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Bregenzer Seestadt-Projekt abgesagt medianet / Szene1 Guenther Langegger

Marcus Wild, Spar ses

medianet / Szene1 Guenther Langegger

Marcus Wild, Spar ses

Redaktion 16.01.2017

Bregenzer Seestadt-Projekt abgesagt

Investitionssumme von rd. 140 Mio. € wirtschaftlich nicht darstellbar

BREGENZ. Das Großprojekt "Seestadt Bregenz" ist am Freitag nach jahrelangen Planungen von seinen Betreibern abgesagt worden. Bernhard Ölz (Vorstand Prisma Holding AG) erklärte in einer Presseinformation, dass die Investitionssumme von mindestens 140 Mio. € wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Es gebe derzeit kein Alternativprojekt, man müsse in der Zukunft sehen, wie es mit dem Areal weitergehen soll.

Das Bregenzer Seestadt-Areal hätte als urbanes Stadtquartier gestaltet werden sollen. Bereits 2012 (nach jahrelangen Vorarbeiten) hatten die Projektbetreiber - neben Ölz auch die Kaufleute-Familie Drexel (Spar) bzw. die SES Spar European Shopping Centers GmbH - die Bebauung des Areals mit Geschäften, Büros und Wohnungen mit einer Nutzfläche von rund 20.600 m2 ab Herbst 2013 angekündigt. Die Umgestaltung des etwa 9.200 m2 großen Areals sollte die Attraktivität von Bregenz wesentlich steigern. Vorgesehen war damals ein Investitionsvolumen von rund 95 Mio. €, um 14.000 m2 Handels- und 1.500 m2 Büroflächen sowie auf 4.200 m2 65 Wohnungen entstehen zu lassen.

Bei dem städtebaulich sensiblen Gebiet der Seestadt in unmittelbarer Nähe zum Bodensee handelt es sich im Wesentlichen um den ehemaligen Standort des Bregenzer Bahnhofs vor dessen Verlegung in den 1980er-Jahren. Das Gebiet - es gilt als eines der attraktivsten in Vorarlberg - liegt seit Jahrzehnten brach und wird derzeit als Parkplatz genutzt.

Schwierige Parkplatzsituation
Dabei ist das Projekt nicht zuletzt an der Parkplatzsituation gescheitert. So war vorgesehen, eine zweigeschoßige Tiefgarage mit 530 Stellplätzen zu errichten. Speziell die zweite Tiefgaragenebene - Kosten pro Stellplatz: 80.000 € - habe sich als extremer Kostentreiber entpuppt. Man könne diese Ebene aber nicht einfach weglassen, weil man diese Parkplätze für das Projekt benötige, stellte Ölz fest. "Durch die Ausschreibung ist klar geworden, dass manche Teile der Seestadt so unrentabel sind, dass wir diese Kosten nicht auffangen können", sagte der Projektbetreiber. Da war es nur noch eine Ironie des Schicksals, dass diese Woche die letzte für den Baubescheid ausstehende Einigung mit zwei Anrainern erzielt worden war. Die für das Projekt in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Kosten bezifferte Ölz mit sechs Mio. €.

Auch Guntram Drexel und Marcus Wild (SES) bedauerten die Absage des Bauvorhabens sehr. Wild sprach von einem "fantastischen Projekt" und einer Vermietungsumsetzung "über den Erwartungen" von 80%. Man habe die Chance verpasst, dauerhaft 500 dauerhafte Handels-Arbeitsplätze zu schaffen und - das in diesem Bereich großen Aufholbedarf habende - Bregenz zu einem Handelszentrum zu machen. Drexel wies auf die hohe Kaufkraft im Rheintal hin. Die Nicht-Realisierung der Seestadt habe nicht nur für Bregenz, sondern für das gesamte Land Vorarlberg negative Konsequenzen.

Ölz, Drexel und Wild betonten, dass die Aufgabe des Projekts nicht wegen zuletzt erfolgter massiver Kritik aus Architektenkreisen erfolgt sei. "Wir hätten die Kritikpunkte aufgenommen", sagte Ölz. Die Entscheidungsfindung sei durch den Druck von außen aber beschleunigt worden, räumte er ein. Ihrerseits hielten sich die Betreiber mit Vorwürfen an andere zurück. "Es liegt in unserer Verantwortung", stellte Ölz fest, ergänzte aber auch: "Natürlich gäbe es auch andere Parkplatzlösungen." Die Zusammenarbeit mit der Stadt Bregenz, dem Land und den Behörden wurde von den Betreibern ausdrücklich gelobt.

Wie es mit dem Areal weitergehen wird, ist völlig offen. An einen Verkauf sei nicht gedacht, betonte Ölz, auch wenn er diesbezüglich zwei sehr attraktive Angebote aus dem Ausland erhalten habe. Es gebe derzeit keine wie auch immer gestalteten Planungen, vielleicht ergebe sich aber in den nächsten Jahren eine andere Perspektive. Völlig klar sei, dass man nicht noch einmal in eine Vorleistung von sechs Mio. € gehen könne. (APA)

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