Reichweiten-Verluste bei extremer Kälte; 24 E-Autos im Praxistest in Norwegen
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ÖAMTC-Techniker Florian Merker beim El Prix E-Auto-Test in Norwegen.
MOBILITY BUSINESS Alexander haide 27.02.2026

Reichweiten-Verluste bei extremer Kälte; 24 E-Autos im Praxistest in Norwegen

Dennoch sind bis zu 520 gefahrene Kilometer bei minus 31 Grad Celsius möglich. Zudem zeigen sich gute Ergebnisse beim Laden: von zehn auf 80 Prozent in 30 Minuten.

OSLO/WIEN. Im Jänner 2026 war der ÖAMTC wieder beim weltweit größten Reichweitentest von Elektrofahrzeugen „El Prix“ dabei. Dieser Praxistest wird zweimal jährlich vom norwegischen Partnerclub NAF durchgeführt. „Bei Rekordwerten von bis zu minus 31 Grad Celsius zeigte sich die starke Auswirkung der niedrigen Temperatur auf die Reichweite von E-Autos. Kein Fahrzeug kam in die Nähe der angegebenen WLTP-Werte. Die höchsten Abweichungen zur angegebenen Reichweite lagen bei fast 46 Prozent, etwa bei Opel Grandland und Lucid Air Grand Touring, die niedrigste bei knapp unter 30 Prozent bei MG S6 und Hyundai Inster. Im Durchschnitt lag die Abweichung bei knapp 38 Prozent unterhalb der WLTP-Reichweite“, fasst ÖAMTC-Techniker Florian Merker zusammen.

Keine Angst vor geringen Reichweiten
Die Angst vor zu geringer Reichweite ist aber unbegründet. Die tatsächlich gefahrenen Kilometer lagen zwischen 224 (Suzuki eVitara) und 520 Kilometern (Lucid Air Grand Touring). „Die Daten zeigen, wie wichtig eine gute Streckenplanung und die Verfügbarkeit von Ladestationen für E-Autofahrer im Winter besonders bei sehr niedrigen Temperaturen sind „, betont der ÖAMTC-Techniker. Das belegt auch der parallel durchgeführte Ladetest.

Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und Verfügbarkeit von Ladestationen werden wichtiger als Reichweite
 Beim Aufladen erreichten 13 der 24 getesteten Fahrzeuge den gewünschten Ladestand von 80 Prozent in weniger als 30 Minuten. Sechs Fahrzeuge waren sogar schneller auf 80 Prozent als vom Hersteller angegeben. „Bei diesem Ladetest zeigte sich, wie wichtig eine gut temperierte Batterie für das Laden eines Elektrofahrzeuges ist. Trotz Temperaturen von minus zehn Grad Celsius an den Ladestationen haben die getesteten Fahrzeuge gut abgeschnitten“, erklärt Merker. Laut der Erfahrung des ÖAMTC werden in Zukunft Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und Verfügbarkeit von Ladestationen wichtiger sein als die maximale Reichweite eines Elektrofahrzeuges.

Mögliche neue Modelle in Europa
Ein weiterer interessanter Aspekt von „El Prix“ war, dass sich in Norwegen viele Fahrzeugmodelle finden, die es noch nicht auf den österreichischen Markt geschafft haben, die aber beim Test dabei waren, wie die chinesischen Modelle Changan Deepal S05, KGM Musso, Xpeng X9 und Zeekr 7X. „Für den ÖAMTC ist es daher eine gute Vorschau, welche Hersteller in der nächsten Zeit den Schritt nach Europa planen“, meint Merker. 

Über den „El Prix“
„El Prix“ ist der weltweit größte Praxis-Test für die Reichweite und das Aufladen von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV). Der Norwegische Automobilverband (NAF) führt „El Prix“ seit dem Jahr 2020 zwei Mal pro Jahr durch, einmal im Sommer und einmal im Winter. Dabei wird die tatsächliche Reichweite der Fahrzeuge ermittelt und mit den offiziellen WLTP-Reichweiten verglichen. Der ÖAMTC war heuer bereits zum siebenten Mal dabei. Für den aktuellen Test wurde eine 450 Kilometer lange Strecke gewählt, die einen Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn sowie Steigungen beinhaltete. Es wurde so lange gefahren, bis es bei allen Fahrzeugen zu einem Leistungsverlust kam und die erforderliche Geschwindigkeit nicht mehr gehalten werden konnte. Die Temperaturen an den Testtagen bewegten sich zwischen minus acht und minus 31 Grad Celsius.

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