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Frauen in Führungspositionen: Viel tut sich nicht Panthermedia.net / peshkova
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Redaktion 24.05.2016

Frauen in Führungspositionen: Viel tut sich nicht

EY Global Gender Diversity Survey: Weltweit führende Unternehmen rechnen nicht mit raschem Anstieg. WEF veranschlagt 117 Jahre für die Erreichung der Geschlechterparität in der gesamten Arbeitnehmerschaft.

WIEN. Top-Unternehmen weltweit unterschätzen weiterhin das Problem des immer noch geringen Frauenanteils in Chefetagen: Die deutliche Mehrheit (69%) der Branchenführer ist trotz der geringen Fortschritte überzeugt, dass sie in den kommenden 25 Jahren ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen in ihren obersten Führungsgremien erreichen werden. Damit unterscheidet sich die Einschätzung der Führungskräfte stark von der Prognose des World Economic Forum (WEF): Diese geht von 117 Jahren bis zum Erreichen von Geschlechterparität in der gesamten Arbeitnehmerschaft aus. Deutlich weniger optimistisch sind die Führungskräfte hingegen bei der Einschätzung der kurzfristigen Veränderungen: Lediglich 13% erwarten einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils auf Führungsebene in den kommenden fünf Jahren. Das sind die Ergebnisse des aktuellen Global Diversity Survey der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für den 350 Führungskräfte auf Geschäftsleitungsstufe der größten Unternehmen aus sieben Branchen in 51 Ländern – darunter auch Österreich – befragt wurden.

Aussichten in Banken am besten

Glaubt man den Einschätzungen der Führungskräfte, sind die Aussichten auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Chefetagen im Bankensektor noch am besten: Dort gehen immerhin 27% der Befragten in den kommenden fünf Jahren von einer deutlichen Erhöhung des Frauenanteils auf Führungsebene aus. Am anderen Ende des Spektrums liegt die Versicherungsindustrie, wo nur sechs Prozent mit einem solchen Anstieg rechnen.

Elfriede Baumann, zuständige Partnerin für die Initiative „Women.Fast Forward“ bei EY: „Es ist leider keinesfalls ein neuer Befund, dass die Diskussion über ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen deutlich stärker von Optimismus als von Realismus geprägt ist. Auch wenn das Bewusstsein für die Wichtigkeit gemischter Führungsteams bei vielen Unternehmen deutlich gewachsen ist, bleiben die Fortschritte bei der Erhöhung des Frauenanteils quer durch alle Sektoren und Unternehmensgrößen sehr überschaubar. Einfach darauf zu hoffen, dass sich der Frauenanteil von selbst erhöht, ist jedenfalls zu wenig. Dafür braucht es klare Bekenntnisse und strukturierte, verbindliche Programme.“

"Unternehmen schaden sich selbst"

Aus Sicht von EY-Partnerin Baumann würden sich Unternehmen durch den Verzicht auf die Förderung von Geschlechterparität selbst schaden: „Es besteht erwiesenermaßen eine klar nachvollzieh- und messbare Verbindung zwischen einem ausgewogenen Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Die Erhöhung des Frauenanteils ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Nicht zuletzt unsere Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Wer auf Frauen in der Chefetage verzichtet, verzichtet auch auf eine bessere wirtschaftliche Performance.“

Bewusstsein spiegelt sich kaum in konkreten Maßnahmen wider

So ausgeprägt das Bewusstsein über die Wichtigkeit von Frauen in Führungsetagen ist, so wenig konkrete Maßnahmen gibt es in den Top-Unternehmen: Nicht einmal die Hälfte verfügt über Messgrößen, um die Fortschritte von Frauen auf ihrem Karriereweg zu verfolgen. Einerseits sagt zwar über die Hälfte der Umfrageteilnehmer (55%), dass sie mehr tun muss, um qualifizierte Frauen zu fördern und so ein Reservoir an potenziellen weiblichen Führungskräften aufzubauen. Andererseits verfügen aber nur 18% tatsächlich über strukturierte Programme, um talentierte Frauen in ihrem Unternehmen zu identifizieren und zu entwickeln. Baumann: „In vielen Führungsgremien herrscht immer noch eine verzerrte Wahrnehmung: Zwar glauben die Unternehmen, Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Geschlechterdiversitätsziele zu machen. Allerdings planen sie nicht aktiv darauf hin, die Anzahl an Frauen in der obersten Führungsriege in naher Zukunft zu erhöhen und messen dies auch nicht. Es ist an der Zeit, dass sich jedes Unternehmen kritisch hinterfragt und für sich selbst konkrete, messbare Zielvorgaben festlegt.“ Am weitesten verbreitet sind Förderprogramme im Bankensektor (33%), gefolgt von der Automobilbranche (22%). Das Schlusslicht ist auch hier die Versicherungsbranche mit acht Prozent.

Um Frauen auf ihrem Weg in die oberste Unternehmensführung zu unterstützen, müsse diese Problematik aus Sicht von Elfriede Baumann auf allen Unternehmensebenen verstanden werden: „Wenn Frauen nicht zu Beginn und im weiteren Verlauf ihrer Karriere die richtigen Chancen und die geeignete Unterstützung erhalten, sinken ihre Aussichten auf einen Aufstieg bis ganz nach oben zusätzlich. Daher gilt es, weibliche Top-Talente zu identifizieren, formelle und informelle Programme zu schaffen, um sie zu fördern, und ihnen passende Karrieremöglichkeiten zu bieten.“ (sb)

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