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Der Konsument, der sich nicht traut dpa / Oliver Berg
dpa / Oliver Berg

Redaktion 07.12.2015

Der Konsument, der sich nicht traut

Das Konsumentenvertrauen bleibt in Österreich im Keller. Weder die niedrige Inflation noch die Aussicht auf die Steuerreform pushten bisher den Konsum. Die Zusatznachfrage durch die Flüchtlinge wird derzeit erfasst.

Wien. Der Konsum der privaten Haushalte stagniert hierzulande seit mehr als zwei Jahren. Im Gegensatz zu Deutschland und manch anderen europäischen Ländern stieg der private Konsum in Österreich laut Wifo auch im dritten Quartal kaum. Das Konsumentenvertrauen verschlechterte sich seit dem Frühjahr 2015 deutlich und erreichte im November den niedrigsten Wert seit der Wirtschaftskrise 2008/09.
Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte dürfte auch in den nächsten Monaten schwach sein, schreibt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seinem aktuellen Monatsbericht. "Weder der schwache Preisauftrieb noch die Aussicht auf das Inkrafttreten der Steuersenkungen Anfang 2016 veranlasst die Haushalte bislang zu einer Ausweitung ihrer Ausgaben." Diese zeige sich auch in der "trägen Zunahme" der realen Einzelhandelsumsätze exklusive Kfz-Handel, so die Wirtschaftsforscher.

Arbeitsmarktprobleme drücken die Kauflust

Die zurückhaltende Entwicklung des privaten Konsums werde auch durch die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst, heißt es in einer aktuellen Analyse ("Konjunktur erholt sich in Österreich geringfügig") des Wifo-Experten Stefan Ederer. Trotz eines Beschäftigungsanstieges erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im November gegenüber dem Vorjahr um 27.500. Die Arbeitslosenquote stieg auf 9,2%. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosenzahl allerdings nicht mehr zu, und das Stellenangebot stieg weiter. Die harmonisierte Arbeitslosenquote laut Eurostat lag im Oktober unverändert bei 5,6%. Die Inflationsrate verharrte im Oktober auf +0,7%.

"Merkliche Impulse durch die Flüchtlingsmigration"

Das von der EU-Kommission erhobene Konsumklima in Österreich erreichte am Höhepunkt der Wirtschaftskrise den tiefsten Wert von minus 23 im April 2009. Nach einer Erholung des Konsumentenvertrauens geht es seit Oktober 2010 wieder bergab. Im November 2015 lag der Saldo von positiven zu negativen Antworten bei der Konsumentenbefragungen in Österreich bei minus 16. Bei der Befragung werden sowohl Fragen zur persönlichen und haushaltsindividuellen Situation als auch zu Preiserwartungen und dem Kauf von langlebigen Konsumgütern gestellt. Die Wirtschaftsforscher rechnen aber mit "merkliche Impulsen" für den Konsum durch die Flüchtlingsmigration sowie Steuerreform, die Anfang 2016 in Kraft tritt.  Derzeit berechnet das Wifo die durch die Flüchtlinge ausgelöste Zusatznachfrage und die Auswirkungen auf die Konsumausgaben. Ergebnisse dazu werden die Ökonomen am 17. Dezember bei der vierteljährlichen Konjunkturprognose vorstellen. (APA/red)

www.wifo.ac.at

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