•• Von Alexander Haide
Doppelpack: Mit der Veranstaltung „Charge Forward“ präsentierten OMV eMotion und der schwedische Elektrofahrzeughersteller Polestar im Februar offiziell ihre neue strategische Kooperation im Bereich Elektromobilität und Ladeinfrastruktur.
Im Zentrum der Kooperation steht ein exklusives Ladeangebot für Polestar-Fahrer in Österreich. Im Rahmen der Zusammenarbeit erhalten Kunden Zugang zum OMV eMotion PremiumPlus Angebot, für B2C-Kunden entfällt die monatliche Grundgebühr für die ersten zwölf Monate. Geladen werden kann an allen OMV eMotion-Standorten sowie bei Stationen im nationalen und internationalen Partnerladenetzwerk. Erstmals stellt OMV eMotion dabei eine physische Ladekarte zur Verfügung, die sowohl für B2C- als auch B2B-Kunden erhältlich ist.
Eric Schulze, OMV Senior Vice President Retail Mobility & Convenience, und Matthias Schabetsberger, Geschäftsführer Polestar Österreich, erläutern im medianet-Doppelinterview die Motivation und die Strategie der Zusammenarbeit.
medianet: Wie genau gestaltet sich die neue Kooperation?
Matthias Schabetsberger: Wir, als Polestar, freuen uns darüber, einen starken Partner aus dem Energie- und Infrastruktursektor gewonnen zu haben und wollen gemeinsam die Elektromobilität in Österreich vorantreiben. Dabei ist das Thema des Ladens natürlich ein wichtiger Aspekt. Es geht um die Reduktion von Barrieren beim Laden und darum, die Ladeinfrastruktur einfacher und bequemer zu gestalten.
medianet: Was genau unterscheidet die OMV-Ladepunkte im Rahmen der Kooperation von jenen der anderen Anbietern?
Schabetsberger: Es geht darum ein möglichst dichtes Netz anbieten zu können und wir haben mit OMV nun einen starken Partner an unserer Seite. Hinzu kommt ein Premium-Ladeerlebnis vor Ort bei den Ladestationen. Dazu zählt, dass Ladepunkte bei Autobahnen nicht im hintersten, dunkelsten Eck versteckt sind, sondern die Hyper-Charger beleuchtet zentral, überdacht und nahe bei der OMV Viva Station liegen. Dort kann ich einen Kaffee trinken, meinen Laptop oder mein Handy aufladen, arbeiten oder konsumieren und habe das Auto beim Laden im Blick.
medianet: Wo ist der Benefit für Polestar-Fahrer?
Schabetsberger: Durch unsere Kooperation fällt die Grundgebühr weg, was ein preislicher Vorteil ist. Hinzu kommt ein attraktiver Preis von 59 Cent pro Kilowattstunde bei HPC Ladestationen.
Eric Schulze: Der Unterschied bei der Ladeleistung ist ein konsistentes ultraschnelles Charging mit bis zu 400 kW HPC-Ladestationen. Natürlich ist ein Auto nötig, das die hohe Ladeleistung auch abrufen kann, wie von einem Premium-Hersteller wie Polestar. Hinzu kommt das Serviceversprechen an unseren Standorten, vom Leberkäs bis zum Kaffee, von Toiletten bis hin zur Beleuchtung und zum Erste Hilfe-Set.
Es gibt noch immer viele Menschen, die zum ersten Mal ein Elektrofahrzeug besitzen. Jetzt liegt auf dem Beifahrersitz beim Kauf eines neuen Polestars eine Karte mit einem QR-Code. Ich registriere mich mit meinen Bankdaten und kann sofort zum besten Preis bei OMV laden, oder mit der Roaming-Card bei anderen Anbietern. Es ist also ein direkter Start, ohne dass viele Erklärungen nötig sind.
Schabetsberger: Dieser einfache Zugang mit nur einer Ladekarte ist bei einem Premium-Produkt wie dem Polestar 4 wesentlich.
medianet: Wird diese Kooperation einzigartig bleiben?
Schulze: Es ist unsere erste Kooperation und wir freuen uns darüber, wenn Kunden das gut annehmen, da wir gemeinsam einen vereinfachten Schritt zum Zugang zur Elektromobilität leisten können.
medianet: OMV hat vor, bis zum Jahr 2030 insgesamt 5.000 Ladepunkte in Österreich, Ungarn, Slowakei und Rumänien zu errichten. Wie viele davon wird es in Österreich geben?
