MARKETING & MEDIA
Weniger Bespaßung – mehr Inhalt © Katharina Schiffl

Beim Kinderlesefest im Wiener Rathaus sichern sich jedes Jahr rund 10.000 junge Leser 40.000 kostenlose Bücher für die Sommerferien.

© Katharina Schiffl

Beim Kinderlesefest im Wiener Rathaus sichern sich jedes Jahr rund 10.000 junge Leser 40.000 kostenlose Bücher für die Sommerferien.

Redaktion 31.10.2019

Weniger Bespaßung – mehr Inhalt

Das echo medienhaus setzt auf vielfältige Projekte; sie alle verbindet der gesellschaftliche Mehrwert.

Das echo medienhaus bündelt seine kommunikative Kompetenz neben dem Verlagswesen inhouse in einer Ambient-Media-Agentur, Eventagentur, Werbeagentur sowie einer PR- und Kommunikationsagentur. Im Interview mit medianet sprach Geschäftsführer Christian Pöttler über sinnhafte Eventformate und das Verlagsgeschäft.


medianet: Herr Pöttler, von 28. Oktober bis 3. November findet das KinderKunstFest statt. Initiiert wird dieses von echo event – was können wir uns denn unter dem Fest vorstellen?
Christian Pöttler: Die Idee ist sehr simpel. In diesem Zeitraum können Wiener Kinder gratis mehr als 40 Wiener Museen und Institutionen erleben. Kunstgrößen wie Christian Ludwig Attersee im Bank Austria Kunstforum Wien oder Deborah Sengl werden ihre Kunst für Kinder inszenieren. Für uns sind Events wie dieser wichtige Testfelder für das Projektgeschäft der Zukunft.

medianet:
Was bedeutet das genau?
Pöttler: Wir bündeln bei diesen Projekten mehrere Interessen. Zum einen profitieren die Museen von diesem Event. Für junge Menschen ist es eine einzigartige und spannende Möglichkeit, Kunst zu erleben. Und im Idealfall hat auch unser Unternehmen etwas davon. Wir sprechen hier von einem Event-Ansatz, der sich fundamental von allem unterscheidet, was früher eventimmanent war. Wir bauen heute kaum mehr Infrastruktur für viel Geld auf und kaufen nicht mehr teuren Content ein. Diese ursprüngliche Form von Großveranstaltung wird es in Zukunft schwer haben. Denn die Player, die derartige Events finanzieren können, werden in Zukunft immer stärker auf die Sparbremse treten.

medianet:
Das Event-Format der Zukunft setzt also auf bestehende Infrastrukturen?
Pöttler: Das ist sehr vereinfacht und zu verallgemeinert formuliert. Aber am Beispiel des KinderKunstFests kann man das natürlich so sagen. Jedes Museum besteht bereits und muss nicht mehr errichtet werden. Jedes Museum hat ein Interesse an verstärkter Kommunikation und einem guten Programm für potenzielle Besucher. Wir als echo medienhaus verfügen über viele Kommunikationskanäle und einen kreativen Dienstleister der Extraklasse, echo event: Eine Ideenwerkstatt, die sich mit den Medien als Multiplikatoren vereint. Wir glauben, dass der Branche in den kommenden Jahren ein großer Bruch bevorsteht. Die großen Zahler werden weniger, und die verbleibenden Kunden wollen mehr Leistung. Daher stellen wir uns vermehrt die Frage, wie ich einen Event konzipieren kann, der auch mit weniger Budget etwas ‚hergibt'. Deshalb versuchen wir, immer noch etwas wendiger und flexibler als der Mitbewerb zu sein und uns immer wieder an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

medianet:
Neben dem KinderKunstFest veranstalten Sie auch die Kriminacht und werden das Wienerlied-Festival umsetzen.
Pöttler: Und mehr als 30 andere Events pro Jahr. Bei unserer Kriminacht fanden zum 15. Mal in rund 50 Kaffeehäusern zeitgleich 50 Lesungen statt – das ist wohl das größte Krimifestival der Welt. Das Wienerlied-Festival werden wir im kommenden Jahr mit Kammersänger Kurt Rydl als Musikdirektor umsetzen.

medianet:
Auch die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden Sie in Zukunft besetzen …
Pöttler: Natürlich. Das sind zentrale Themen, die alle Unternehmen und Menschen beschäftigen sollten. Wir werden die digitale Plattform ‚Love Vienna Now' launchen. Sie wird die Dachmarke für alle innovativen, zukunftsgerichteten und ökologisch relevanten Projekte des echo medienhaus sein. Auf ihr werden wegweisende Ideen beworben. Zudem werden wir jedes Monat ein hervorragendes Projekt mit Beispielwirkung umsetzen.

medianet:
Was könnte das sein?
Pöttler: Beispielsweise ein Projekt, bei dem die ganze Stadt Hausputz macht. Der Höhepunkt dieser Initiative könnte ein ‚Cleaning-up Day' sein. Im Frühjahr wollen wir alle Wienerinnen und Wiener mobilisieren, mit uns den Müll in der Stadt zu entsorgen. Wir setzen ganz klar auf weniger Bespaßung und mehr Inhalt.

medianet:
Mit ihren Events verfolgen Sie also einen gesellschaftspolitischen Ansatz?
Pöttler: Zumindest wollen wir der dumpfen Dauerberieselung etwas entgegenhalten. Sowohl unser Projekt ‚Eine Stadt. Ein Buch.', das im nächsten Jahr sein 20. Jubiläum feiern wird, das Wiener Kinderlesefest als auch der Österreichische Vorlesetag haben einen klaren Auftrag. Wir wollen die Menschen zum Lesen bewegen. Kein Mensch kommt lesend zur Welt – man muss ihm schon vorlesen, um ihn für das Lesen und die Literatur zu begeistern. Unser Vorlesetag expandiert jetzt sogar in drei weitere Länder, nämlich nach Schweden, Rumänien und Deutschland. Es ist das erfolgreichste Projekt dieser Art in der ganzen Europäischen Union. Bedenkt man, dass wir in der EU 25 Millionen Analphabeten haben, ist das ein Projekt, das eine enorme gesellschaftliche Bedeutung hat. (gs)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL