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Bei Bio-Produkten sind Fleischtiger Sparfüchse © Panthermedia.net/ArturVerkhovetskiy
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Ornella Luna Wächter 08.09.2017

Bei Bio-Produkten sind Fleischtiger Sparfüchse

Konsumenten verfolgen beim Einkauf von Fleisch hohe Ansprüche; beim Bio-Fleisch wird aber gespart.

••• Von Ornella Luna Wächter

Als „Fleischtiger” wurden die Österreicher bezeichnet, als vor Kurzem die neuen Daten der Statistik Austria veröffentlicht wurden – zu Recht: 2016 lag der Pro-Kopf Verzehr bei 96,6 kg; das sind fast 2 kg Fleisch pro Woche. Um nur 0,3 kg ist der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dass Konsumenten immer kritischer beim Kauf von Fleisch werden, scheint angesichts der Zahlen nicht wirklich der Fall zu sein. Ein Pro-Kopf-Verbrauch von 54,2 kg Schweinefleisch, 21,6 kg Geflügel und 17,9 kg Rind- und Kalbfleisch ist von einem bewussten Einkaufsverhalten noch weit entfernt.

Produzenten und Handel jedoch sprechen nur noch vom kritischen Konsumenten und seinen hohen Qualitätsansprüchen was den Einkauf von Fleisch im Supermarkt betrifft. Eine Umfrage der AMA-Marketing aus dem Vorjahr beispielsweise hat ergeben, dass Verbraucher ein besonders starkes Bewusstsein für Tierwohl bei Geflügel zeige, da mit dem Begriff die meisten an die Haltung von Hühnern denken.

Strengere Masttierhaltung

Genügend Platz im Stall und im Freien sowie eine artgerechte Fütterung befinden Verbraucher als wichtig, und das sei ein wichtiges Kriterium beim Einkauf. Tatsächlich ist das Bemühen der heimischen Landwirtschaft groß, auch die Haltungsbedingungen in konventionellen Mastbetrieben zu verbessern und sich damit von seinen Nachbarländern abzuheben. Das österreichische Bundestierschutzgesetz bei Geflügel gehört zu den strengsten innerhalb der EU – Bodenhaltung, Licht, Luft und Temperatur, alles muss an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden. Auch der Einsatz von Arzneimitteln ist laut der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) vergleichsweise gering. Seit 1960 hat sich der Konsum von Geflügelfleisch in Österreich versiebenfacht und stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Neun von zehn Haushalten kaufen zumindest ab und zu Hühnerfleisch, acht von zehn Putenfleisch. Ein Drittel der Konsumenten gab an, mehr Geflügelfleisch zu kaufen, als vor fünf Jahren; es wird als fettarm und sogar als gesundheitsfördernd bezeichnet.

Nur 2,4% kaufen Bio-Fleisch

Die heimischen Bauern aber können nur 79% der Nachfrage nach Huhn und 41% nach Putenfleisch decken – nicht nur, weil die Kapazität nicht da ist, sondern auch weil die strengen Auflagen in der Mast und die damit verbundenen Kosten nachteilig für den internationalen Wettbewerb sind. Das heißt auch: Die Nachbarländer können mehr produzieren und ins Land importieren. Trotzdem: Für den Lebensmittelhandel ist die hohe Nachfrage eine erfreuliche Entwicklung, knapp 34.000 t Hühner- und Putenfleisch wurden 2016 verkauft, mit einem Gesamtwert von 264 Mio. €. Ungefähr 2,4% davon fallen auf Bio-Geflügel; das ist verhältnismäßig wenig, da gerade der Lebens­mittelhandel in Österreich mit 75% Anteil der größte Abnehmer von Bio-Lebensmitteln generell ist.

Da wundert es einen erneut, warum sich die Zahlen nicht mit den hochgesteckten Kundenerwartungen decken. Das Bio-Fleischsegment gehört zu den „komplizierten Bereichen”, sagt dazu Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der Rewe Österreich. Die Preise dort sind nämlich, anders als bei Bio-Milch oder -Eiern, im Vergleich zu konventionellem Fleisch gleich um ein paar Euro teurer. Wer Fleisch isst, will also billige Ware. Nur wenige sind dazu bereit, den Aufpreis bei Bio-Fleisch zu zahlen und knausern lieber. Das erklärt, warum nur 4,6% Bio-Fleisch und Geflügel im Land der Fleischtiger gekauft werden.

Rewe setzt weiter auf Bio

Von dem geringen Einkaufsvolumen lässt sich die Rewe aber nicht beirren: 210 Produkte zählt das Bio-Fleisch-Sortiment des Lebensmittelhändlers aktuell, mit „laufendem Umsatzwachstum”, so Hensel. Kunden, die in Billa-Filialen ihr Fleisch einkaufen, scheinen im letzten Geschäftsjahr spendabler geworden zu ein. Beim Bio-Rind wuchs der Umsatz um 4% und kommt insgesamt auf einen Anteil von 12% im LEH, ebenso bei Bio-Schweinefleisch (Umsatz und LEH wuchsen um 3%) und bei Geflügel (+5% im Umsatz und +6,5% im Anteil im LEH). Die Eigenmarke Ja! Natürlich soll im Bio-Fleisch-Segment mit 46% Marktanteil in Österreich sogar führend sein.

In der Bio-Fleisch-Produktion nimmt Geflügel erneut eine Sonderrolle ein. Nicht nur im Inland liegt das Fleisch „glücklicher Hühner hoch im Kurs, auch im Ausland gibt es da eine starke Nachfrage”, so Hensel. Das hat auch die Produktion für Bio-Geflügel gehörig angekurbelt (siehe Grafik), wobei das meiste aber in den Export geht.

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