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„Aus’m Dorf” raus in die große, weite Welt © Stephan Huger

Kunst & C+CKastner hat sich die Kunst als USP angelacht – ergo decken den C+C Markt in Eisenstadt 167 Stahlsäulen, die symbolisch fürs Schilf am Neusiedler See stehen.

© Stephan Huger

Kunst & C+CKastner hat sich die Kunst als USP angelacht – ergo decken den C+C Markt in Eisenstadt 167 Stahlsäulen, die symbolisch fürs Schilf am Neusiedler See stehen.

christian novacek 26.01.2018

„Aus’m Dorf” raus in die große, weite Welt

Die Kastner Gruppe zeigt, was mit Regionalität möglich ist, und liefert diese über my.Product.at bis nach China.

••• Von Christian Novacek

Wer im Ranking der Top 500-Unternehmen (erhoben von der Wirtschaftszeitschrift trend) auf Platz 381 rangiert, ist keine kleine Nummer im heimischen Handel. „Wir haben uns um 18 Plätze verbessert”, ist Christof Kastner, Chef der Kast­ner Gruppe, stolz. Und er untermauert das gute Ranking mit Daten: Mit einer Umsatzsteigerung von 2,5% auf deutlich über 217 Mio. € steht das Familien­unternehmen ziemlich dick da im Waldviertel – und das durchaus auf mehr als einem Standbein.

Ein traditionelles davon trägt den Titel Nah&Frisch: Mittels konsequenter Expansionsstrategie sind hier im vergangenen Jahr zwölf neue Geschäfte eröffnet worden. Dabei gingen sechs bestehende an neue selbstständige Kaufleute, weitere sechs zählen zur Rubrik „neue Kastner Nah&Frisch Standorte”. Sie ergänzen die bestehenden auf bereits 160.

Nah heißt regional

Trendgemäß spielt Kastner das Thema Regionalität groß aus – im Einzelhandel unter der neuen Marke „aus’m Dorf”. Nah&Frisch-Geschäftsführer Andreas Blauensteiner dazu: „Damit wollen wir unsere Kaufleute animieren, Produkte aus ihrer Gemeinde zu verkaufen, also beispielsweise Honig oder Säfte aus der Nachbarschaft.” Was nun zum Kunden nachbarschaftlich freundlich daherkommt, hat im Hintergrund ein geschmiert laufendes Prozesslaufwerk. Das hält letztlich auch einige nette Gimmicks für die Kaufleute bereit.

Deren augenfälligstes: die Nah&Frisch Stammtisch App. Neben der Chatfunktion werden mit ihr Infos von der Zentrale an die Kaufleute geschickt; ein Beispiel dafür wäre der „Tipp des Tages”, also etwa die Aufforderung, am Tag des Apfels ein paar solche gratis zum Kunden rüberrollen zu lassen.
Gleichfalls im Fokus: die Digitalisierung. Zwar wird es im Handel kaum etwas analogeres geben als einen Kaufmann, aber eine flotte Registrierkasse mit moderner Kassensoftware stellt dann doch ein willkommenes digitales Rückgrat der kaufmännischen Erfolgsstory dar.
Die kongeniale Verquickung von regional und digital stellt Kastner aber im Onlinebusiness her. Kastner ist zu 60% an my.Product.at beteiligt. Der Onlinehändler baute 2017 in Kooperation mit dem Logistikpartner DPD das Liefergebiet auf die ganze EU aus. Als erster österreichischer Lebensmittelonlineshop nimmt die Plattform Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether als Zahlungsmittel an.
Mit 8.000 regionalen Spezialitäten und Handwerksprodukten von 400 ausschließlich österreichischen Produzenten hat myProduct.at das größte online verfügbare Regionalsortiment am Start. Dieses wird strikt gehandhabt: „Wenn ein Produzent für den Lebensmittelhandel produziert, fällt er bei uns raus”, erläutert Kastner. Denn das Verständnis von my.Product.at ist das: „Wir liefern weg vom Kleinproduzenten europaweit aus jedem Land der EU vor die Haustür.”
Die greifbare Umsatzdimension zum regional griffigen Onlineshop nennt Kastner nicht. Er gibt auch keine Vergleichsgrößen wie „entspricht dem Umsatz von so und so viel Filialen” an. „Das wäre Kaffeesudlesen”, sagt er und verweist auf zumeist zweistellige Zuwachsraten sowie den Umstand, dass der Shop „Österreich in die Welt hinausträgt” - aufgrund einer Kooperation mit den Austrian Airlines sogar bis nach China.

Neues Konzept: Regional2Go

Aber myProduct.at fliegt nicht nur aufgrund von Online-Käufen durch die Welt, es verankert sich in ebendieser merklich konkret: Dank des Konzepts „Regional2Go” in Kooperation mit der Leikermoser Energiehandel GmbH gibt es nun auch die Möglichkeit, Regionalität stationär zu tanken – nämlich in Tankstellenshops, wo sie als Blickfang das klassische Sortiment um hochwertige, regionale Convenience-Produkte erweitern.

Markus Leikermoser, Geschäftsführer der Leikermoser Energiehandel GmbH: „Das Feedback der Kunden zeigt uns schon jetzt, dass wir den Zahn der Zeit getroffen haben.” Derzeit ist Regional2Go an den BP- Tankstellen Innsbruck (Amraser Seestraße), Bludenz (Montafoner Straße) und St. Gallenkirch zu finden – zehn weitere Standorte folgen demnächst.

Gastronomiezustellung boomt

Ein gleichsam traditionelles wie robustes Standbein des Waldviertler Handelshauses ist die Gastronomie. Robustheit geht einher mit Flexibilität, denn die Zeiten ändern sich: „Der Trend geht in Richtung Zustellung, die macht bei uns bereits 60 Prozent des Umsatzes aus”, erläutert Kastner. Der Rest teilt sich auf derzeit sechs C+C Märkte auf.

In den Abholmärkten in Krems, Jennersdorf, Zwettl und Eisenstadt wurde bereits das neue C+C Ladenkonzept umgesetzt, wobei speziell Letztgenannter dank einer Investition von mehr als 5,2 Mio. € zu den modernsten Österreichs gehören dürfte. Bezüglich verstärkter Mitbewerbsaktivitäten anhand des neuen Rivalen transgourmet und Metros aktueller Verlagerung hin zu mehr Zustellungspower bleibt Kastner gelassen: „Die Gastronomie ist für uns ein expansives Thema, und ich denke, dass wir unser Stammgebiet noch erweitern werden.” Den regionalen Marktanteil als Gastronomiehändler sieht Kastner übrigens jenseits der 50%.

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