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Redaktion 02.10.2020

Wertschöpfungskette

emba-Vorstand Wolfgang Peterlik im Interview über die vordringlichsten Probleme der Event-Branche und die Wirksamkeit der Staatshilfe.

••• Von Martina Berger

WIEN. Es waren komplizierte Verhandlungen mit der österreichischen Bundesregierung, die unter maßgeblicher Beteiligung der emba-Vorstände Herwig Straka und Wolfgang Peterlik nun zu einem großen Erfolg für die Veranstaltungsbranche geführt haben. Ein mit 300 Mio. € dotierter Schutzschirm wird Event-Agenturen ab November auch unter Corona-Bedingungen ein konzentriertes und nahezu normales Arbeiten ermöglichen.

Aus gegebenem Anlass bat medianet Wolfgang Peterlik um einige Antworten.


medianet:
Herr Peterlik, auch wenn der Staat nun Hilfe zugesagt hat: Was ist derzeit das vordringlichste Problem für die heimische Eventbranche?
Wolfgang Peterlik: Inzwischen dürfte überall angekommen sein, dass Events Vorlaufzeiten haben. Sobald Events wieder zugelassen werden, haben wir erst mit entsprechendem Zeitverzug wieder Geschäft. Unser größtes Problem ist, dass aktuell niemand sagen kann, ab wann Events wieder halbwegs normal möglich sein werden, und sich daher auch niemand traut, auch nur ansatzweise mit Planungen zu beginnen. Das heißt, wir hängen völlig in der Luft, was mit der Zeit auch zu einem psychologischen Problem für die Kolleginnen und Kollegen wird, weil keine Perspektive absehbar ist. Wir irren bei Sandsturm durch die Wüste, und die Reserven werden knapp.

medianet:
Nach diversen Hilfen für andere Branchen gibt es nun auch einen Schutzschirm für die Eventbranche. Wie viel vom Corona-Regen kann er tatsächlich abhalten?
Peterlik: Ein Schirm kann nie verhindern, trotzdem nass zu werden, aber er bietet zumindest ausreichend Schutz, bei einem Platzregen nicht völlig durchnässt zu werden. Genau darum geht es aber hier: Aktuell steht die Eventbranche leider komplett im Regen, der Schutzschirm kann uns zumindest Perspektiven eröffnen, weil er Planungen ohne Sorge vor Total­ausfällen ermöglicht.

medianet:
Die heimische Event-Branche hat eine relativ lange Wertschöpfungskette. Wird die angekündigte Hilfe auch möglichst viele Glieder dieser Kette erreichen?
Peterlik: Die Idee des Schutzschirms ist natürlich, dass eine unerwartet notwendige Absage die Kosten aller beteiligten Gewerke bedienen kann – von Stornokosten für Hotelzimmer oder Locations bis zu fix beauftragten Künstlerinnen oder Dekorateuren, die ihre Vorleistungen bisher nicht ersetzt bekommen haben. Die Details der Anspruchsberechtigung sind noch nicht bekannt, momentan wissen wir nur, dass es dieses wichtige und impulsgebende Instrument geben wird.

medianet:
Die Veranstaltungswirtschaft trägt 3,4 Prozent zur Wirtschaftsleistung Österreichs bei. Das sind 8,9 Mrd. Euro jährlich. Wie weit reichen die 300 Mio. Euro, um eine so wichtige Branche zu stützen?
Peterlik: Die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Branche, die ja auch Umwegrentabilitäten von z.B. Kongressteilnehmern einbezieht, ist natürlich um ein Vielfaches höher als die direkten Kosten eines Events, die mit dem geplante Schutzschirm abgesichert sein sollen. Mit unterschiedlichen Planungshorizonten je nach Art und Größe der Events sowie regional und zeitlich unterschiedlichen Beschränkungen werden klarerweise auch nie alle Projekte gleichermaßen betroffen sein. Außerdem soll dieser Sicherungsbetrag unsere Branche ja auch nicht ‚durchfüttern', sondern zunächst einen zweites Armageddon für die Eventbranche verhindern.

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