Synthetische Stichproben
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MARKETING & MEDIA Redaktion 23.01.2026

Synthetische Stichproben

Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl über neue Perspektiven und Ansätze.

Gastkommentar  ••• Von Thomas Schwabl

BADEN. Vor 25 Jahren galten wir als Exoten. Online-Marktforschung war für viele in der Branche ein Fremdwort. Oder schlimmer: ein unseriöses Experiment. Es wurde belächelt, kritisiert, mit Skepsis und teils offener Häme bedacht. „Nicht repräsentativ“, „zu wenig Kontrolle“, „keine echte Forschung“ waren einige der gängigen Vorwürfe. Heute ist Online-Forschung Branchenstandard.

Frage nach valider Stichprobe
Warum wir das erwähnen? Weil wir aktuell ein ähnliches Gefühl haben. Mit synthetischen Stichproben und Personas hält ein Ansatz Einzug in die Markt- und Meinungsforschung, der erneut grundlegende Fragen aufwirft: Was ist eine valide Stichprobe? Was ist „echt“? Und wie viel Innovation verträgt eine Disziplin, die zu Recht hohe Qualitätsansprüche an sich selbst stellt?

Ab dem ersten Quartal werden wir in Österreich ergänzend zur klassischen Befragung synthetische Stichproben und Personas für Konzept- und Produkttests sowie für Werbemittel-Pretests anbieten. Aktuell befinden wir uns noch in der Test- und Validierungsphase. Genau deshalb halten wir es für den richtigen Zeitpunkt, die Diskussion zu eröffnen. Denn synthetische Stichproben sind kein Ersatz für reale Menschen. Sie sind auch kein Shortcut, um Forschung billiger oder beliebiger zu machen. Richtig eingesetzt, verstehen wir sie vielmehr als intelligente Ergänzung: als Werkzeug, um frühe Hypothesen zu prüfen, Szenarien zu simulieren, Varianten zu vergleichen und schneller zu lernen, wo sich vertiefende Befragung tatsächlich lohnt.

Klare Einsatzgrenzen
Natürlich gibt es berechtigte Fragen. Natürlich braucht es Transparenz, methodische Sorgfalt und klare Einsatzgrenzen. Und natürlich erwarten wir kritische Reaktionen aus der Branche. Das ist nichts Neues. Auch bei der Online-Forschung hat es Jahre gedauert, bis aus Skepsis Akzeptanz wurde. Nicht durch Worte, sondern durch Qualität, Validierung und belastbare Ergebnisse. Genau diesen Weg wollen wir auch diesmal gehen. Unser Anspruch ist nicht, Bewährtes zu verdrängen, sondern Neues verantwortungsvoll zu integrieren.

Synthetische Stichproben eröffnen spannende Perspektiven für die Markt- und Meinungsforschung, insbesondere dort, wo Geschwindigkeit, Explora-tionsfreiheit und kreative Itera-tion gefragt sind. Ob und wie sie sich langfristig etablieren, wird nicht durch Ankündigungen entschieden, sondern durch ihren Mehrwert in der Praxis. Vor 25 Jahren wurden wir belächelt. Heute lächeln wir darüber. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen.

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