Schulze: Derzeit verfügt mehr als jede zweite OMV-Tankstelle über Elektroladesäulen, das sind mehr als 500 in Österreich. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Zahl verdreifachen wird.
medianet: Wann gibt es nur noch Strom an OMV-Tankstellen und keine fossilen Treibstoffe?
Schulze: In dem Moment, wo sie der Kunde nicht mehr nachfragt. Genauso wie die Gesellschaft machen wir uns als historischer Mineralölkonzern auf eine Reise und bieten Elektromobilität an. Das macht aus unserer Sicht Sinn, denn sie ist effizient, das überlegene Antriebssystem und ökologisch wünschenswert. Wir überlassen es jedem einzelnen Kunden, selbst zu entscheiden, wann er sich auf die Brücke zur Elektromobilität begibt. Wir sind für ihn im fossilen Bereich mit Premium-Kraftstoffen da und auf der anderen Seite der Brücke mit E-Ladesäulen.
medianet: Mit dem Polestar 7,
einem SUV, konzentrieren Sie sich weiterhin auf das Premium-Segment. Wird es auch günstigere Polestars geben?
Schabetsberger: Wir sind Europas einzige reine Elektromarke, eine High Performance-Brand und kommen ursprünglich aus dem Motorsport. Wir wollen Begehrlichkeiten wecken, wenn es um Elektromobilität geht und das hat für uns sehr viel mit Performance zu tun. Wir sind ein Premium-Hersteller und verfügen bereits heute über eine breite Produktpalette. Es gibt die Möglichkeit über Leasing-Angebote sowohl für B2B-Kundenflotten, als auch für Privatkunden die Elektromobilität erschwinglicher zu machen.
Im Vergleich zum Verbrenner haben wir in vielen Bereichen Kostenparität hergestellt und in einigen Bereichen einen klaren Vorteil, wenn es um die TCO (Total Cost of Ownership, Anm.) geht. Zudem erweitern wir unser Produktangebot nach oben und nach unten. Hier beobachten wir permanent die Entwicklungen in Europa, wo 75 Prozent unseres Kerngeschäfts liegen.
medianet: Wie wichtig ist für Polestar der B2B-Bereich?
Schabetsberger: Speziell in Österreich ist die Elektromobilität sehr durch den B2B-Sektor getrieben. Zum Flotten- und B2B-Sektor gehören ja nicht nur Großflotten, sondern Gewerbetreibende, Dienstwagenfahrer und viele mehr. Darauf legen wir einen Fokus und versuchen ein passendes Angebot anzubieten, für den Mietwagenbetreiber bis zum Einzelunternehmer.
medianet: Polestar ist bekannt für innovative Lösungen, vom Design bis zu verwendeten Materialien. Welche Revolution steht demnächst an?
Schabetsberger: Wir sind als reiner EV-Hersteller stetig bemüht State of the Art-Technologie anzubieten und die Elektromobilität nachhaltiger zu gestalten. Unsere Produkte, die sich auf den Straßen befinden, werden regelmäßig durch Over the Air-Updates verbessert und effizienter. Natürlich treiben wir auch technologische Weiterentwicklungen voran.
medianet: Experten monieren oft das mangelhafte Ladenetzwerk in den Städten. Wird hier die OMV abseits ihrer Tankstellen aktiv werden?
Schulze: An unseren historischen Tankstellen ist bereits die gesamte Infrastruktur, von Einkaufsmöglichkeiten bis zu Toiletten, vorhanden, die an rein öffentlichen Ladepunkten mit meist einer schwächeren Anschlussleistung nicht garantiert werden kann.
Wir haben zuerst Ladesäulen dort gebaut, wo es genügend Stromkapazität gab. Das sieht man gut an der Westautobahn, die in alle Richtungen gut abgedeckt ist und wo es sichtbare Hochspannungsleitungen gibt. Innerstädtisch, abseits von OMV-Stationen, werden wir eher keine öffentlichen Ladestationen errichten, sondern überlassen das anderen Anbietern, die in diesem Kleinsegment besser aufgestellt sind.
