die tägliche Arbeit der beiden.

Digitale Angebote

Das mittlerweile große Team zeichnet sich durch eine Mischung aus senioren und erfahrenen Spezialisten und jungen Digital Natives aus, die das heute notwendige Spezialwissen mitbringen. Die Bandbreite an Angeboten aus der Agentur wird im Anlassfall durch externe Spezialagenturen ergänzt. „Ich glaube, es gibt niemanden, der behaupten kann, dass er Digital in seiner Gesamtheit anbieten kann. Wir haben für uns definiert, dass wir immer von der Kreation ausgehen und die Marke im Zentrum haben – alles, was wir dort zusätzlich brauchen, können wir anbieten”, so Kapfer, der auch feststellt, dass seit einiger Zeit wieder vermehrt Mittel in klassische Werbung investiert würden. Viele der neuen Werbeformen werden zunehmend skeptisch betrachtet. „Gerade im Influencer-Bereich wird es – nach den ersten Problemen mit nicht gekennzeichneter Werbung – zu einem Vertrauensverlust kommen”, so der CEO. Pivrnec ergänzt: „Und auch billig produzierte Videos, die sich nicht mehr als eine Handvoll Menschen ansehen, werden zusehends kritisch hinterfragt. Man muss sich digital genau überlegen, wo man investiert.”

Strategie-Know-how

Größte Stärke der Agentur sei jedenfalls die strategische Komponente. „Kreative haben bei uns einen anderen Zugang, weil sie genau wissen, wo die Challenges der Marke liegen – der Fokus liegt nicht nur auf der Umsetzung”, so Kapfer, der ergänzt: „Die Agentur ist heute sicher eine andere als noch vor fünf Jahren.” Nah an der Basis sind die beiden Geschäftsführer auch bei ihrer Nebenbeschäftigung – beide haben Lehraufträge an der Universität. „Das ist doppelt vorteilhaft, zum einen sind wir nahe an der jungen Zielgruppe, zum anderen sammeln wir Praktikanten um uns und versuchen auch immer, die besten Leute dann weiterzubeschäftigen”, so Pivrnec. Der Ausblick auf 2019 ist ebenso erfreulich wie der Rückblick auf 2018. „Wir sind gut aufgestellt und freuen uns besonders auf 2019”, so Kapfer.

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