PRIMENEWS
Concordia-Preise - Solidaritätsbekundung für türkische Journalisten APA/Herbert Pfarrhofer

Concordia-Preisträger Peter Huemer (Kategorie "Lebenswerk").

APA/Herbert Pfarrhofer

Concordia-Preisträger Peter Huemer (Kategorie "Lebenswerk").

Redaktion 04.05.2017

Concordia-Preise - Solidaritätsbekundung für türkische Journalisten

Föderl-Schmid: "Ungeheuerlichkeit" - Lage in Türkei führt Wert der Pressefreiheit vor Augen.

WIEN/ANKARA. Die Verleihung des Concordia-Preises in der Kategorie "Pressefreiheit" gestern, Mittwoch, ist zu einem eindringlichen Solidaritätsakt für bedrohte türkische Journalisten geworden. Die Auszeichnung ging heuer an jene Medienschaffende, die in der Türkei inhaftiert sind. Laute Unmutsbekundungen gab es für die österreichische Vertretung in der Türkei, weil ein Journalist nicht zum Festakt reisen konnte.

"Pfui"-Rufe erschallten aus dem Publikum im Sitzungssaal des Nationalrats, als "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid - in ihrer Rolle als Laudatorin - aus dem Schriftverkehr mit den Behörden vorlas. Diese hätten "begründete Zweifel am Wahrheitsgehalt des Inhalts der vorgelegten Belege und an der Glaubwürdigkeit der Angaben des Antragstellers" gehegt.

Eine "Ungeheuerlichkeit", so Föderl-Schmid, die auch die Stellungnahme des Außenministeriums in der Causa kritisierte: Dass Formulierungen, wie sie von der Vertretung verwendet wurden, durch gesetzliche Vorgaben gedeckt sind, wolle sie nicht glauben. Ismail Eskin habe schließlich seinen Antrag zurückgezogen - wäre dieser nämlich abgelehnt worden, hätte dies eine Speicherung im Schengen-Informationssystem für zehn Jahre bedeutet. All das "erinnert mich an längst vergangene Zeiten", so Föderl-Schmid. "Wie dieser Fall zeigt, geht Pressefreiheit uns alle an."

"In der Türkei sieht man, was passiert, wenn nur noch die Meinung derjenigen richtig und zum Recht erklärt wird, die die Macht haben", sagte sie mit Blick auf die Lage der dortigen Journalisten. "Pressefreiheit, das klingt sehr abstrakt, aber gerade das Beispiel Türkei zeigt, wie schnell es konkret werden kann. Wenn ein Kommentar schon Todesgefahr bedeuten kann. Liebe Kollegen: Ihr kämpft für Presse- und Informationsfreiheit, und ihr setzt dafür das Wertvollste ein, das ihr habt - eure persönliche Freiheit."

"Die Türkei ist nicht nur ein Erdogan-Land", betonte die türkische Journalistin Banu Güven. "Heute treffen sich Hunderte Journalisten in Istanbul zum Tag der Pressefreiheit." Sie werde die solidarischen Signale aus Österreich übermitteln, versprach sie und wurde mit Standing Ovations verabschiedet.

Das Preisgeld in der Höhe von 4.000 € wird an einen Fonds zur Unterstützung der Inhaftierten und deren Familien übergeben. Über 160 sitzen laut Güven derzeit im Gefängnis. Der Presseclub Concordia legte bei der Feier eine Broschüre mit Informationen über sie auf - damit man nicht nur über Zahlen rede, sondern über die Menschen und ihre Geschichten, so der Presseclub Concordia. (APA)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema